„Teenie-Mütter“

Angelina (15) und Joel (16) aus Schermbeck in Doku-Soap

Joel und seine Verlobte Angelina stehen für die RTL2 Serie „Teenie Mütter“ vor der Kamera, das Kind soll im Oktober zur Welt kommen.

Joel und seine Verlobte Angelina stehen für die RTL2 Serie „Teenie Mütter“ vor der Kamera, das Kind soll im Oktober zur Welt kommen.

Foto: FUNKE Foto Services

Schermbeck.   Angelina und Joel lassen die Öffentlichkeit an ihrem Elternwerden teilhaben. Die Doku-Soap „Teenie-Mütter“ auf RTL2 zeigt ihr Privatleben.

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Angelinas Welt ist Rosarot. Nicht in der zarten, unscheinbaren Variante, sondern als kräftiges Pink verpasst die Farbe dem Leben der 15-Jährigen zurzeit einen Mut machenden Anstrich. Beim Blick auf die frisch renovierten Wände mit der hübschen Herzchen-Tapete lächelt das Mädchen und lehnt sich an Joel, der als Kind in genau diesem Zimmer sein Reich hatte. In sechs Wochen, das haben die Ärzte ausgerechnet, wird der 16-Jährige selber Papa. Dann soll seine Tochter das Kinderzimmer erben. Joel legt beide Hände auf Angelinas Bauch. „Das ist ein echt schönes Gefühl“, sagt der Junge, der noch längst nicht erwachsen ist und doch bald schon die Verantwortung für einen kleinen Menschen hat.

Geschichten wie diese sind es, mit denen RTL2 in seiner Doku-Soap „Teenie-Mütter - Wenn Kinder Kinder kriegen“ Quote macht. In Schermbeck sind die Macher des TV-Senders fündig geworden. Da Joel die Fernsehwelt liebt und schon als Statist für Sendungen wie „Auf Streife“ ins schillernde Business eingetaucht ist, haben er und Angelina „Ja“ gesagt, als der Privatsender anfragte. Auch, weil die Schüler wenig Geld haben und die in ihren Augen üppige Gage, deren Höhe sie nicht verraten dürfen, sie lockte.

Geld gibt’s erst im Januar

Gezahlt wird erst zur Ausstrahlung. Knapp 20 Stunden Dreharbeiten haben die beiden hinter sich. Vieles hat Spaß gemacht, manches finden sie aber auch „doof“. Im Januar soll der fertige Beitrag gesendet werden. Wenn das Filmteam eine Drehgenehmigung bekommt, wird es die werdenden Eltern sogar bis in den Kreißsaal verfolgen.

Das junge Paar, dessen Leben seit gut sieben Monaten Kopf steht, teilt seine höchst privaten Gefühle und Erlebnisse, all die körperlichen, familiären und seelischen Veränderungen auf dem Weg zum Eltern werden bereitwillig mit der Öffentlichkeit. Eine Tatsache, die Joels Mama Claudia Unbehagen bereitet. Sie hat Sorge, dass der Privatsender zu tief in die Intimsphäre der beiden eindringt.

Mittlerweile kann die Mutter damit umgehen, dass ihr Sohn so jung Vater wird. „Am Anfang war das ein großer Schock für uns“, sagt die Schermbeckerin. „Aber was soll man machen?“ Die zweifache Mutter lehnt am Türrahmen des Kinderzimmers im Erdgeschoss ihres Hauses und stellt fest: „Jetzt kann das Baby kommen!“ Bettchen, Wickeltisch, Kuscheltiere — alles da.

Viele haben mitgeholfen, das Zimmer vorzubereiten. Sogar Joels Oma hat beim Renovieren angepackt. Für Mama Claudia und ihren zweiten Ehemann steht fest, dass sie den jungen Eltern eine Stütze sein wollen. „Jetzt freuen wir uns auf die Kleine.“ Und nicht nur der Säugling ist willkommen. Für Joel und Angelina gibt es neben dem Kinderzimmer noch einen zweiten Raum, so dass die kleine Familie einen eigenen geschützten Bereich haben wird. Das ist vor allem deshalb ein Segen, weil Angelina nicht aus Schermbeck, sondern aus Gelsenkirchen kommt und ihre Eltern nach der Baby-Nachricht den Kontakt abgebrochen haben. „Die haben sie rausgeschmissen“, so formuliert es Joel.

So rosarot wie die Wände ist die Gemütslage von Angelina und Joel nicht immer. Als sie sich über eine Dating-App kennenlernten und sich nach drei Tagen Kontakt schon verliebten, war ihre Welt noch unbeschwert. 13 Monate ist das her. Die Wende kam, als der Hausarzt im dritten Schwangerschaftsmonat feststellte, dass Angelina gesundheitlich nichts fehlt, sondern dass sie ein Baby im Bauch hat. Eine Abtreibung war kein Thema. „Dafür wäre es eh zu spät gewesen“, sagt die 15-Jährige. Sie setzt sich im Babyzimmer auf den Boden. Der Bauch ist für das zierliche Mädchen so kurz vor der Geburt eine Last. „Schlafen ist ganz schwierig im Moment.“ Denn nachts ist Party im Bauch. „Die Kleine ist total aktiv.“ Wenn Joel von der Abendschule kommt, wo er erst den Haupt- und dann den Realschulabschluss nachholen möchte, dann kann er das fühlen. Jeden Abend kuschelt er sich im Bett zu Angelina und legt die Hände auf ihren Babybauch.

Party im Bauch

„Wir gehören doch zusammen.“ Wie ernst Joel das meint, hat er seiner Freundin am 16. August auf seine Art gezeigt. „Da hatte ich etwas Geld übrig und habe uns spontan Verlobungsringe gekauft.“ Zur Feier des Tages haben sie beim Italiener in Schermbeck gegessen. „Und wenn wir alt genug sind, dann heiraten wir.“ Die Zukunft hat der 16-Jährige glasklar vor Augen. Wenn er mit der Schule fertig ist, möchte er eine Ausbildung machen. Irgendetwas mit Luftfahrt und Tourismus. Am liebsten Flugbegleiter. Oder Reisekaufmann. „Wenn ich mit allem fertig bin, ist die Kleine so weit, dass sie in die Schule geht“, plant Joel. Und Angelina? Die 15-Jährige scheint erstmal mit der Gegenwart mehr als genug bedient zu sein. Jetzt hat sie Mutterschutz, sobald es geht, möchte sie wieder in die Schule. Alles weitere wird sich zeigen.

Angelina sorgt sich ein bisschen um das Baby. Das Kind hat leichtes Untergewicht. „Weil ich so klein bin und sie keinen Platz im Bauch hat.“ Nicht nur mit der Schwangerschaft und ihrer neuen Rolle als Mutter muss sie sich anfreunden. Auch die kleine Gemeinde Schermbeck ist der Gelsenkirchenerin noch fremd.

„Hier ist es so ruhig“, meint sie. „Warte mal ab, bis wir wieder Kirmes feiern, dann ist echt was los“, sagt Joel. Er hat in den vergangenen Monaten gelernt, optimistisch zu sein. Und er zeigt stolz das Schild an der Wand, auf dem neben „Mama“ und „Papa“ auch der Name der noch ungeborenen Tochter steht: Sofia-Jolin. „Darüber mussten wir nicht lange nachdenken. Jolin steht für uns beide, es ist eine Mischung aus Joel und Angelina.“ Er nimmt seine Verlobte in den Arm. In diesem Moment schauen beide so verliebt und glücklich, dass man ihnen von Herzen eine gemeinsame Zukunft wünscht.

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