Justiz

Betrug auf Grav-Insel in Wesel erneut vor Gericht

Auf dem Campingplatz Grav-Insel ist es über einen langen Zeitraum zu Betrugstaten gekommen.

Foto: Hans Blossey

Auf dem Campingplatz Grav-Insel ist es über einen langen Zeitraum zu Betrugstaten gekommen. Foto: Hans Blossey

Wesel.   Berufungs-Verhandlung gegen einen 46-jährigen Ex-Mitarbeiter, der vor drei Jahren zu einer Gefängnisstrafe ohne Bewährung verurteilt wurde.

Wer hat in den Jahren 2012 und 2013 in die Pförtnerkasse des Erholungszentrums Grav-Insel gegriffen und dabei die Betreiber um mindestens 13 906,40 Euro betrogen?

Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Dienstag das Landgericht Duisburg in zweiter Instanz, verhandelt wurde zum Auftakt ausnahmsweise am Amtsgericht in Wesel.

Am 2. März 2015 war ein Lkw-Fahrer aus Sonsbeck, der 23 Jahre Mitarbeiter der Grav-Insel war, vom Weseler Schöffengericht zu einer Freiheitsstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Wegen gewerbsmäßiger Untreue in 62 Fällen über einen Zeitraum von rund neun Monaten, lautete das Urteil gegen den heute 46-Jährigen damals anderthalb Jahre Gefängnis – ohne Bewährung.

Richter am Amtsgericht hatte keinen Zweifel

Er soll Abrechnungen gefälscht und das Geld aus der Kasse genommen haben. „Wir haben nicht den Hauch eines Zweifels, dass Sie diese Taten begangen haben“, so der vorsitzende Richter damals bei der Urteilsbegründung.

Der vierfache Familienvater legte sofort Berufung ein, sodass nun das Landgericht den Fall erneut aufrollt. Wegen der besonderen Situation einer Zeugin, wurde der erste Verhandlungstag in die Hansestadt verlegt. Donnerstag geht es in Duisburg weiter.

Gleich zu Beginn leugnete der Angeklagte erneut die ihm zu Last gelegten Taten. Sein Verteidiger sagte, erstes Ziel sei ein Freispruch für seinen Mandaten – falls es doch zu einer Verurteilung käme, dann zu einer mit Bewährung. Über fünf Stunden verhandelte am Dienstag das Schöffengericht, unterstützt von einem Gutachter, der die für den Fall relevanten PC-Programme unter die Lupe genommen hatte und Zusammenhänge erläuterte.

Knackpunkt: eine Plastikkarte für die Ein-und-Ausfahrt

Wie die Taten abliefen, wurde dabei sehr deutlich, wenngleich die Masche zunächst clever erschien, doch letztlich einen großen Haken hatte. Der Täter manipulierte über seinen Computer die Tages-Abrechnung des Pförtners, indem er einzelne gebuchte (und von den Grav-Insel-Kunden bezahlte) Posten herausnahm, noch bevor diese mit dem End-Bargeldbestand abgeglichen wurde.

So hätte eigentlich ein Überschuss in der Kasse sein müssen, genau diesen entnahm der Täter offenbar unbeobachtet aus der für alle Verwaltungsmitarbeiter zugänglichen Bargeld-Kasse.

So stimmte die Abrechnung logischerweise wieder am Schichtende, wenn der Pförtner (fast immer gemeinsam mit dem Angeklagten) die Einnahmen überprüfte.

"Plötzlich war nur noch ein Hund registriert"

Doch der Betrüger machte einen Fehler: Er hatte wohl vergessen, dass mit der Buchung meist eine Plastikkarte für die Ein-und-Ausfahrt ausgegeben wurde, auf der der aktuelle Buchungsstatus hinterlegt war. Wenn jetzt ein Kunde seinen Aufenthalt verlängern wollte und die Karte vorlegte, wurde „irgendein Blödsinn“ angezeigt, sagte ein Zeuge aus.

Eine weitere Zeugin konkretisierte: „Durch die herausgebuchten Posten, war plötzlich nur noch ein Hund registriert – und der wird ja wohl kaum alleine angereist sein.“

Also installierte ein Computer-Experte eine Überwachungssoftware – so fiel der Verdacht auf den Angeklagten, da die Manipulationen laut des Zeugen nur an seinem PC und mit seinem Kennwort vorgenommen wurden.

Wie das Verfahren in der ersten Instanz verlief, erfährt man hier.

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