Kreis Wesel. Die Zahl der Pedelec-Unfälle im Kreis Wesel ist 2021 um 40 Prozent gestiegen. Warum Experten ein Fahrtraining empfehlen - und wo es sie gibt.

Das neue E-Bike, oder richtigerweise Pedelec, ist gekauft – schicker, moderner und vor allem schneller als das alte klapprige Hollandrad. Nach den ersten Fahrten werden aber erste Unsicherheiten bemerkt: Das Rad verhält sich anders, ist ganz schön schwer. Keine Rücktrittbremse? Und was steht da eigentlich genau auf dem Display? Wofür stehen die Buchstaben ECO?

All diese Fragezeichen und Unsicherheiten können im Straßenverkehr zu Problemen und darüber hinaus ernsten Gefahren werden. Schlagzeilen wie „Pedelec-Unfall in Hünxe: 61-Jährige zunächst in Lebensgefahr“, „Pedelecfahrer (71) bei Unfall in Xanten schwer verletzt“ oder „Wesel: Pedelecfahrer stürzt und verletzt sich schwer“ sind nur drei Beispiele aus den letzten zwei Monaten, in denen Pedelec-Fahrerinnen und Fahrer an Unfällen beteiligt waren. 169 Unfälle waren es 2021, im Gegensatz dazu gab es 2020 nur 121 Unfälle mit Pedelec-Beteiligung.

Viele Pedelec-Fahrer im Kreis Wesel

Natürlich hängen die höheren Unfallzahlen zum einen auch mit der höheren Zahl von Pedelec-Fahrenden insgesamt zusammen. 22,9 Prozent im Kreis Wesel besitzen bereits ein Pedelec (etwa 100.000 Personen). Das geht aus einer Statistik des Energieversorgers Eon hervor. Der Kreis Wesel liegt damit leicht unter dem Landesschnitt von 23,8 Prozent, allerdings deutlich über dem Bundesschnitt. Niedersachsen führt gefolgt von NRW die Tabelle an. Doch nicht nur die Masse an Pedelecs bedingt die höhere Unfallquote: Die Fahrt mit dem Pedelec unterscheidet sich deutlich von der mit dem gewöhnlichen Fahrrad – durch das Gewicht, die Technik und die mögliche Geschwindigkeit.

Um den Gefahren vorzubeugen bietet die Polizei im Kreis Wesel zusammen mit der Verkehrswacht in den Ferien Trainings an, bei denen Fahrerinnen und Fahrer ihre Fähigkeiten unter professioneller Aufsicht auf die Probe stellen können. Vom 6. bis 14. Oktober gibt es kreisweit Termine für je bis zu 20 Teilnehmende und fast in allen Kursen gibt es noch freie Plätze. Danach folgen erst wieder Trainings im Frühjahr, in den Osterferien 2023.

„Man wundert sich doch teilweise sehr über den Kenntnisstand“

„Man wundert sich doch teilweise sehr über den Kenntnisstand mancher Teilnehmer“, erklärt Christiane Nattkamp, die als Polizistin die Trainings begleitet und die Menschen schult. Manche kommen beispielsweise gar nicht mit den Händen an ihre Bremsen, andere kennen neuere Verkehrsregeln noch nicht und wieder andere haben den Sattel viel zu hoch eingestellt, obwohl das Rad gerade frisch beim Händler gekauft wurde. Nattkamp appelliert, sich im Geschäft vernünftig beraten zu lassen und das Rad richtig einstellen zu lassen.

In Theorie und Praxis wird den Teilnehmenden bei den Trainings gezeigt, worauf es beim Pedelec fahren ankommt. Meistens auf Schulhöfen werden Parcours aufgebaut, die die Teilnehmenden bewältigen müssen – Slalom, Gefahrenbremsung, Schulterblick. „Eins der wichtigsten Dinge ist vor allem, dass die Leute lernen mit beiden Handbremsen gleichzeitig richtig zu bremsen“, so Nattkamp. Sie habe auch schon mal eine ältere Frau im Kurs gehabt, die dachte, die beiden Handbremsen wären nur Deko-Elemente – ein Ausnahmefall.

Und auch wenn die Leute sich eigentlich schon sicher fühlen und gut fahren können, empfiehlt Nattkamp das Fahrtraining im Grunde für alle, um noch einmal Sicherheit dazu zu gewinnen. Nattkamp zieht einen nahe liegenden Vergleich: Für ein Moped, was auch 25 Stundenkilometer fährt, braucht man einen Integralhelm und Führerschein, fürs Pedelec nicht, obwohl man auch locker 25 damit fahren kann. In den Kursen der Polizei gilt allerdings auch Helmpflicht und es wird darüber hinaus dringend empfohlen Helm zu tragen, denn ohne kann es böse enden.

Begrifflichkeiten: Der Unterschied zwischen Pedelec und E-Bike

E-Bikes sind motorisierte Fahrräder, die bis zu 45 Stundenkilometer fahren können, ein Nummernschild brauchen und mit denen nur Menschen mit mindestens einem Rollerführerschein fahren dürfen. Außerdem gilt je nach Einstufung des E-Bikes eine Helmpflicht. Pedelecs sind dagegen die Fahrräder mit einer unterstützenden Motorisierung bis 25 Stundenkilometer, die jeder fahren darf. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden diese allerdings von den meisten Menschen ebenfalls als E-Bikes bezeichnet.

Die nächsten Termine für Sicherheitstraining im Kreis Wesel

  • Xanten: Donnerstag, 06.10., 9 - 12 Uhr, Gesamtschule Xanten, Heinrich-Lensing-Str. 3
  • Rheinberg: Freitag, 07.10., 9 - 12 Uhr, Amplonius-Gymnasium, Dr. Aloys-Wittrup-Str. 18
  • Schermbeck: Montag, 10.10., 9 - 12 Uhr, Gemeinschaftsgrundschule, Weseler Str. 12
  • Moers: Dienstag, 11.10., 9 - 12 Uhr, Mercator-Berufskolleg, An der Berufsschule 3
  • Hünxe: Mittwoch, 12.10., 9 - 12 Uhr, Grundschule, Am Dicken Stein, Waldweg 55
  • Voerde: Donnerstag, 13.10., 9 - 12 Uhr, Grundschule Regenbogenschule, Auf dem Bünder 25 (ausgebucht)
  • Hamminkeln: Mittwoch, 14.10., 9 - 12 Uhr, Gemeinschaftsgrundschule Hamminkeln, Bislicher Str. 1