Umwelt

Die Lippe im Kreis Wesel kehrt zurück zur Natur

Die Lippemündung gilt als gelungenes Modell für die Renaturierung des Flusses. 

Die Lippemündung gilt als gelungenes Modell für die Renaturierung des Flusses. 

Foto: Lars Fröhlich

Kreis Wesel.   Landesumweltministerin Heinen-Esser, Lippeverband und Bauernverbände unterzeichneten einen Kooperationsvertrag. Knackpunkt ist der Landverbrauch.

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Der naturnahe Lippemündungsraum soll erst der Anfang gewesen sein: Bis 2027 sollen rund 150 Flusskilometer zwischen Wesel und Lippborg in der Zuständigkeit des Lippeverbandes renaturiert werden – im Auftrag und auf Kosten des Landes NRW. Schon jetzt ist die Lippemündung eine Erfolgsgeschichte in Sachen Artenvielfalt.

Ein natürlicher Fluss, wie ihn die EU und auch nationales Wasserrecht vorschreiben, braucht Raum, um ihn aus den alten Zwangsjacken zu befreien. Der Boden aber wird in der Regel bewirtschaftet. NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser sowie die führenden Köpfe des Rheinischen und Westfälisch Lippischen Landwirtschaftsverbandes, der Landwirtschaftskammer NRW und des Lippeverbandes unterzeichneten gestern den Kooperationsvertrag zum Programm „Lebendige Lippe“ im Restaurant Lippeschlösschen. Der Vertrag soll den Weg zur Renaturierung frei machen - die notwendig, aber auch rechtlich vorgeschrieben ist.

Ringen um die Flächen

Doch landwirtschaftliche Fläche ist Mangelware. Allein die häufige Betonung der guten Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit den Bauern, von Ministerin und Lippeverband einerseits gelobt, von den Bauernverbänden nachdrücklich eingefordert, lässt ahnen, wie hoch das Konfliktpotenzial ist, wie zäh die Verhandlungen waren und werden: Um den Fluss ökologisch aufzuwerten, muss NRW – oder der Lippeverband im Auftrag des Landes – den Boden kaufen und sichern, so Ministerin Heinen-Esser. Beide Seiten, Bauernverbände wie Lippeverband, hoffen durch die geschlossene Vereinbarung auf eine Basis für Lösungen in ihrem Interesse.

250 bis 500 Hektar notwendig

Um wieviel Fläche es geht, blieb in den Reden vor der Unterzeichnung offen. In den vergangenen zehn Jahren seien rund 500 Hektar für den Naturschutz an der Lippe genutzt worden, bis zum Jahr 2027 könnten es nochmal so viele sein, sagt Bruno Schöler, bei der Landwirtschaftskammer NRW für Ressourcenschutz, Wasser, Boden und Fläche zuständig, auf Nachfrage. „Wir hoffen, durch Gespräche Synergieeffekte nutzen zu können, um auf 250 Hektar zu kommen.“ Teil des Kooperationsvertrages ist eine Sicherheit für die Pächter: Knapp zwölf Jahre lang bleibt ihr Land unangetastet. Das sei komfortabel, sagt Schöler, die Betriebe hätten so Zeit, Alternativen zu suchen. Betroffen seien fünf bis sechs Landwirte mit je etwa 50 Hektar.

Landwirte wollen so wenig Ökologie wie möglich

Zahlen möchte dagegen Wilhelm Neu, Vorsitzender der Kreis-Weseler Bauernschaft, nicht nennen. „Ziel der Gespräche ist es, den Flächenverbrauch so gering wie möglich zu halten“, sagt er. „Für uns ist das A und O, die notwendige Lebensgrundlage der Betriebe zu sichern.“ Ohne Ökologie gehe es nicht, aber der ökologische Anspruch solle so gering wie möglich gehalten werden. Neben dem Naturschutz ist auch der Hochwasserschutz eines der genannten Ziele. Die Lippe habe nie ein Hochwasseproblem gehabt, sagt Neu. Auch er schätzt offensichtlich die Gespräche mit dem Land, es sei bislang schon gelungen, die Flächenansprüche um 80 Prozent zu senken.

Konkrete Projekte in Veranstaltungen vorstellen

Was genau an welcher Stelle der 220 Kilometer langen Lippe geplant ist, darüber sollen Veranstaltungen vor Ort Aufschluss geben. Der Fluss soll Schleifen und Verbreiterungen bekommen und Aue­flächen. Neben der Lippemündung, die bereits zur Auenlandschaft umgebaut ist, gibt es ein weiteres Projekt bei Haus Vogelsang zwischen Datteln und Olfen, das kurz vor der Fertigstellung steht und zeigt, wie die Renaturierung aussehen wird.

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