Medizin und Pflege

Die restliche Zeit vor dem Sterben mit Leben füllen

Martina Schlott, Ulla Niermann, Joachim Lemm, Christel Wolbring, Michael Nühlen und André Gorres betreuen Sterbende im Evangelischen Krankenhaus

Foto: Erwin Pottgiesser

Martina Schlott, Ulla Niermann, Joachim Lemm, Christel Wolbring, Michael Nühlen und André Gorres betreuen Sterbende im Evangelischen Krankenhaus Foto: Erwin Pottgiesser

Wesel.   Das Evangelische Krankenhaus Wesel bietet seit 20 Jahren eine palliative Versorgung an. Die Bedürfnisse der Sterbenden haben andere Prioritäten.

„Dem Leben nicht nur Zeit geben, sondern der Zeit auch mehr Leben geben“, das sei der Sinn der Palliativ-Versorgung von Patienten, die dem Sterben nahe sind, meinen Christel Wolbring und Ulla Niermann. Die beiden Pflegerinnen leiten die Palliativbereiche des Evangelischen Krankenhauses (EVK) in Wesel, Wolbring den ambulanten Dienst Evita und Niermann die Palliativstation im Krankenhaus.

Neues Angebot

Dieses Jahr gibt es das Palliativ-Angebot des Evangelischen Krankenhauses seit 20 Jahren. Es ist damit ein Vorreiter in der Stadt und will es auch bleiben. SAPV heißt das neue Angebot und soll eine spezialisierte palliative Versorgung für Patienten ermöglichen, erklärt Martina Schlott. Zusammen mit Heinz-Joachim Lemm leitet sie den medizinischen Bereich der Palliativ-Versorgung. Die spezialisierte Versorgung soll auch Patienten zugute kommen, die sich schon in stationären Pflegeeinrichtungen befinden. „Die Bewohner sind oft sehr dankbar, beim Sterben nicht alleine zu sein“, erklärt Schlott. Und die Nachfrage nach dem spezialisierten Team sei vorhanden.

Dass das vorhandene Pflegepersonal für die Sterbebegleitung oft nicht ausreicht, liegt dabei häufig am Personalschlüssel in den Heimen, weiter benötigen Pfleger und Ärzte dafür eine spezielle Weiterbildung. Die Ärztin Martina Schlott meint: „Gestorben wird auf jeder Station und auch in jeder Pflegeeinrichtung.“ Trotzdem gehe es im palliativen Bereich darum, auf die Bedürfnisse der einzelnen Patienten einzugehen und ihnen ganzheitlich, das heißt unter Berücksichtigung der jeweiligen Patienten und ihres Umfelds, die restliche Zeit ihres Lebens möglichst angenehm zu gestalten.

Was noch wichtig ist im Leben

Das können aus medizinischer Sicht das Lindern von Schmerzen oder Luftnot sein, aber auch von Unruhe, Erbrechen und Schwäche, worunter die Sterbenden leiden, meint Schlott.

Ulla Niermann erklärt, häufig gehe es auch darum, den Menschen am Lebensende noch ein Zuhause zu geben und vielleicht auch noch letzte Wünsche zu erfüllen. So käme es auch schon mal zu Trauungen von Patienten auf der Station, „mit dem Wissen, dass die Ehe keine 10 oder 20 Jahre mehr halten wird, weil einer der Ehepartner sterbenskrank ist“, berichtet Michael Hans Nühlen, Pflegedienstleiter im Evangelischen Krankenhaus. Schlott sagt dazu: „Der Schwerpunkt liegt auf dem, was noch wirklich wichtig ist im Leben.“

Immer noch ein Tabuthema

Dass es in Wesel überhaupt ein so breites pflegerisches Angebot im palliativen Bereich gibt, liege dabei auch sicher an den Personen, die sich im EVK dafür einsetzen, „das Sterben auch zum Thema zu machen“, wie Ulla Niermann feststellt. Die Palliativexperten sagen, das Sterben habe sich geändert in den letzten 20 Jahren, ein Tabuthema sei es aber leider immer noch.

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Die Palliativstation im EVK wurde 1998 eröffnet. Seit 2008 gibt es den ambulanten Pflegedienst Evita, sowie viermal im Jahr einen Qualitätszirkel. In diesem Jahr baut das EVK mit SAPV ein spezialisiertes Angebot auf. Mittlerweile sind 21 Ärzte des Krankenhauses für die Palliativ-Medizin qualifiziert.

Die Palliativpflege ist auf Spenden angewiesen. Informationen dazu und zum Angebot unter der Telefonnummer 0281-1062900 oder im Internet unter www.evkwesel.de. Kontakt und Beratung zur Palliativpflege bieten auch die Hausärzte an.

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