Natur

Auch in Wesel wird es den Platanen zu eng

Hans-Georg Oberender vom städtischen Betrieb ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) mit Platanenrinde am Kurfürstenring.

Hans-Georg Oberender vom städtischen Betrieb ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) mit Platanenrinde am Kurfürstenring.

Foto: Lars Fröhlich

Wesel.   Haufenweise werfen die rund 600 Bäume in Wesel ihre Rinde ab. Das hat allerdings nichts mit der Trockenheit zu tun, sondern ist ganz normal.

Wer am Ring wohnt, kann es Jahr für Jahr beobachten: Die mächtigen Platanen, die an heißen Tagen für kühlen Schatten in der Stadt sorgen, lassen ihre Rinde fallen. Da kann es schon einmal laut knacken, wenn sich die äußere Baumschicht löst und auf den Boden saust. Mit der momentanen Trockenheit hat das allerdings überhaupt nichts zu tun, wie man vielleicht vermuten könnte. Nein, es ist eine Eigenart der Platane, von der es in Wesel sage und schreibe 600 Exemplare gibt. Die meisten davon, 350, sind Altbäume, sagt Heinz-Georg Oberender vom städtischen Betrieb ASG (Abfall, Straßen, Grünflächen) auf NRZ-Anfrage. Er weiß genau, was passiert: „Die Rinde ist nicht in der Lage, dem Wachstum des Baumes standzuhalten.“ Bei anderen Bäumen wächst sie einfach mit. Bei der Platane sei es dagegen wie bei einem zu engen Hemd. „Irgendwann spannt es und platzt auf“.

Ein weiß-grün-gelbes Mosaik

Momentan werfen die großen Platanen, die teils in Dreierreihen am Ring stehen, verstärkt ihre Rinde ab, bestätigt Oberender. Nach ein bis zwei Monaten ist der Spuk wieder vorbei, bis zum nächsten Mal. Dann zeigt sich erneut ein weiß-grün-gelbes Mosaik auf dem Stamm.

Dabei machen die Platanen, die über Jahrzehnte als der ideale Stadtbaum gesehen wurden, weil sie schnittverträglich sind und gut mit Licht und Trockenheit zurecht kommen, verstärkt Sorgen. Ursache ist ein Schlauchpilz, der die Massariakrankheit verursacht. Betroffen sind vor allem Bäume ab 30, 40 Jahren. Der Schädling befällt besonders die untere Astreihe, allerdings von oben. Die Folge: Es ist nicht einfach zu beurteilen, wie es mit dem Befall aussieht. Deshalb wird im Frühjahr und Herbst vom Hubsteiger aus nachgeschaut. Das Problem: Der Pilz ist derart aggressiv, dass er das Holz schnell und intensiv zersetzt und dadurch die Gefahr besteht, dass ganze Äste herunterfallen. Eines steht deshalb fest: Die Platane wird aus der Auswahl der Pflanzbäume in Wesel verschwinden - es sei denn, es muss eine nachgepflanzt werden.

Rätsel um eine Baumlieferung

Übrigens gibt es kleinere Platanen als Kopfbaum an zwei weiteren, Stellen in Wesel: Da ist zum einen der Berliner-Tor-Platz. Zum anderen ist man in Büderich stolz auf seine Platanenallee, die 1936 entstand. Damals erreichten 200 Platanen das Polderdorf, wie man online im KuLaDig nachlesen kann. Die Abkürzung steht für Kultur.Landschaft.Digital, ein Portal des Landschaftsverbands Rheinland, das über die historische Kulturlandschaft informiert. Die 200 Platanen hatte aber niemand bestellt und man munkelt heute, dass sie eigentlich für Meerbusch-Büderich bestimmt waren. Doch auch in dem heutigen Weseler Ortsteil hatte man Verwendung für sie. Und so wurden die Bäume als Allee auf einen nutzlosen Deich gesetzt. Heute ist sie eine Art Wahrzeichen für Wesel-Büderich und steht unter Denkmalschutz.

>>>ZAHLEN UND FAKTEN

Die meisten Platanen wurden nach dem Zweiten Weltkrieg in der zu 95 Prozent zerstörten Stadt Wesel gepflanzt. Sie sind daher alle um die 70 Jahre alt und deshalb besonders anfällig für Schädlinge, wie etwa die Massariakrankheit.

Der schnell wachsende Baum löst seine Rinde in mehr oder weniger großen Platten oder Plättchen ab. Danach ähnelt der Stamm einem Tarnzelt in den Farben Weiß, Grün, und Gelb, wobei die Struktur dann einem Mosaik gleicht.

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