Strandgut

Die Suche nach einer Flaschenpost am Rhein bei Wesel

Sebastian, Mira und Anke Nitz suchen eine Flaschenpost, freuen sich aber auch über Muscheln und besondere Steine.

Foto: Erwin Pottgiesser

Sebastian, Mira und Anke Nitz suchen eine Flaschenpost, freuen sich aber auch über Muscheln und besondere Steine. Foto: Erwin Pottgiesser

Wesel.   Bei Niedrigwasser legt der Rhein viele Dinge frei, die sonst nicht zu sehen sind – wie verrostete Kochtöpfe, eine Lkw-Felge und eine Stoßstange.

In einer kleinen Bucht am Rhein nahe des Bislicher Fähranlegers ist eine junge Familie aus Essen direkt am Ufer des Flusses unterwegs – den Blick konzentriert auf den Boden gerichtet. „Unsere Tochter Mira sucht schöne Muscheln und besondere Steine“, erklärt Vater Sebastian Nitz.

Seine Frau Anke bestätigt dies und verdreht dabei leicht schmunzelnd die Augen: „Ich habe gefühlt schon eine halbe Tonne Muscheln in meiner Tasche.“

Doch das Trio, das zurzeit Urlaub in Mehrhoog macht, hält hier auch nach anderen Dingen Ausschau: „Eine Flaschenpost war bisher aber leider noch nicht dabei“, ergänzt Sebastian Nitz und zieht mit seinen beiden Damen suchend weiter flussaufwärts.

Dann ein Fund: Rund 150 Meter entfernt liegt tatsächlich eine braune Glasflasche zwischen unzähligen Muscheln.

Das Etikett hat sich bereits komplett abgelöst und irgendetwas scheint sich tatsächlich im Inneren zu befinden: Vielleicht eine Notiz? Eine geheime Botschaft?

Beim Umdrehen der Flasche läuft erstmal reichlich Wasser hinaus und ermöglicht nun den Blick durch den Flaschenhals. Am Boden und den Glaswänden haftet aber nur eine Schlammschicht – leider also keine Flaschenpost...

Wasser noch vor Wochen gestanden haben muss, dort liegt viel angeschwemmtes Plastik – am Wasser einige Meter tiefer finden sich aber auch Dinge, die man hier eher nicht erwartet: zum Beispiel ein weißer noch relativ intakter Sportschuh, ein halber Kuchenteller und ein großer weißer Putzlappen.

Und auch viel größere Dinge sind hier gestrandet: Eine Stoßstange und ein aufgerissener Autoreifen lassen ebenso verwundern, wie ein rund drei Meter langer Balken aus schwarzem Kunststoff.

Nächster Fund bei Rheinkilometer 823

Bei Rheinkilometer 823 liegt die nächste Flasche, noch sehr gut erhalten einige Meter vom Wasser entfernt.

Sie sieht aber nicht so aus, als sei sie angespült worden, sondern als habe jemand sich dort nahe einer Feuerstelle ein Bier gegönnt und offenbar keine Kraft mehr gehabt, die leere Flasche wieder mitzunehmen...

Also weiter: Schon aus der Ferne sichtbar, ragt etwa 500 Meter flussaufwärts ein großer Gegenstand aus dem Wasser – genau an der Stelle, wo sich die Wellen brechen, die größere Schiffe verursachen. Bei näherem Hinsehen erkennt man eine riesige Felge – offenbar von einem Lkw.

Sie ist total verrostet und schon mit grünen Algen bewachsen, liegt hier also offenbar schon viele Jahre. Bei einem halben Meter höherem Wasserstand ist die Felge wohl nicht mehr sichtbar.

Bleibt die Frage, wie solch ein schwerer Metall-Gegenstand hier ans Rheinufer gelangen konnte.

Nur wenige Meter daneben ist ein scheinbar uralter Kochtopf gestrandet, der an einigen Stellen schon komplett durchgerostet ist. Während man hier gut erkennt, wie der Zahn der Zeit an dem Topf „genagt“ hat, scheinen viele Plastikgegenstände völlig unbeschadet, sind höchstens zerbrochen, wie der halbe orange Blumenkübel, ein blauer Plastik-Fischköder und diverse – teils noch halbvolle – Flaschen aus verschiedenen Ländern.

Wieder kein Brief im Inneren, aber eine Idee

Kurz vor Ende der Suche am Rhein liegt die nächste Flasche – diesmal eine kleine grüne Piccolo-Flasche mit rotem Schraubverschluss – ebenfalls ohne Brief im Inneren.

Sorgfältig verschlossen und ohne einen Tropfen Wasser wäre das doch ein ideales Behältnis für eine Flaschenpost.

Spontaner Gedanke: Wenn man schon keine findet, könnte man ja einen Brief schreiben, diesen in die Flasche drücken, den Verschluss feste zudrehen und die Flasche weit hinaus in den Rhein werfen.

Vielleicht wird die Flaschenpost dann viele Kilometer flussabwärts ans Ufer gespült und erfreut dort „Ufer-Sucher“ wie die vierjährige Mira.

>>> EINE BOJE AUF ABWEGEN – MUNITION AM BRÜCKENPFEILER?

Martin Wolters, Leiter der Außenstelle Wesel vom Wasserstraßen-und-Schifffahrtsamt Duisburg, berichtet von kuriosen Dingen: „Vor einigen Wochen haben wir einen rund 9x9 Meter großen Lukendeckel gefunden, der beim Sturm Friederike von einem Schiff geweht wurde. Teile einer Tonne, wozu die meisten Leute Boje sagen, die vermutlich vom Mittelrhein stammt, wurden in Emmerich gefunden, folglich ist sie auch an Wesel vorbeigeschwommen.“


Der Kampfmittelräumdienst wurde vergangene Woche ans Rheinufer nach Rees gerufen, berichtet Wolters weiter.

Dort meinte jemand, Granaten entdeckt zu haben – doch es handelte sich dann doch nur um verrostete Bolzen.

„Am alten Brückenkopf in Wesel liegt aber sicher auch noch Munition im Rhein, die Brücke war ja schwer umkämpft“, ergänzt Martin Wolters.

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