Musiktradition

Bislichs Tambourcorps ist 95 Jahre alt und doch sehr jung

Üben, üben üben – für die Tambourcorpsmitglieder ist der Musikunterricht kostenlos, die Instrumente stellt der Verein.   

Üben, üben üben – für die Tambourcorpsmitglieder ist der Musikunterricht kostenlos, die Instrumente stellt der Verein.  

Foto: Tambourcorps Bislich / PR

Wesel.  Bislich ist ein ländlicher Stadtteil Wesels und hat seit 95 Jahren sein Tambourcorps. Was den Verein für Jugendliche interessant macht.

Viele Vereine treibt das Thema Nachwuchs um, auch das Tambourkorps Bislich: „Wir haben das Luxusproblem, dass unsere Ehrenamtler alle Hände voll zu tun haben, um unseren Nachwuchs auszubilden“, sagt Michael Beermann, Erster Vorsitzender des nunmehr 95 Jahre alten Vereins. Er schmunzelt. 17 der 55 Aktiven sind Jugendliche, das kann sich sehen lassen.

Was reizt Mädchen und Jungen am Tambourkorps? „Es ist cool, wenn Freunde zusammen eintreten“, sagt Johanna Wehoven – bei ihr war das genauso. Die 21-Jährige betreut die Jugendlichen, spielt selbst die Querflöte. „Ich habe hier viele Freunde und auch Familie.“

Zehn Jahre ist das ideale Alter um einzutreten

Kurz vor Ende der Grundschule, das sei das richtige Alter, sagt Michael Beermann. „Die Kinder müssen ja Noten lesen lernen.“ Spielmannsflöte, Marschtrommel und Lyra, das sind die Instrumente des Tambourkorps. Wenn die Kinder kommen, dann können viele noch gar nichts. Und das macht auch nichts. „Wenn wir Glück haben, haben sie bereits Blockflöte gelernt und kennen die Noten“, sagt Beermann. Wenn nicht, lernen sie sie eben.

Viele Spielmannszüge kommen ohne Notenlehre aus, sie nutzen Hilfsnoten: Das sind lediglich Zahlen, die den Flötisten sagen, wie viele Löcher des Instrumentes sie bei diesem Ton zuhalten müssen. Früher haben die Bislicher auch so gespielt, doch vor 25 Jahren stellten sie sich um. Das Tambourkorps spielt hauptsächlich auf der Straße, bei Umzügen. Da ist Marschmusik gefragt, und die gibt es nur in Notensätzen.

Marschmusik, Musicalsongs und schottische Stücke

Zudem sind die Bislicher im Landesmusikverband NRW, nehmen an Lehrgängen teil. Mit Hilfsnoten kämen sie da nicht weit. Und schließlich hilft es den Kindern auch in der Schule, die Noten zu beherrschen. Ohnehin gibt es zwar viel, aber nicht nur Marschmusik. „Wir haben für die Kinder ‘Sister Act’ und ‘The Lion sleeps tonight’ ins Programm genommen und zum Kinderkarneval gespielt. Das kam gut an.“ Außerdem erweitern Musicalstücke, Karnevalsschlager und schottische Musik die Möglichkeiten. Die Musikausbildung kostet nichts, Instrumente und Uniformen werden gestellt und für Jugendliche liegt der Jahresbeitrag bei zehn Euro.

Anfangs war das Tambourkorps eine Angelegenheit der Erwachsenen, und zwar der Männer. Schon vor dem Ersten Weltkrieg gab es den Verein, 1914 erwarb er vier Trommeln und acht Pfeifen für 180 Reichsmark. Offiziell gründete sich das Tambourkorps am Kirmestag 1924 in der Gaststätte Pooth, bis heute das Vereinslokal. Die Männer spielten auf der Kirmes und bei Schützenfesten bis der Zweite Weltkrieg dem ein Ende setzte.

Umgefärbte Uniformen der Bahnpolizei nach dem Krieg

Überlebende fanden sich auf Initiative von Hans Köster 1949 wieder zusammen. Damit das Korps ein einheitliches Bild abgab, besorgte Josef Terfurth 1951 Uniformen der Bahnpolizei, die eingefärbt wurden. „Leider war nach den Auftritten häufig auch das schöne weiße Hemd gefärbt“, erläutert Michael Beermann.

Werner Sackers und Bruno Wüst waren 1964 die ersten Jugendlichen im Verein, Sackers wird in diesem Jahr für seine 55-jährige Mitgliedschaft geehrt. Die Frauen nahmen ihre Hürde Anfang der 70er Jahre: Anita Gerwers, Ingrid Helmes und Annegret Sackers traten bei.

Am 1. September wird das 95-Jährige gefeiert. Acht befreundete Spielmannszüge musizieren dann zusammen mit dem Tambourkorps Bislich ab 12.15 Uhr auf dem Dorfplatz.

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