Natur

Bäume und Tiere dürsten auch im Wald im Kreis Wesel

Auf einem toten Stück Wald siedeln sich neue Bäume an. Es wird wieder heiß und dem Wald geht's schlecht, auch in diesem Sommer, sagt Förster Michael Herbrecht

Auf einem toten Stück Wald siedeln sich neue Bäume an. Es wird wieder heiß und dem Wald geht's schlecht, auch in diesem Sommer, sagt Förster Michael Herbrecht

Foto: Lars Heidrich / FFS

Kreis Wesel.  Während die Dürre große Teile des Waldes schon getötet hat, findet das Wild noch Strategien, um an Feuchtigkeit zu kommen. Der Mensch kann helfen

Es ist gefährlich, in den Wald zu gehen. Das sagt Revierförster Michael Herbrecht. „Es war immer schon ein Risiko, das jemandem mal ein Ast auf den Kopf fällt“, so Herbrecht. „Aber derzeit brechen ganze Bestände in sich zusammen.“

Aktuell seien die Förster nur noch damit beschäftigt, gefährliche Bäume zu finden und zu fällen. Zur Not wird lediglich markiert und gesperrt. Die Bäume sterben also – doch im Wald leben nicht nur Bäume. Wie geht es den Wildtieren?

Das ist unterschiedlich, erläutert Albert Nimphius, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Wesel. „Rehwild nimmt morgens den Tau vom Gras auf, außerdem enthält das Gras Feuchtigkeit.“

Zum Glück gebe es in den Wäldern häufig noch kleine Bäche, an denen es noch saftig grün wächst. Anders ist es mit dem Niederwild, mit Fasanen beispielsweise, Mardern und anderen kleinen Tieren sowie durchweg allen Vögeln. „Sie sind darauf angewiesen, Wasser zu finden.“

Kein flächendeckendes Angebot

Das wissen auch die Jäger und sie versuchen, die Not in ihren Revieren zu lindern.

Doch es ist nicht so einfach, Wasser gefahrlos bereitzustellen, „wenn wir kleine Teiche bauen würden, mit einer Folie, besteht immer die Gefahr, dass Igel und andere kleine Tiere darin ertrinken“.

Die Lösung ist eine sichere Konstruktion aus Kanalrohr, aus der die Tiere an heißen Tagen schöpfen können. Und das Angebot nehmen sie an – Marder, Iltis und Fuchs sind die Besucher dieser Trinkstellen, „alle Tiere nehmen sie gerne an“. Nun ist es aber nicht so, dass die Jäger solche Tränken flächendeckend anbieten könnten.

Daher ist derzeit ein Phänomen zu beobachten, das man im großen Stil nur von Tierfilmen aus Afrika kennt: „Die Tiere wandern weite Wege, um am nächsten Gewässer zu trinken, sie wandern quasi zur Oase“.

Noch gibt es diese Wasserstellen, das Wild habe zwar Durst, sei aber nicht in akuter Gefahr. Vögel allerdings sind sehr durstig, sie freuen sich über Angebote.

Leider verenden sie immer wieder in den Viehtränken beim Versuch, Wasser aufzunehmen: Die Vögel fallen ins Wasser und können sich nicht wieder daraus befreien. Wer helfen will, kann Teller aufstellen. Oder, ein Tipp vom Jäger, einen alten Reifen quer aufschneiden und mit Wasser anfüllen, auch Igel und andere Kleintiere können hier trinken.

Schlimmer als in den 70er Jahren

Während so viele Lebewesen im Wald über die Runden kommen, ist für die meisten Bäume bereits alles zu spät. „Betrachter, die jetzt in den Wald gehen, sind entsetzt“, sagt Herbrecht. Das Waldsterben sei sehr viel größer und schneller als man es aus den 70er Jahren kannte.

„Damals hat man reagiert und die Schlote mit Filtern ausgerüstet“, sagt Herbrecht. Diesmal sei eine Lösung so schnell und vergleichsweise einfach nicht zu haben. „Fest steht schon jetzt: Der Wald der Zukunft ist ganz anders als der Wald von heute.“

Heute versuchen die Förster, gefährliche Bäume zu fällen, aber es fehlt am schweren Gerät, um die große Nachfrage zu bedienen.

Daher ist das Risiko beim Waldspaziergang hoch, warnt Experte Michael Herbrecht. Im Sommer 2020 geht es nicht mehr darum, dass Äste herunterfallen. Es geht für die Waldspaziergänger um die Gefahr, von ganzen Bäumen erschlagen zu werden.

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