Preis-Verleihung

Der erste Weseler Künstlerinnenpreis geht an Edith Bein

Gruppenbild mit Preisträgerinnen. Den ersten Preis erhielt Edith Bein (Mitte), den zweiten Claudia Holsteg-Küpper (l.) und den dritten Petra Klein (r.)Foto:Gerd Hermann

Gruppenbild mit Preisträgerinnen. Den ersten Preis erhielt Edith Bein (Mitte), den zweiten Claudia Holsteg-Küpper (l.) und den dritten Petra Klein (r.)Foto:Gerd Hermann

Foto: Gerd Hermann

Wesel.   Im Centrum wurde der Erna-Suhrborg-Preis verliehen. Rund 600 Besucher hatten abgestimmt. 2019 soll der Preis erneut ausgeschrieben werden.

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„Das alles ist ganz eigenartig -- ich bin überwältigt“, musste eine sichtlich berührte Edith Bein nach dem offiziellen Teil schon eine Träne verdrücken. Die 68-jährige Hünxerin, die seit 20 Jahren malt und diverse Ausstellungen bestückt hat, war als erste Preisträgerin von Susanne Lemke – Betreiberin des Restaurants ART – und dem Ehepaar Suhrborg als „Malerin, die mit verschiedenen Techniken und ungewöhnlichen Zutaten arbeitet und stilsichere und ausdrucksstarke Kunst kreiert“, gewürdigt und geehrt worden. „Ich bin unendlich dankbar für den großen Zuspruch“, dankte sie „aufgeregt-glücklich“ - auch allen, „die mich gedrängt haben, mich zu beteiligen.“ Fachleute und Publikumsjury waren von ihrem Bild „Ende eines Sommers“ beeindruckt gewesen. „Inwieweit mich das beeinflussen wird, das müssen sie mich in einem Jahr fragen“, nahm Edith Bein die Glückwünsche der Anwesenden entgegen.

„Eine wunderbare Idee!“

„Drei-zwei-eins: meins“, hatte zuvor Heike Kemper, Kulturbeauftragte der Stadt Wesel, in den Ausstellungsräumen der Galerie an der Ritterstraße den Slogan eines bekannten Internetportals zitiert, um die Erwartungshaltung der drei Preisträger des Erna-Suhrborg-Preises zu skizzieren.

Ihr Dank galt dem Ehepaar Gabriele und Hans-Dieter Suhrborg für „die wunderbare Idee, die Sie uns vorgestellt haben“, einen Preis auszuloben für Künstlerinnen, „die ohne Kunststudium sind“. Dabei zog sie die Parallele zur Schwiegermutter und Mutter Erna Suhrborg, die selbst eine „stille Meisterin ohne Kunststudium“ gewesen ist.

Insgesamt 27 Künstlerinnen aus dem gesamten Kreis - von Moers bis Hünxe - hatten sich mit ihren Arbeiten beworben, zehn davon waren ausgewählt worden. Jeweils eine ihrer Arbeiten durften die Damen dann in der Galerie im Centrum seit dem 8. Januar ausstellen - parallel zur Eröffnung von Gabriele Suhrborgs Ausstellung „Mit Nichts fängt alles an“.

600 Menschen stimmten ab

Das Publikum hatte einen Monat Zeit, um für den jeweiligen Favoriten zu voten. Eine Fachjury aus Niederheinischem Kunstverein, Niederrheinischer Sparkasse, Restaurant ART, Heimatverein Diersfordt, dem Ehepaar Suhrborg und Bürgermeisterin Ulrike Westkamp hatte das Urteil dann ergänzt.

„Uns war das Publikum wichtig, weil Kunst ja nun mal im Auge des Betrachters liegt“, war Heike Kemper erfreut, dass sich an die 600 Menschen daran beteiligt hatten, immer wieder Stimmzettel nachgedruckt werden mussten - und dass Publikum und Jury zu einem „fast identischen Ergebnis“ gekommen waren. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp erinnerte in ihrem Grußwort an die Lebensgeschichte der Preis-Namensgeberin Erna Suhrborg, die als abstrakte Malerin und „bescheidene zurückhaltende Person“ gewirkt habe. Man wolle als Stadt und den Partnern mit dem Preis „begabten Frauen Mut machen“, die Kunst als wichtig erachten - aber im Kunstbetrieb nicht so sehr privilegiert und wahrgenommen würden.

Die Kunstwissenschaftlerin Nina Schulze vom Schloss Moyland hatte bei ihrem „persönlich gefärbten Einblick in die autodikatischen Künstlerinnen“ den Unterschied zwischen Autodidakt und Amateur aufgelöst. Sie stellte klar, dass nicht nur „Männer zu ästhetischer Größe fähig sind“, wie ein britischer Kunstkritiker noch 2008 in einer Zeitung geäußert hatte.

Und sie skizzierte die Entwicklung von den früheren Problemen von Frauen in der Kunst bis zu ihren heutigen Möglichkeiten als „Self-made-Künstlerin“. „Es bedarf Mentoren, starker Partner und Fürsprecher“, so sei der Preis „eine gute Gelegenheit, Patenschaften für die Künstlerinnen zu bilden.“ Die sollten frei nach Edith Piaf handeln: „Ich bereue nichts, ich habe gelebt.“

Zweiter Preis für „Die Flucht“

Neben Edith Bein wurde die Weselerin Claudia Holsteg-Küpper für ihre Skulptur „Die Flucht“ und ihr vielseitiges Werk mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. „Das ist eine ungeheure Motivation“ , meinte die Künstlerin. Der dritte Preis ging an die Moerserin Petra Klein, die mit der „digitalen Verfremdung und Bearbeitung ihrer Fotos“ beeindruckt hatte. „Dieser Erfolg, der stärkt das Selbstbewusstsein“, bekannte die 58-Jährige.

Stifter Hans-Dieter Suhrborg bestätigte, dass der Preis im Jahr 2019 erneut ausgeschrieben werden soll. „Das soll dann noch etwas größer werden“, versprach er. Schließlich gebe es dann auch einen konkreten Anlass. Dann wäre meine Mutter 110 Jahre alt geworden.“

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