Hamminkeln. In der Art und Weise, wie Diskussionen um Flüchtlinge in Hamminkeln geführt werden, sieht Romanski einen „ungeheuerlichen Vorgang“.

Bürgermeister Bernd Romanski hat sich am Donnerstagabend zu Beginn der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses angesichts der Flüchtlingsdiskussionen in Hamminkeln veranlasst gesehen, eine persönliche Erklärung abzugeben: „In der Flüchtlingskrise 2015/2016 haben die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Hamminkeln mit großem persönlichen Engagement viel für die Menschen, die zu uns gekommen sind, geleistet.“ Die aktuelle Flüchtlingssituation werde aber nun auch in Hamminkeln mittlerweile mit scheinbar großer Unerbittlichkeit diskutiert, wobei man seiner Meinung nach im Grunde gar nicht von einer Diskussion, sondern eher von zementierten Aussagen sprechen könne.

„Bürger rufen den Bürgermeister offen und öffentlich zum Rechtsbruch auf, in dem sie fordern, dass der Bürgermeister die ‚Hamminkelner Grenzen‘ für Flüchtlinge schließt. Da kommt einem die Aussage „wir haben aber nichts gegen die geflüchteten Menschen“ schon fast zynisch vor. Bei allem Respekt vor persönlichen Ängsten, einer gefühlten ‚Bedrohungslage‘, einem allgemeinen Unwohlsein angesichts der großen Zahl an Menschen etc., die aus meiner Sicht in Teilen nachvollziehbar sind, sind diese Ängste und Befürchtungen später in einem auf Fakten basierenden Abwägungsprozess zu bewerten“, so Romanski.

Romanski kann einige Aussagen so nicht stehen lassen

In vielen Gesprächen mit Ratsmitgliedern in den letzten Wochen habe er festgestellt, dass diese die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger sehr ernst nehmen und sich ihrer Verantwortung gegenüber allen Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Hamminkeln bewusst seien. Doch mittlerweile könne er einige Aussagen so nicht mehr stehen lassen. „Die Tatsache, dass Behauptungen zum Sachstand aufgestellt werden, die mit der Realität nichts zu tun haben und dass Beeinträchtigungen bei Grundsteuern, in Kindergärten und Schulen, sowie die mögliche Belegung von Turnhallen als Populismus abgetan werden, ist befremdlich, aber das scheint ja in der heutigen Zeit nittlerweile normal zu sein. Dass aber gewählten Vertretern pauschal die ‚notwendige Kompetenz, die moralische Basis und ein ganzheitliches Bürgerinteresse‘ abgesprochen wird, ist aus meiner Sicht ein ungeheuerlicher Vorgang.“

Meine Sorge aber steigt, dass sich Geschichte vielleicht doch wiederholt
Bernd Romanski Hamminkelner Bürgermeister

Die Ratsmitglieder seien die durch Wahl legitimierten Vertreter der Bürgerinnen und Bürger. Auch wenn in den USA Wahlergebnisse offenkundig nicht für alle gelten beziehungsweise nicht von allen akzeptiert werden, sei es ein wesentlicher Bestandteil „unserer Demokratie und unserer Grundordnung, dass diese Wahlergebnisse respektiert und die Verwaltungen akzeptiert werden.“ Diese Art von Diskreditierung der gewählten Vertreter und der zuständigen Verwaltung und die Häufung der persönlichen Angriffe erinnerten ihn auf fatale Weise an die Entwicklungen, die „wir in Deutschland ab 1933 erlebt haben und von denen ich gehofft habe, dass diese einmalig bleiben. Meine Sorge aber steigt, dass sich Geschichte vielleicht doch wiederholt. Aus diesem Grund bitte ich alle Beteiligten und Betroffenen darum, dass wir mit dem notwendigen und erforderlichen Maß an Respekt miteinander umgehen, auch wenn die Emotionen hochschlagen.“