Energieversorgung

Dialogmarkt zur Zeelink-Gasleitung stößt auf Lob und Kritik

Zum Projekt Zeelink wurde ein Dialogmarkt auf Hecheltjens Hof angeboten, der auf großes Interesse stieß.

Foto: Kempken

Zum Projekt Zeelink wurde ein Dialogmarkt auf Hecheltjens Hof angeboten, der auf großes Interesse stieß. Foto: Kempken

Kreis Wesel.   Zeelink-Projektleiter standen mehr als 100 Wissbegierigen in Hamminkeln-Havelich Rede und Antwort. Manche fanden's gut, andere bleiben skeptisch.

Mit den Menschen ins Gespräch kommen – das war das Ziel des Zeelink Dialogmarktes am Montagabend in der Festscheune Hecheltjens Hof in Havelich.

Dabei standen die beteiligten Projektleiter und Fachleute den Betroffenen der neuen Erdgasleitung Rede und Antwort. Die neue Leitung, die im Rahmen des Zeelink-Projekts gelegt werden soll, ist für die Umstellung von L-Gas auf H-Gas notwendig. Sie soll auf etwa 215 Kilometern Gas von der belgisch-deutschen Grenze bei Lichtenbusch bis nach Legden in Nordrhein-Westfalen transportieren. Der Baubeginn ist für 2019 angesetzt, die Inbetriebnahme soll ab März 2021 beginnen.

Beteiligt an dem Projekt sind die Firma Open Grid Europe, die derzeit etwa 12 000 Kilometer Fernleitungsnetz in Deutschland betreibt, sowie das Unternehmen Thyssengas, das ein Gastransportnetz von 4 200 Kilometern Länge in Nordrhein-Westfalen betreibt.

Von Anfang Februar bis Ende März soll es entlang der geplanten Trasse 16 Dialogmärkte geben. Dabei stehen zahlreiche Fachleute und 13 Infotafeln zu den verschiedenen Themengebieten zur Verfügung.


Neben den allgemeinen Fakten und Informationen ging es dabei auch um die Erläuterung der Baumethoden, um die Kooperation mit den Grundbesitzern sowie die ökologischen Aspekte.

Auch kleine Informationsfilme zu den Arbeitsweisen wurden gezeigt, außerdem stand eine Feedbackbox bereit, um die Meinung der Besucher zu erfahren.

Ängste sollen abgebaut werden

In Havelich wurde der Dialogmarkt sehr gut angenommen. „Es gab 100 Voranmeldungen und zusätzlich sind noch viele Interessierte ohne Anmeldung gekommen“, berichtet Eugen Ott, der in der Kommunikationsabteilung des Zeelink-Projekts arbeitet.

„Uns liegt besonders das Angebot zum direkten Gespräch am Herzen. Wir möchten durch frühzeitige Information Ängste abbauen.“ Dennoch sei es nicht einfach, alle Betroffenen zu erreichen und zu beruhigen, denn schließlich müssten sie die Arbeiten auf ihrem Land in Kauf nehmen.

Davon sind viele auch trotz der Bemühungen der Beteiligten des Zeelink-Projekts alles andere als begeistert.

So auch einige Betroffene, die an einem Infostand warten, um einsehen zu können, über welche ihrer Ländereien die Gasleitung in Zukunft verlaufen wird. Sie sind sauer: „Sie sitzen ja sowieso am längeren Hebel. Und hier picken Sie sich die Einzelpersonen heraus, um sie zu überzeugen. Das ist unfair. Es müsste gemeinschaftlicher verlaufen.“

Einer von ihnen habe bis heute keine Einladung zu den Veranstaltungen erhalten, obwohl er direkt betroffen sei. Außerdem sind sie mit den geplanten Entschädigungen nicht zufrieden: „Eine Einmalzahlung bringt der nächsten Generation wenig, obwohl sie genauso mit der Leitung auf ihrem Grundstück leben muss. Eine kontinuierliche Zahlung, ähnlich wie eine Pacht, würde mehr Sinn machen.“

Glück hatte dagegen eine Frau aus Marienthal, die gerade erfahren hat, dass die Leitung nun doch nicht über ihr Grundstück führt: „Ich bin froh. Ich muss allerdings sagen, dass sich viele Firmen ein Beispiel am heutigen Abend nehmen könnten. Hier erhält man individuelle Beratung und viele Informationen von Fachleuten, bevor das Projekt verwirklicht wird.“

Trotz des gut besuchten Dialogmarktes sind sich noch viele Menschen uneinig, was sie von dem Vorhaben halten sollen.

>>> LANDWIRTE FÜR EINE TRASSE DURCH DEN DÄMMERWALD

Wie der Ortsvorsitzende der Landwirte in Dämmerwald, Rainer Kremer, erläutert, seien die Bauern mehrheitlich dafür, dass die Gasleitung durch den Dämmerwald verlaufen solle.

Es gebe gute Gründe dafür. Kremer: „Die Trasse wäre einen Kilometer kürzer. Und dort liegen schon Leitungen: In den 50er Jahren wurden dort unter anderem Gas und zwei Ölleitungen lang gelegt.“ Technisch wäre dies möglich, die Bezirksregierung sei jedoch dagegen.

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