Corona - Gemüseanbau

Corona: Gemüse wird im Kreis Wesel teuer - Arbeitermangel

Auf vielen Höfen ist derzeit unklar, wer den Spargel stechen wird.

Auf vielen Höfen ist derzeit unklar, wer den Spargel stechen wird.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Wesel  Die Grenzen für Saisonarbeiter sind dicht. Für die Bauern ein existenzbedrohendes Desaster. Verbraucher müssen sich auf hohe Preise einstellen.

Kreis Wesel. „Wir erleben eine Welle der Solidarität“, sagt Spargel- und Erdbeerproduzent Peter Heinen aus Wesel-Obrighoven. „Alle möglichen Leute, querbeet durch die Bevölkerung, wollen bei der Ernte helfen.“ Dass der Bundesinnenminister wegen Corona für Saisonarbeiter aus Drittstaaten die Grenze dicht gemacht hat, erwischt die Bauern kalt. Sie prophezeien, dass Gemüse in diesem Jahr teuer wird – nicht nur der Spargel. In den nächsten Wochen wird das Gemüse gesetzt, da sind viele Hände nötig. Woher nehmen?

Profis werden schmerzlich fehlen - Spargel stechen ist harte körperliche Arbeit

Es sei ein gutes Gefühl, dass die Leute helfen wollen, sagt Heinen. Dennoch plagen ihn die Sorgen: Spargelernte ist harte körperliche Arbeit. Es werde schwierig sein, die zu organisieren und unklar sei, „wie viele sich da durchbeißen“. In jedem Fall werden die Amateure deutlich länger für die Ernte benötigen. Es sind in der Regel Menschen aus der Umgebung, die von Kurzarbeit betroffen sind und etwas dazuverdienen wollen.

Die Profis werden schmerzlich fehlen. Polen dürften eigentlich kommen, „aber viele wollen nicht“, sagt Heinz Wilhelm Hecheltjen aus Hamminkeln der ebenfalls Spargel und Erdbeeren anbaut. Auch bei ihm haben sich Menschen gemeldet, die mitarbeiten wollen. „Beim Spargel kann das noch funktionieren“, sagt er.

Man müsse geschickt und körperlich fit sein. Aber für die Erdbeeren, da braucher er Frauen. „Fürs Pflücken sind Männer nicht geeignet“, ist der Brüner überzeugt. Und weil alle mehr Zeit brauchen, sieht er den Erdbeerpreis eher bei sieben Euro pro Schälchen als bei 3,50.

„Selbstpflücken wäre eine Alternative“, überlegt er. Platz genug wäre auf dem Hektar schon, dass die Pflücker einander wegen der Coronagefahr aus dem Weg gehen können. Hecheltjen geht davon aus, dass die Folgen von Corona von Herbst an in den Gemüseabteilungen deutlich spürbar werden.

Leute mit dem nötigen Biss sind willkommen

Peter Heinen hatte seine Saisonarbeiter am Montag mit dem Flugzeug aus Rumänien erwartet. Daraus wird nichts. Und weil der Spargel demnächst gestochen wird und die Erdbeeren ebenfalls ein Frühjahrsgeschäft sind, fürchtet er um seine Existenz. „Das ist nicht mehr aufzuholen“, die Landwirte haben Verpflichtungen zu bedienen und die Hilfsangebote seien Kredite, „die halten einen dann etwas länger am Leben“. Hoffnungsschimmer sind diejenigen, die helfen wollen. Darunter sein Sohn und eine Gruppe seiner Freunde, Studenten. „Die wirken, als ob sie den nötigen Biss hätten.“

Ringen um die dringend benötigten Arbeitskräfte

Peter Bielefeld sorgt sich nicht allein um den Spargel. Auch in seinen Bundmöhren steckt jede Menge Handarbeit. Einige Leute aus Rumänien seien schon da, zudem hofft er darauf, dass er polnische Arbeiter von einem Baumschulbetrieb übernehmen kann, „wenn sie die überhaupt gehen lassen“.

Um die benötigten Arbeitskräfte zu bekommen, lässt sich Bielefeld einiges einfallen. Wenn sie hier sind und nicht ausreisen können, will er sie sozialversicherungspflichtig anstellen. „Ich will meine Mitareiter dazu motivieren, zu bleiben.“ Unterkunft und Verpflegung sind in diesem Jahr frei. Auch Bielefeld geht davon aus, dass Gemüse teurer wird, der ganze Aufwand wird sich im Preis niederschlagen.

Und der Spargel? „Es ist unklar, ob wir genug Abnehmer finden. Die gesamte Gastronomie fällt aus.“ Noch so ein Problem. Seine Existenz sieht er noch nicht bedroht, denn die Arbeiter sind der größte Ausgabeposten. Sollte sich aber jemand auf dem Hof mit Corona anstecken – dann wäre Schluß.

Zunächst aber wird er sein Bauernlädchen am Tollberg am kommenden Donnerstag öffnen. Er hofft, dass die Grenzen nicht das ganze Jahr dicht sind und es mal Lücken geben wird.

Die Stellungnahme der Landwirte zu ihrer Zukunft sind kaum mehr als ein banges Schulterzucken.

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