Kreis Wesel.

Das größte Problem ist die Nachweisbarkeit

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Kreis Wesel. „Diagnose Kindesmisshandlung“ lautete das Thema einer Fachtagung, zu der der Kreis Wesel neben einer Expertenrunde alle Kinder- und Allgemeinmediziner sowie die Ärzte der Kliniken und Krankenhäuser des Kreises eingeladen hatte. Dabei wurde das Hauptproblem bei dieser Art der häuslichen Gewalt schnell deutlich: die Nachweisbarkeit. Denn ob ein Kind sich beim Spielen verletzt hat oder misshandelt wurde, kann vom Arzt auf den ersten Blick nicht immer klar festgestellt werden. Da die Täter häufig den Arzt wechseln („doctor-hopping“), gehen viele Befunde zudem verloren oder es kommt zu einer verspäteten Diagnose mit zum Teil fatalen Folgen.

Aus diesem Grund haben Duisburger Polizisten, Kinder- und Jugendärzte im Jahre 2007 RISKID (Risiko Informationsdienst Deutschland) ins Leben gerufen. Dabei handelt es sich um ein Netzwerk zum Austausch medizinischer Befunde. „Doctor-hopping“ könnte damit sinnlos werden, wenn der Staat mitspielen würde. Was er nach der Ansicht der Experten aber nicht macht: „Der Gesetzgeber schiebt die Verantwortung an die Jugendämter und die sind teilweise damit überfordert“, erklärt Heinz Sprenger, Kriminalbeamter und Mitgründer von RISKID.

Sprenger, der Kinder- und Jugendarzt Dr. Ralf Kownatzki sowie Dr. Lars Althaus, Leiter der Rechtsmedizin am Klinikum Duisburg, bedauern, dass auch nach der Verabschiedung des Bundeskinderschutzgesetzes die Fachbereiche Jugendhilfe und Gesundheitswesen voneinander abgeschottet sind. Ärztliche Schweigepflicht und das im Grundgesetz verankerte Elternrecht machen den Austausch zwischen Ärzten nahezu unmöglich. Stattdessen lasse das Gesetz den Medizinern die Rolle von Informanten zukommen, die unklare Verdachtsfälle an die Jugendämter melden sollen.

In akuten Fällen ist die Duisburger Rechtsmedizin im Kreis Wesel erster Ansprechpartner für Kinderärzte und Polizei. „Wir untersuchen 60 -80 Fälle von Kindesmisshandlungen pro Jahr“, berichtet Althaus.

Hilfe anbieten

Schwierig werde es dabei vor allem dann, wenn nicht eindeutig nachgewiesen werden kann, wer dem Kind die Verletzungen letztendlich zugefügt hat. Und weil nicht jeder weiß, dass seit dem Jahr 2000 in Deutschland gewaltfreie Erziehung vorgeschrieben ist, drohe man bei kleineren Vergehen auch nicht sofort mit einer Strafverfolgung. „Manchmal reicht es schon aus, den Familien Hilfe anzubieten“, weiß Heinz Sprenger.

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