Kuriose Straßennamen

Diese Straßen gibt es nur in Hünxe

Schwarzer Drecksweg – diesen Straßennamen gibt es deutschlandweit nur in einer Gemeinde. Hünxe.

Schwarzer Drecksweg – diesen Straßennamen gibt es deutschlandweit nur in einer Gemeinde. Hünxe.

Hünxe.   Schwarzer Drecksweg, Drijschämm und Am Licken Berg gibt es nirgendwo sonst in Deutschland. Ihre individuelle Geschichte ist dorftypisch.

Früher hatten die Leute auf dem Land Straßennamen gar nicht nötig. Lediglich die asphaltierten Hauptachsen hatten welche, die Häuser in den Dörfern waren schlicht durchnummeriert. Und zwar in der Reihenfolge, in der sie gebaut wurden. Es war ja nicht so, dass Besucher sich im Dorf hätten verirren können.

Tiefschwarze Erde

„Das hat sich erst in den 50er Jahren geändert“, sagt Heinrich Rühl, Vorsitzender des Heimat- und Verkehrsvereins Hünxe. Seinerzeit setzten sich die Ämter mit Ortskundigen zusammen, mit Katasterkarten ausgerüstet, und dachten unter der Federführung von Amtsdirektor Friedrich Sander darüber nach, wie sie ihre Straßen und Wege nennen sollten. Die Bezeichnungen sollten etwas mit der Gegend und ihrer Geschichte zu tun haben, mitunter taten es schon die Flurbeezeichnungen, die der Volksmund schon immer für die Wege hatte. „Wenn ihnen gar nichts einfiel, haben sie Frauen-, Architekten- oder Unternehmensnamen genommen“, sagt Rühl.

Einiges Bemerkenswertes haben diese Beratungen dennoch hervorgebracht. Warum nennt man eine Straße „Schwarzer Drecksweg“? Nach einer vornehmen Adresse klingt das nicht, obwohl die Straße heute zum Golf Club Hünxerwald führt. Rühl weiß die Antwort: „Die Umgegend war früher ein Hochmoor, heute gibt es noch zwei Moore hier“, erläutert er. Die Erde ist schwarz, tiefschwarz. Bei Regen gab es Pfützen, Fuhrwerke bekamen die schwarze Erde ab. „Früher sagte man „Boven innen schwatten Dreck“ – oben im schwarzen Dreck, das war dieser Weg mitten durch die Schmelten Heide.

Kreative Brückenlösung in Hünxe

Auch für den Straßennamen Drijschämm gibt es handfeste Gründe: Der Weg verband früher das Dorf mit dem Licken Berg. Allerdings galt es den Hünxer Bach zu überwinden, der hier in den Dorfteich fließt. Drei Balken, Schämm, legten die findigen Hünxer über den Bach: Normalerweise gaben sie als Querverbindung den Heuwagen Stabilität. Aus einem ausgedienten Wagen wurde so eine Brücke gebastelt, die Pferd und Wagen tragen konnte. Der Weg ist nach dieser Brücke benannt. Offenbar ist das Hünxer Brückenprovisorium einzigartig: Wer Drijschämm ohne Ortsangabe im Internet sucht, erhält nur die Hünxer Straße. Ihr Name ist einmalig.

Wie übrigens auch Am Licken Berg in keiner anderen Stadt zu finden ist. Wo die Bezeichnung herkommt? „Es gibt mehrere Varianten“, erläutert Rühl. „Lick“, das kann „flach“ heißen. Oder aber „Leiche“. Die Erhebung dort ist nicht ganz so hoch wie die benachbarten, also flacher.

Flacher Berg – oder doch Leichenberg?

Es könnte auch der Weg gewesen sein, den die Leichenzüge zum Friedhof nahmen, der Leichenweg, Lickwech. Noch unerfreulicher ist die Erklärung, dass nach kriegerischen Auseinandersetzungen am früher hier ansässigen Rittergut Ickenberg so viele Kämpfer ihr Leben ließen, dass der Volksmund von einem Leichenberg sprach, vom Licken Berg eben. „Nichts davon ist nachgewiesen“, sagt Rühl.

Die Gemeinde Hünxe ist voller individueller Straßennamen. Der Meesmühlenweg beispielsweise, heißt so, weil Meesen, seinerzeit größter Bauer im Hünxer Wald, ihn nutzte um zur Bruchmühle zu fahren.

Da wären noch Gansenbergweg, Kolkstege und viele weitere – Heinrich Rühl weiß zu jeder Straße etwas zu sagen.

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