Gericht

Bewährungsstrafe nach tödlicher Alkoholfahrt in Hünxe

Vor dem Amtsgericht in Wesel wurde verhandelt.

Foto: Markus Weißenfels

Vor dem Amtsgericht in Wesel wurde verhandelt.

Hünxe/Voerde.   Nach der Kollision mit dem 16-jährigen Radfahrer gab der alkoholisierte Autofahrer Gas. Anhaltezeichen der Beamten in Voerde ignorierte er.

Es sei ein „schicksalsvoller Tag“ gewesen, für alle Beteiligten. Zu dieser treffenden Einschätzung kam der Anwalt des Nebenklägers während der Gerichtsverhandlung, bei der sich ein 30-jähriger Voerder verantworten musste. Der Industriemechaniker hatte in der Nacht zum 21. Mai vergangenen Jahres in Hünxe einen Unfall verursacht, bei dem ein 16-Jähriger aus Voerde ums Leben kam.

Der Autofahrer wurde zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung und zu einer Zahlung einer Geldstrafe von 1000 Euro an die Straßenverkehrswacht verurteilt. Außerdem muss er noch ein weiteres Jahr auf seinen bereits eingezogenen Führerschein verzichten.

Zu seinen Gunsten wertete das Gericht, dass der Täter nicht vorbestraft und geständig war

Das Schöffengericht sah es als erwiesen an, dass sich der zum Unfallzeitpunkt 29-Jährige der fahrlässigen Tötung, der Straßenverkehrgefährdung durch eine vorsätzliche Trunkenheitsfahrt sowie der Nötigung eines Polizisten schuldig gemacht hatte.

Nicht mehr genau geklärt werden konnte, wie hoch der Alkoholgehalt des Mannes zum Unfallzeitpunkt war. Er gab jedoch bei der polizeilichen Vernehmung sowie auch bei Gericht direkt zu, vor seiner Fahrt Alkohol in nicht unerheblichen Mengen getrunken zu haben.

Trotzdem setzte er sich ans Steuer seines Fahrzeugs und verursachte auf der Dinslakener Straße in Hünxe den tödlichen Unfall, an dem nach Überzeugung des Gerichts allerdings das Opfer auch nicht ganz schuldlos war. Denn der 16-Jährige fuhr auf einem unbeleuchteten Fahrrad auf der Straße statt auf dem Radweg, zudem wurden bei ihm 1,76 Promille Alkohol im Blut festgestellt.

Täter: „Ich dachte, ich wäre gegen ein Reh gefahren“

Nach der Kollision beging der 29-Jährige aber auch noch Fahrerflucht. Er behauptete davon ausgegangen zu sein, dass er gegen ein Reh gefahren sei. Wie der Zufall spielt, geriet der Flüchtige aber nur wenige Kilometer weiter in eine allgemeine Verkehrskontrolle. Doch statt auf das Anhaltezeichen des Polizisten hin zu stoppen, gab er Gas, fuhr nach Hause und legte sich schlafen.

Fast fünf Stunden lang wurde Donnerstag vor dem Weseler Schöffengericht der tödliche Unfall von Hünxe juristisch aufgearbeitet. Unter anderem mit Hilfe eines Kfz-Gutachters sowie sehr präziser Zeugenaussagen, ließ sich der Hergang des schrecklichen Geschehens in der Nacht zum 21. Mai 2017 sehr gut rekonstruieren – wie auch die Vorgänge davor und danach.

Der Verurteilte gab zu, am Abend mit Freunden bis tief in die Nacht gefeiert zu haben. Er hatte sein Auto bei einem Kumpel in Hünxe geparkt, sich dann zusammen mit seinen Freunden per Taxi nach Dinslaken bringen lassen, wo er weiter Party machte und auch reichlich Alkohol konsumierte. Als er dann gegen 3 Uhr genug gefeiert hatte, stieg der Voerder in ein Taxi und beging den ersten großen Fehler: Statt sich nach Hause fahren zu lassen, ließ er sich zu seinem Auto nach Hünxe bringen. „Ab einem gewissen Grad der Alkoholisierung, meint man, wieder fahren zu können“, erklärte der Verteidiger des 29-Jährigen. So setzte sich der Voerder also alkoholisiert ans Steuer seines Wagens und trat gegen 3.30 Uhr die Heimfahrt nach Voerde an.

Das Opfer fuhr ohne Licht und auf der Straße

Zur gleichen Zeit war das spätere Opfer, ein 16-jähriger Voerder per Rad auf dem Heimweg vom Drevenacker Schützenfest. Zeugen hatten den Jugendlichen offenbar wenige Minuten vor dem Unfall noch auf seinem Fahrrad gesehen und sich bereits über die fehlende Beleuchtung – vorne sowie hinten – gewundert.

An der Kreuzung der Dinslakener Straße mit dem Gansenbergweg kam es dann zu dem tragischen Zusammenstoß: Das Auto des Täters erfasste offenbar ungebremst mit etwa Tempo 70 von hinten den Radfahrer, der auf der Straße knapp einen Meter vom Fahrbahnrand entfernt in gleicher Richtung wie der Pkw unterwegs war.

Durch die Wucht des Aufpralls wurde das Opfer gegen die Windschutzscheibe, auf das Autodach sowie den Kofferraum geschleudert. Der 16-Jährige war sofort tot.

Das Fahrrad wurde total demoliert und flog über zehn Meter weiter – am Pkw gab es zahlreiche Beschädigungen, unter anderem zersplitterte die rechte Hälfte der Windschutzscheibe. „Nach dem Knall dachte ich, von rechts wäre ein Reh gekommen, gegen das ich gefahren bin“, sagte der Angeklagte, der einfach weiterfuhr.

Am Ortseingang von Voerde führte die Polizei in jener Nacht eine Verkehrskontrolle durch, in die der Unfallfahrer geriet.

Ein Polizist sagte aus, dass der Fahrer zunächst bremste, dann aber Gas gab.

Daraufhin brachte sich der Beamte lieber in Sicherheit. Bei der anschließenden Verfolgungsjagd hängte der Täter die Polizei jedoch ab.

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