Wesel. . Die Entschärfung war sehr gefährlich, da es sich um einen Langzeitzünder mit Ausbausperre handelte und die Bombe zudem extrem ungünstig lag.

  • Vermutlich wurde die britische Bombe bei dem Angriff am 24. Dezember 1944 über Wesel abgeworfen
  • „Es war diesmal ein besonders komplizierter Fall“, sagte Feuerwerker Uwe Palmroth
  • Der Zünder kommt in das Museum im Munitionszerlegungsbetrieb Hünxe, wo auch die Bombe zerlegt wird

„Bombe entschärft“ meldete Freitag exakt um 11.46 Uhr der Kampfmittelräumdienst, als er eine britische Zehn-Zentner-Fliegerbombe unschädlich gemacht hatte.

„Es war diesmal ein besonders komplizierter Fall“, sagte Feuerwerker Uwe Palmroth und atmete tief durch.

Diese Entschärfung sei eine der gefährlichsten überhaupt gewesen, da es sich einerseits um einen chemisch-mechanischen Langzeitzünder mit Ausbausperre handelte und die Bombe zudem mit dem Zünder nach unten gefunden wurde und nicht bewegt werden durfte.

Feuerwerker wollte lieber „ohne Blessuren“ bleiben

Seinen Humor hatte der 48-jährige Entschärfer jedoch nicht verloren: „Es galt für uns den Zünder zu beseitigen – möglichst ohne Blessuren, denn ich wollte ja auch wieder nach Hause gehen.“

Da Palmroth und sein Kollege Martin Ochmann wegen der Gefährlichkeit den Zünder nicht von Hand herausdrehen konnten, kam eine Raketenklemme zum Einsatz, die aus sicherer Entfernung gezündet wurde.

Dies ist ein spezielles pyrotechnisch angetriebenes Schraubwerkzeug. „Man könnte auch sagen ein Zünder-Ausdrehgerät, das durch starke Rotation den Schlagbolzen außerhalb des Wirkungsbereichs befördert.“

Die Experten befestigten die Klemme vorsichtig an dem Zünder der Bombe. Zwei Kartuschen an der Klemme wurden per Fernzündung gestartet und versetzten diese dann samt dem Zünder in eine sehr schnelle Drehung. Dieser wurde dadurch schlagartig herausgeschleudert – so konnte die Sprengladung nicht mehr zünden.

25 Strohballen bildeten rund um die Fundstelle der Bombe auf der Schillwiese einen Schutzwall.
25 Strohballen bildeten rund um die Fundstelle der Bombe auf der Schillwiese einen Schutzwall. © Markus Weissenfels

Eine zweite kleine Sprengung „beförderte dann den Schlagbolzen in den Detonator-Himmel“, erklärte der Feuerwerker schmunzelnd, während er schon fast liebevoll wenige Minute nach der Entschärfung den Zünder mit einem Lappen reinigte, um das Produktionsdatum abzulesen.

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„Es ist Zünder Nummer 37, gebaut im August 1944. Vermutlich wurde die Bombe also am 24. Dezember 1944 über Wesel abgeworfen. Sie hatte eine sechsstündige Auslöseverzögerung. Wenn alle schon gedacht hatten, es sei ein Blindgänger, hätte sie eigentlich detonieren sollen – dadurch hätte es vermutlich noch wesentlich mehr Opfer gegeben.“

Zum Glück ist das aber nicht passiert.

„Der Zünder kommt in unser eigenes Museum im Munitionszerlegungsbetrieb Hünxe“, erläutert Palmroth. „Dort wird auch die Bombe fachgerecht entsorgt.“

Ein Polizeiwagen sperrt am Freitag die Wilhelmstraße.
Ein Polizeiwagen sperrt am Freitag die Wilhelmstraße. © Markus Weissenfels

Ab 10.30 Uhr hatte die Polizei am Freitag-Vormittag großräumige Sperren eingerichtet. Die Evakuierung klappte reibungslos – die Fusternberger Grundschüler hatten schulfrei, zahlreiche Bewohner aus dem Umfeld der Schillwiese gingen in die Innenstadt.

So konnte die Entschärfung fast pünklich um 11.05 Uhr starten. Der Zugverkehr ruhte von 10.57 bis 11.49 Uhr, es gab drei Ausfälle und drei Teilausfälle – Gesamtverspätung: 256 Minuten.

Und in einer nahen Gasleitung war vorsichtshalber der Gasdruck reduziert worden