Wirtschaft

Bauverein Wesel vor dem Landgericht

An der Leipziger Straße steht dieses Haus, das zuletzt vom Bauverein Wesel saniert wurde.

An der Leipziger Straße steht dieses Haus, das zuletzt vom Bauverein Wesel saniert wurde.

Foto: Funke Foto Services

Wesel.   Der Bauverein und seine Kleinaktionäre wurden Ende Juni überrascht, als jemand eine zehnprozentige Dividende statt der 5,5 Prozent forderte. Und nicht nur das.

Damit hatte am 29. Juni niemand gerechnet. Bei der Hauptversammlung der Bauverein Wesel AG wurden plötzlich ungewohnt harsche Töne angeschlagen. Zwei Rechtsanwälte und ein Aktionärsvertreter stellten außergewöhnliche Fragen und wollten sie sofort beantwortet haben. Zum Beispiel, wieviel denn der Aufzug in einem der Häuser an der Fusternberger Straße gekostet hat? Die Offiziellen des Bauvereins mussten passen. Das galt auch für weitere Fragen, bei denen von vornherein feststand, dass sie, ohne in den Akten nachzuschauen, nicht zu klären sind. Genau das wird dem Bauverein jetzt zum Verhängnis: es liegt eine Klageschrift vor, Klärung vor dem Landgericht Düsseldorf am 26. Oktober.

Noch schlimmer, das Trio – bestehend aus den Rechtsanwälten und einem Aktionärsvertreter – forderte eine zehnprozentige Dividende statt der vorgesehenen 5,5 Prozent. Das ließ die Kleinaktionäre zusammenrücken. Sie stimmten dagegen. Das Prekäre: Das nicht gut gelittene Trio tritt im Auftrag der Volksbank Rhein-Lippe, der Commerzbank und der Firma Pilkington in Aktion. Die drei Unternehmen hatten 1992, nachdem die Gemeinnützigkeit der Bauvereine aufgehoben worden war, die Aktienpakete an einen Mann aus Meerbusch verkauft, mit der Maßgabe, dass er es ist, der die Firmenvorstände anweist und sagt, was zu tun ist. Im Aktienregister sind nämlich nach wie vor die Namen der Unternehmen zu finden. Der Aufsichtsrat des Bauvereins stimmte der Angelegenheit damals nicht zu, hat nun aber mit dem Thema schwer zu kämpfen.

SPD-Fraktionschef Ludger Hovest, der gestern zur Pressekonferenz lud, bei der neben ihm fünf Aktionärsfrauen aus der SPD saßen, ist stocksauer. „Da sind kapitalistische Heuschrecken am Werk“, sagt er und fordert die drei Unternehmen auf, die Aktien zurückzukaufen, ansonsten werde man keine Ruhe geben, notfalls bei der Einweihung der umgebauten Volksbankräumlichkeiten mit Infoständen über das Gebaren informieren oder in der Hohen Straße vor der Commerzbank aktiv werden. Schließlich hätten sie die Macht, das Geschäft von 1992 rückgängig zu machen und dem Käufer die Vollmacht zu entziehen. „Das sind Schweineverträge“, schimpft Hovest, der hofft, dass beim Bürgerschützenfest an diesem Wochenende, bei dem die „ehrbare Gesellschaft beisammen ist“, darüber geredet wird. Volks- und Commerzbank sowie Pilkington hätten sich in ein sklavenähnliches Verhältnis begeben. „Kauft die Aktien zurück und beendet das unschöne Spiel“, appelliert Hovest.

Vier statt der ansonsten anderthalb Stunden dauerte die Hauptversammlung Ende Juni im Tannenhäuschen, bei der erstmals die Presse nicht dabei sein durfte. Es sei ein Fehler gewesen und rechtlich nicht zulässig, dass sie bislang immer eingeladen wurde, so Hovest. Die Versammlung muss nun wiederholt werden, da unter anderem die Beschlüsse angefochten wurden. Weder eine Entlastung noch die Auszahlung der Dividende könne sonst erfolgen. Letztere soll übrigens auf drei Prozent festgelegt werden. Der Rat wird sich am 26. September damit befassen.

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