Betuwe: Warten auf den Notfallmanager

Kreis Wesel.   „Eher gewinnst du im Lotto, als dass auf der Betuwe-Strecke etwas passiert.“ An diesen Satz der Bahn erinnerte sich Robert Polmann, Leiter der Feuerwehr Gelderland-Midden, als 2011 kurz vor der deutschen Grenze ein ICE auf der Strecke mit einem Güterzug kollidierte, erzählte er bei dem Informationsabend zur Betuwe in Voerde. Damals war er froh über die niederländischen Sicherheitsstandards – die es in Deutschland so nicht geben wird. Auch wenn die Feuerwehren, so Kreisbrandmeister Udo Zurmühlen im NRZ-Gespräch, in manchen Punkten „auf einem guten Weg“ sind.

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„Eher gewinnst du im Lotto, als dass auf der Betuwe-Strecke etwas passiert.“ An diesen Satz der Bahn erinnerte sich Robert Polmann, Leiter der Feuerwehr Gelderland-Midden, als 2011 kurz vor der deutschen Grenze ein ICE auf der Strecke mit einem Güterzug kollidierte, erzählte er bei dem Informationsabend zur Betuwe in Voerde. Damals war er froh über die niederländischen Sicherheitsstandards – die es in Deutschland so nicht geben wird. Auch wenn die Feuerwehren, so Kreisbrandmeister Udo Zurmühlen im NRZ-Gespräch, in manchen Punkten „auf einem guten Weg“ sind.

Wenn ein Kesselwagen mit brennbarer Ladung bei einem Unfall heiß wird, müsse man ihn innerhalb von 30 Minuten mit Löschwasser kühlen, damit er nicht explodiert, erklärte Polmann. In den Niederlanden gibt es dafür alle 200 Meter Hydranten oder Gewässer, aus denen 6000 Liter Wasser in der Minute fließen. Außerdem bieten 1,50 Meter breite Türen der Feuerwehr in den Niederlanden Zugang zur Strecke. Erdungsschalter ermöglichen den Wehrleuten, den Starkstrom in den Oberleitungen automatisch zu unterbrechen. „Sonst müssten wir eine Dreiviertelstunde warten, bis der Notfallmanager der Bahn kommt, bevor wir auf die Strecke können“, so Polmann.

In Deutschland könnte genau das der Fall sein, wenn die Strecke in Betrieb ist. Denn hier müssen die Feuerwehren auf das Eintreffen des Notfallmanagers warten, der den Strom abschaltet. Am Niederrhein gebe es sechs solcher Notfallmanager. Der Diensthabende bekomme – nach einer alten Richtlinie aus dem vorigen Jahrhundert, so Zurmühlen – 20 Minuten Zeit, sich bei der Leitstelle zu melden und müsse nach 30 bis 45 Minuten vor Ort sein. Das könnte, so Zurmühlen, knapp werden, wenn der Notfallmanager weit von der Unfallstelle entfernt wohnt oder sich bei einem anderen Einsatz befindet. Dass die Feuerwehr selbst den Starkstrom abstellen kann, verhindern laut Zurmühlen VDE-Richtlinien und die Unfallkasse. Diese würde, falls einem Feuerwehrmann bei einem solchen Einsatz etwas geschieht, nicht zahlen.

In den Niederlanden müssten die Wehrleute lediglich einen Schalter umlegen. Dadurch werde vor und hinter der Einsatzstelle ein Kurzschluss produziert. Das sei in Deutschland nicht zu machen. In den Niederlanden lägen die Schalter hinter den Lärmschutzwänden, hier wären sie auch für Unbefugte zugänglich. Ändern ließe sich das nur durch eine Gesetzesänderung, so Zurmühlen, der sich in dem Punkt wenig Hoffnung macht.

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