Gedenken

Ausstellung in Hamminkeln wendet sich gegen das Vergessen

Bürgermeister Bernd Romanski und die Aktiven aus dem Dingdener Heimatverein Hermann Ostendarp, Heinz Wolberg und  Ulrich Bauhaus (von links).

Foto: Christian Thieme

Bürgermeister Bernd Romanski und die Aktiven aus dem Dingdener Heimatverein Hermann Ostendarp, Heinz Wolberg und Ulrich Bauhaus (von links). Foto: Christian Thieme

Hamminkeln.   Fluchtwege damals und heute – ein Blick auf die Familie Humberg. Von der Geschichte des Gehens bis hin zur Geschichte des Reisens.

Seit dem 5. März 2017 präsentieren 40 Ausstellungshäuser am Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden ein vielseitiges Programm unter dem Motto: „Unterwegs an Rhein und Maas“.

Das Spektrum umfasst die vielfältigen Ursachen und Formen der Fortbewegung und des Unterwegsseins: von der Geschichte des Gehens bis hin zur Geschichte des Reisens und zu den prägenden Migrationsbewegungen in Vergangenheit wie Gegenwart.

Aktuelles zum Thema Flucht

Einer Kooperationsausstellung der Stadt Hamminkeln mit dem Humberghaus Dingden beschreibt die Fluchtwege der jüdischen Familie Humberg in der NS-Zeit. „Mit der Eröffnung der Ausstellung am 9. November soll auch an die Geschehnisse in der Pogromnacht am 9. November 1938 erinnert werden“, betonte Bürgermeister Bernd Romanski. „Damals sind jüdische Einrichtungen zerstört und Menschen misshandelt und ermordet worden.

Die Ausstellung soll gegen das Vergessen sein und wenn mich jemand fragen würde, ob diese Erinnerungen zeitgemäß sind, ist meine Antwort ein klares Ja.“ In seiner Rede thematisierte ­Ro­manski die große Zunahme nationaler Interessen in anderen Staaten und spannte dabei den Bogen von damals bis heute.

Heinz Wolberg, Vorsitzender des Heimatvereins Dingden, führte die Besucher in das Leben und Wirken der Familie Humberg ein. „Lassen Sie die Bilder in der Ausstellung auf sich wirken. Das Thema Flucht ist immer noch ein aktuelles Thema“, betone Wolberg. Im Fokus der Ausstellung stehen die Familienmitglieder Siegfried Frank und Ernst Humberg.

Noch bis 24. November 2017 besuchbar

Siegfried Frank wurde am 7. Mai 1913 geboren und flüchtete 1938 aus Deutschland in die Niederlande. Im November 1939 wurde er verhaftet und kam als einer der ersten Insassen ins Durchgangslager Westerbork in der Provinz Drenthe. Er blieb vier Jahre in diesem Lager, in dem er 1942 sogar heiratete. 1944 deportierten ihn die Nationalsozialisten nach Theresienstadt, Ausschwitz, Buchenwald und schließlich ins Außenlager Rehmsdorf. Sein Weg führte ihn 1945, einige Tage vor dem Kriegsende, auf einen Todesmarsch in Richtung Theresienstadt, wo er nie ankam.

Ernst Humberg wurde am 7. Februar 1893 geboren. Er schaffte es mit seinem Fahrrad in der Pogromnacht von Brünen über die Grenze in die Niederlande.

Später konnte ihm noch seine Ehefrau mit der gemeinsamen Tochter folgen. Über England gelangte die Familie 1939 rechtzeitig nach Kanada und begann dort ein neues Leben. Ernst Humberg baute sich eine neue Existenz als Farmer auf und lebte noch bis 1957.

Die Ausstellung im Foyer des Rathauses Hamminkeln ist noch bis zum 24. November 2017 für Interessierte besuchbar.

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