Justiz

Angeklagter Schermbecker Jäger belog das Gericht in Wesel

Ein Wildschwein im Herbstwald.

Foto: Lino Mirgeler/dpa

Ein Wildschwein im Herbstwald. Foto: Lino Mirgeler/dpa

Schermbeck.   Der Landwirt wollte offensichtlich seinen Schwiegersohn decken, der in der Üfter Mark auf ein Mutter-Wildschwein geschossen hatte.

Über diesen Freispruch dürfte sich ein Schermbecker Landwirt wohl kaum freuen, denn sein Plan ging voll daneben: Der 66-Jährige war vor dem Weseler Amtsgericht angeklagt, am 18. März diesen Jahres in der Üfter Mark unerlaubterweise auf eine „führende Bache“ (ein Wildschwein-Muttertier) geschossen zu haben.

Ausführlich schilderte er, wie er an jenem Morgen auf Jagd ging, gegen 9 Uhr auf einer Wiese das einzelne Tier zunächst rund 15 Minuten beobachtet und dann einen Schuss abgegeben habe, der allerdings nicht präzise genug gewesen sei, um das Tier direkt zu töten. Er jage seit 1983, sei erfahrener Jäger und sicherer Schütze. „Das ist das erste Mal, dass mir sowas passiert“, erklärte der Landwirt.

Ein Schweißhundeführer ging auf Nachsuche

Nachdem er das Schwein habe weglaufen sehen, habe er einen Schweißhundeführer hinzugerufen.

Dieser kaum kurz darauf zu der Wiese und folgte mit Hilfe seiner Hunde der geflüchteten Bache, die er letztlich 800 bis 900 Meter entfernt in einem Waldstück traf. Er ließ die Hunde von der Leine, die das Stück Schwarzwild stellten, so dass der Hundeführer es mit einem Fangschuss erlösen konnte, sagte er aus.

Nachdem er seine Hunde von dem Wild weggenommen habe, sei seine Arbeit erledigt gewesen, berichtete er im Zeugenstand. Er habe aber an dem Gesäuge der Bache einen Tropfen Milch gesehen.

Nach seinen Angaben deutet das darauf hin, dass die Bache in dieser Zeit Frischlinge gesäugt habe – also nicht hätte geschossen werden dürfen. Trotzdem habe er keine Anzeige erstattet, da dies für Schweißhundeführer so üblich sei.

Jedoch hatte ein Passant, der wohl zufällig das erlegte Wildschwein erblickte, Fotos gemacht und den Fall anonym angezeigt.

Nachdem die Richterin sich beim Schweißhundeführer bedankt hatte und die Beweisaufnahme schließen wollte, meldete sich der Zeuge nochmal zu Wort: „Warum sitzt eigentlich der Landwirt auf der Anklagebank, der hat doch gar nicht geschossen, das war doch sein Schwiegersohn. Dieser hat sich bei mir ja auch noch ausdrücklich für das Nachsuchen bedankt!“

Dem widersprach der Angeklagte nicht und blickte nur noch stumm auf seinen Tisch.

Angeklagte dürfen lügen, dass sich die Balken biegen

„Als Angeklagter dürfen Sie ja lügen, aber so kann man uns nicht veräppeln“, sagte die erboste Richterin und brummte dem Schermbecker zumindest seine Kosten auf.

Das Urteil lautete natürlich Freispruch, vor Gericht verantworten muss sich nun aber der Schwiegersohn.

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