Natur

Der Niederrhein ist kein bevorzugtes Revier für Wölfe

Der in der Region gesichtete Wolf war wohl auf Wanderschaft. Diese Foto zeigt ein Tier in einem Wildpark.

Der in der Region gesichtete Wolf war wohl auf Wanderschaft. Diese Foto zeigt ein Tier in einem Wildpark.

Foto: dpa

Wesel/Hamminkeln/Rees.   Sowohl der Wolfsberater Friedel Sievert als auch Nabu-Chef Peter Malzbender halten es aktuell für unwahrscheinlich, dass Tiere sich niederlassen.

Das erneute Auftauchen eines Wolfes in der Region nach 2016 löst eine heftige Debatte und einen regelrechten Hype aus. Nicht nur in Haffen, sondern wohl auch in Bislich wurde das Exemplar gesichtet. Das Pro und Contra einer Wiederansiedlung, mögliche Gefahren für Haustiere oder gar Menschen werden in den sozialen Netzwerken und auch auf der Facebook-Seite der NRZ Wesel kontrovers diskutiert. Doch ist das Auftauchen des Wildtieres ein Grund zur Sorge und ein Indiz dafür, dass sie sich auch bei uns am Niederrhein erneut ansiedeln werden?

Wir haben mit einem Fachmann darüber gesprochen. Friedel Sievert ist Förster in Hamminkeln und einer von mehreren Wolfsberatern des Regionalforstamtes Niederrhein. Er ist in diesen Tagen ein gefragter Gesprächspartner und rät zu mehr Gelassenheit: „Wir müssen es nehmen als das, was es ist: Ein wandernder Wolf auf der Suche nach einem neuen Lebensraum.“ Dass sich die Tiere am Niederrhein niederlassen, sei nicht auszuschließen, doch eher unwahrscheinlich.

Andere Regionen sind attraktiver für den Wolf

Denn – und da ist sich Sievert einig mit dem Kreis Weseler Nabu-Chef Peter Malzbender – die hiesige, relativ dicht besiedelte Region ist kein bevorzugtes Revier für Wölfe. Zwar gibt es hier reichlich Wild als Nahrung, aber das Land ist eben auch sehr zersiedelt. Da sind andere Regionen deutlich attraktiver. Sievert: „Solange sie Gebiete finden, die günstiger sind als der Niederrhein, werden sie sich anderswo ansiedeln.“ Zum Beispiel in der Eifel oder im Sauerland.

Dass Tiere den Westen durchwandern, sei jedoch zu erwarten gewesen: In Niedersachsen gibt es mehrere Rudel und besonders in Ostdeutschland. Die geschlechtsreifen Jungtiere werden aus dem Rudel verstoßen und machen sich auf die Suche nach einem eigenen Revier. Woher der Wolf, der in Haffen und möglicherweise auch in Bislich gesehen wurde, stammt, ist noch nicht klar. Sieverts Kollege Peter Sprenger hat Haarproben gesammelt, die Hinweise liefern könnten.

Für Menschen, versichern sowohl Friedel Sievert als auch Peter Malzbender, stellen die durchziehenden Wölfe keine Gefahr dar. „Niemand muss sich fürchten. Der würde niemals einen Menschen anfallen“, versichert Malzbender.

Lernen, die Tiere einzuschätzen

Und auch der Wolfsbeauftragte des Regionalforstamtes bestätigt, dass die heutige Wolfsgeneration den Menschen zwar nicht als Gefahr kennengelernt hat und es zu zufälligen Begegnungen kommen kann, sie den Zweibeinern aber möglichst aus dem Weg gehen. Der Wolf auf den Haffener Deich habe offenbar einen Weg über den Rhein gesucht und sei auf dem baumlosen Areal gut zu sehen gewesen.

Eine Ausnahme sieht Sievert allerdings: Wenn Wölfe die Nähe zu Menschen suchen, „muss etwas passieren.“ Ein solcher Wolf ist 2016 in Niedersachsen erschossen worden. Für Schafhalter sieht die Sache anders aus. Ihre Tiere stehen auf dem Speiseplan des Raubtiers. Sievert: „Sie fressen das, was am leichtesten zu erreichen ist.“

Da die Wölfe so lange in der Region ausgestorben waren, müssten die Menschen erst wieder lernen, sie einzuschätzen. Vorläufig ist aber mit häufigeren Begegnungen wohl noch nicht zu rechen. Sievert: „Möglicherweise gibt es die nächsten zwei Jahre wieder keine Wolfssichtungen.“

>> KOMMENTAR:

Friedel Sievert hat recht: Ein bisschen mehr Gelassenheit wäre gut. Klar erregt so ein seltenes Tier viel Aufmerksamkeit und auch manche Sorge – doch wer den Wolf zum Problemtier erklärt, bevor er überhaupt ein Problem bereitet hat, trägt dazu bei, dass die einst hier heimischen Wildtiere von vorneherein einen schweren Stand haben.

Solange hin und wieder ein Wolf den Niederrhein durchquert, werden sich auch die Schäfer nicht allzu große Sorgen um hohe Verluste machen müssen. Und ob er sich eines Tages hier wieder ansiedelt, bleibt eh abzuwarten. Angesichts so mancher emotionaler Diskussion reibt man sich verwundert die Augen. Wir sollten das Wildtier weder verklären noch verteufeln. Ich habe jedenfalls keine Angst, in den Wald zu gehen.

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