Der Hahn auf dem Dach

Foto: WAZ FotoPool

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Kreis Wesel. Wer guckt schon in die Luft? Wer weiß, ob oben auf „seiner” Kirche ein Wetterhahn sitzt? „Ach Gott”, sagt die Küsterin auf Nachfrage. Da müsse sie direkt mal nachschauen. Vielleicht liegt es auch daran, dass Wetterhähne so schweigsam sind. Rar sind sie jedenfalls nicht.

St. Ludgerus in Schermbeck hat einen Hahn, die Kirche in Brünen auch, und St. Martini in Wesel hat gleich zwei. Zunehmend erobern sie auch Wohnhäuser. Der Wetterhahn ist nicht nur ein Hingucker - als krönender Abschluss der Kirchturmspitze. Als Symbol hat er eine Bedeutung. Er erinnert an die Verleugnung Christi in der Passionsnacht, er mahnt und wacht. „Der Hahn kündigt den Morgen an und steht für die Auferstehung”, sagt Pastor Heinrich Pauen. Die beiden Hähne von St. Martini tun dies quasi in Aufgabenteilung. Auf dem Turm und auf dem Westgiebel sind sie so weit von einander entfernt, dass es nicht zum Hahnenkampf kommen kann. Der „Nachkriegshahn” auf dem Giebel sei vor einigen Jahren nach einer alten Vorlage erneuert worden, sagt der Pfarrer. Das Wetter setzt den Wetterhähnen zu.

Wenn es neue Hähne braucht, geht man zum Schmied. Oder ins Internet, wo es ein riesiges Angebot gibt. Und nicht nur das: Auch Bastelanleitungen zum Eigenbau finden sich dort - Schnittmuster inklusive.

Die Symbolik ist das eine. Was aber hat der Hahn mit dem Wetter zu tun? Gut, er muss für fragwürdige Wetterregeln herhalten („Wenn der Hahn kräht auf dem Mist ...”). Aber in seiner metallenen Version kann er, nur weil er in luftiger Höhe nahe an Sonne und Wolken ist, doch das Wetter vorhersagen. Immerhin aber konnte und kann mancher Wetterhahn eines: sich mit dem Wind drehen und so zumindest dessen Richtung anzeigen. Indes ist nicht jeder Hahn auf einem Dach oder Turm solch ein Wendehals. Viele sind alles andere als lebendig, völlig unbeweglich.

Wachsende Konkurrenz

In sich starr ist auch die Wetterfahne. Eines der Gebäude, die sie in den Wind halten, ist das Ringenberger Schloss. Auch die Reformierten in Schermbeck zogen 1784 die Fahne dem Hahn vor. Als ihre Kapelle umgenutzt wurde, landete sie samt Turmspitze im Heimatmuseum, wurde aber ersetzt. Und auch Mühlen tragen solche Windrichtungsanzeiger, wie der Sammelbegriff lautet. So die Loikumer Kappenwindmühle oder auch die als Ehrenmal dienende Windmühle in Dingden.

Hahn wie Fahne haben derweil vielfache Konkurrenz bekommen. Bernd Buschmann aus Lackhausen, in dessen Schmiede ab und an ein Wetterhahn für eine Kirche entsteht, weiß auch von Hexen oder Schornsteinfegern. Und von Sonderwünschen: Einmal hat er für einen Giebel einen Koch mit Suppentopf, ein anderes Mal das Lieblingsschiff eines Seglers hergestellt. Auch tierische Mitbewerber sieht man auf unseren Dächern: Pferde, Schweine, Ochsen oder Katzen.

Mit dem klassischen Wetterhahn kann es allerdings allenfalls der „Wetterschwan” aufnehmen, der auch hier nicht selten ist. Er gilt als Symbol für den Reformator Martin Luther und ziert folgerichtig das Weseler Lutherhaus, aber etwa auch die Georgskirche in Schermbeck. Dass er in Büderich eine reformierte Kirche krönt, lässt sich laut Pastor Joachim Wolf entweder darauf zurückführen, dass der auch in Wesel wirkende Reformator Adolf Clarenbach ein Luther-Schüler gewesen sei oder aber, dass man den Klever Schwan (Büderich zählt zum Kirchenkreis Kleve) darstellen wollte.

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