Offene Gartenpforte

Auf dem japanischen Teegartenpfad in Wesel-Schepersfeld

Auch diese steinerne Laterne gehört zu den Besonderheiten entlang des Teegartenpfads.

Auch diese steinerne Laterne gehört zu den Besonderheiten entlang des Teegartenpfads.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Wesel.  Japan mitten in Wesel: Einen japanischen Teegartenpfad gibt es im Schepersfeld. Am nächsten Wochenende kann er besichtigt werden.

Es war eine ganz besondere Reise, die Ute Christiane Dahm (57) und Thomas Möllers (58) vor drei Jahren unternahmen. Mit dem Zug ging es auf eigene Faust kreuz und quer durch Japan. Vieles beeindruckte sie damals, so sehr, dass es heute noch in Wesel nachhallt. Es waren auch die japanischen Teegartenpfade, die ihnen in guter Erinnerung geblieben sind. Hier kann man zur Ruhe kommen und ausspannen, immer wieder aufs Neue auf eine spirituelle Reise gehen. Das große Grundstück am Schepersweg bot sich geradezu an, dort einen solchen Teegartenpfad anzulegen, was im vergangenen Jahr geschah.

„Hier war eigentlich nur ein wilder Streifen“, sagt Thomas Möllers, „alles war zugewuchert“. Jetzt sieht alles ganz geordnet aus, wenn man durch den roten Bogen tritt, den Torii. Es ist kein echter Torii, aber er macht Eindruck und erinnert sofort an Asien. Wer ihn durchschreitet, muss sich in der Regel bücken, denn der Durchgang ist niedrig. Man verbeugt sich hier, nein man verneigt sich sogar, nimmt eine demütige Haltung ein. Dann kann die spirituelle Reise beginnen, bei der die Seele zur Ruhe kommen soll, wie Ute Christiane Dahm erläutert. Der Weg ist zunächst ein bisschen unbequem. Zwischen den quer verlegten Steinen am Anfang wächst Sternmoos, auf das man nicht treten möchte. Also balanciert man über die schmalen Steine, um als Nächstes etwas unbequem auf großen runden, einbetonierten Steinen zu stehen. Man schaut automatisch auf den Boden, um nicht umzuknicken. Es ist so, als wenn man durchs Gebirge läuft, jeder Schritt muss sitzen, um nicht zu fallen.

Danach wird es komfortabler und der Blick geht auf die Pflanzen ringsum. Fächerahorn und Silberkerze sind zu sehen, japanische Anemonen und Bambus, Hortensien und Blutpflaumen, aber auch Rhododendren, Farne und Azaleen. In Japan legt man keinen Wert auf Farbe, wenn es grünt, reicht das. Deshalb werden Sträucher akkurat beschnitten, auch wenn sie dann gar nicht zum Blühen kommen. Das ist hier anders.

Das Prinzip der geborgten Landschaft

Es geht weiter mit großen Schritten, quasi von Insel zu Insel, wie Ute Christiane Dahm es ausdrückt, wie durch einen Fluss. Mittendrin steht ein Tsukubai-Becken. Hier reinigt man sich die Hände vor der Teezeremonie, die eine Wissenschaft für sich ist. Das trübe Wasser in dem Steinbottich, auf dem eine hölzerne Schöpfkelle liegt, ist dazu nicht unbedingt geeignet, muss es auch gar nicht, denn Tee trinken die beiden japanbegeisterten Weseler hier eher selten und mit der Teezeremonie kennen sie sich auch nicht so aus.

Gemüsegarten und Obstwiese

Dennoch sind sie häufig auf dem Pfad unterwegs, auch um den Blick in den anderen Teil des Gartens zu genießen, der extra freigeschnitten wurde. Da viele japanische Teegartenpfade auf kleinen Grundstücken liegen, nutzt man das Prinzip der geborgten Landschaft und schaut einfach hinter den Gartenzaun. Das müssen Ute Christiane Dahm und Thomas Möllers gar nicht tun, denn ihr Grundstück erstreckt sich über stolze 2300 Quadratmeter. Es beherbergt neben dem geordneten Teegartenpfad einen naturgerechten Garten mit vielen Pflanzen, die Bienen und Co. sehr mögen. Und so summt und brummt es hier an jeder Ecke. Ob an den vielen Stockrosen oder dem stämmigen Lavendel – die Insekten haben ihr Paradies am Schepersweg gefunden. Ein Teich, ein Gewächshaus sowie ein Gemüsegarten mit einer Obstwiese komplettieren das Gartenglück der beiden, die in der Lehrerausbildung tätig sind.

Am kommenden Wochenende nehmen Ute Christiane Dahm und Thomas Möllers wieder an der offenen Gartenpforte teil: Schepersweg 38; Samstag, 20. Juli, 14 bis 18 Uhr; Sonntag, 21. Juli, 10 bis 18 Uhr. Dann stellt auch die Moskauer Künstlerin Katya Zarinskaya ihre Bilder aus. Den verwunschenen Garten der beiden hat sie auch schon gemalt.

Weitere Anlaufstellen

Auch hier gibt es am kommenden Wochenende die offene Gartenpforte:

Karin Möhring, Graf-von-Stauffenberg-Straße 43, Wesel; Sonntag, 21. Juli, 12 bis 18 Uhr; Kleiner Naturgarten, Teich, Spielhaus, Hochbeet, Gründächer, gemütliche Sitzecken, Staudenbeete, Ramblerrosen – und das alles auf 500 Quadratmetern.

Wesser Gärten, Grün + Service, Am Blaufuß 70, Wesel; Sonntag, 21. Juli, 12 bis 18 Uhr; Staudengarten, Teich und Holzskulpturen, bäuerlicher Gemüsegarten, architektonischer Anbau in linearer Formensprache – auf 1485 Quadratmetern.

Eva und Reiner Paus, Feldmark 3, Schermbeck; Sonntag, 21. Juli, 11 bis 18 Uhr; Ganzjährig blühender Garten mit Teichen, Stauden, Farnen, Rosen, Rhododendren, Sträuchern, Obstbäumen und lauschigen Sitzplätzen – auf 2300 Quadratmetern.

Marlies und Volker Paus, Am Voshövel 4, Schermbeck; Samstag/Sonntag, 20./21. Juli, 11 bis 18 Uhr; Bauerngarten auf stilvollem Gutshof von 1801, alter Baumbestand, Staudenbeete, Rosen, Reich, antike Accessoires – auf 2000 Quadratmetern.

Dieter und Brigitte Hoppstock, Stegerfeld 48, Hünxe-Gartrop-Bühl; Samstag/Sonntag, 20./21. Juli, 11-18 Uhr; Liebevoll angelegter Garten mit Lippeblick, 30 Quadratmeter große Teichanlage mit Sichtscheibe, Hobbybastelkeller – auf 400 Quadratmetern.

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