Seltener Beruf

Daniel Buteweg aus Wesel ist Tatortreiniger in Voerde

Daniel Buteweg (38) aus Wesel ist Tatortreiniger und präsentiert seine Ausrüstung.

Foto: Markus Joosten

Daniel Buteweg (38) aus Wesel ist Tatortreiniger und präsentiert seine Ausrüstung. Foto: Markus Joosten

Wesel/Voerde.   Zusammen mit Patrick Jöhren (39) und Michael Keunecke (36) hat er sich vor zwei Jahren selbstständig gemacht. Es ist kein Job für Zartbesaitete.

Sie werden oft „die Jungs fürs Grobe“ genannt, wie Daniel Buteweg erläutert. Doch dies sei „etwas verniedlichend“ ergänzt der 38-jährige Weseler gleich. Seine korrekte Berufsbezeichnung ist nämlich Tatortreiniger. Zusammen mit Patrick Jöhren (39) und Michael Keunecke (36) hat er vor zwei Jahren den Hygiene-Service Niederrhein mit Sitz in Voerde gegründet.

Das Trio wird vor allem dann gerufen, wenn herkömmliche Reinigungsmethoden nicht mehr ausreichen. „Größtenteils sind dies Leichenfundorte“, konkretisiert Jöhren. „In der Regel also Kriminalfälle – die machen etwa 70 Prozent unserer Arbeit aus“, so der Spezialist.

Manchmal wird es wirklich etwas ekelig

Der Rest verteile sich auf Messi-Wohnungen und Fälle von „Animalhording“. Letzteres bezeichnet kranke Menschen, die Tiere „sammeln“, sie auf engstem Raum halten – ohne die Mindestanforderungen an Nahrung, Hygiene oder tierärztlicher Versorgung zu gewährleisten. „Dann wird es gelegentlich wirklich etwas ekelig“, sagt auch Daniel Buteweg, der von einem Fall berichtet, bei dem er vor der Entrümpelung einer Wohnung etwa 50 Tierkadaver unter einem Berg von Pfandflaschen beseitigen musste.

Logisch, dass es in solchen Fällen nicht damit getan ist, „einmal die Putzfee durch die Wohnung zu schicken“, erläutern die Tatortreiniger. Denn: „Die Bekämpfung von Seuchenherden, die eine Gefahr für die Gesundheit darstellen und hochinfektiöse Krankheiten beherbergen, gehören zu unseren Aufgaben“, so Experte Buteweg, der – wie auch seine beiden Kollegen – nur in spezieller Schutzkleidung seine Einsatzorte betritt und dort aktiv wird.

Innerhalb von zehn Minuten einsatzbereit

Die drei Weseler hatten vor gut zwei Jahren festgestellt, dass in der Region die Nachfrage nach professionellen Tatortreinigern besteht. Also gründeten sie ihre Firma, die mittlerweile NRW-weit agiert und einige „Stammkunden“ gewonnen hat – so private Bahnanbieter. „Nach einem Zugunfall mit Personenschaden liegt dem Betreiber sehr viel daran, schnell wieder den Bahnbetrieb aufnehmen zu können“, erläutert Buteweg, weshalb mindestens einer der Tatortreiniger immer Bereitschaft hat. „Innerhalb von zehn Minuten können wir einsatzbereit sein.“

Nach maximal anderthalb Stunden sei die Bahn dann wieder einsatzfähig, ergänzt der Experte, der ein weiteres konkretes Beispiel nennt: „Auch wenn ein Zug in eine Gruppe Wildschweine gefahren ist, kann der Lokführer mit der blutverschmierten Lokomotive schlecht in den nächsten Bahnhof einfahren.“ Auch dafür hat der Hygiene-Service sich ein Einsatzfahrzeug zugelegt mit dem er fast überall – unabhängig von Strom- und Wasserversorgung – arbeiten kann.

Ihre Schweigepflicht nehmen sie ernst

„Wir unterliegen der Schweigpflicht und garantieren ein diskretes Vorgehen“, ergänzt Jöhren. Vor allem bei Kriminalfällen sei zudem eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Polizei und auch den Hinterbliebenen selbstverständlich. „Wir dürfen erst die Wohnung betreten, wenn sie durch die Staatsanwaltschaft freigegeben wurde. Und sobald wir noch etwas finden, was mit dem Fall in Verbindung stehen könnte, unterbrechen wir unsere Arbeit und benachrichtigen die Polizei“, so Jöhren.

Gelegentlich sind Angehörige psychisch nicht mehr in der Lage, nach einem Gewaltverbrechen eine Wohnung zu betreten, um nach Dokumenten zu suchen. „Wir gehen überall hin, wo keiner mehr hin will“, sagen die „Jungs fürs Grobe“.

Toleranz gegenüber Gerüchen ist erforderlich

Und wie kann man solch eine Arbeit auf Dauer aushalten? „Man muss natürlich schon ein bisschen abgehärtet sein“, sagt Daniel Buteweg und konkretisiert: „Eine gewisse Toleranz gegenüber Gerüchen und Anblicken ist einfach erforderlich.“

Teilweise sind die Einsatzorte sogar so verdreckt, dass das Tatortreiniger-Trio zu extremen Maßnahmen greifen muss: Bei der Entrümpelung einer Wohnung in Duisburg, in der eine Dame verstorben war, war es bei Weitem nicht damit getan, 24 Katzen-Kadaver zu beseitigen. „Wir mussten auch die Bodendecke, also zunächst das Laminat und den Teppich abnehmen und dann den kontaminierten Bereich Estrich rausstemmen“, beschreibt Buteweg.

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