Umwelt

Diesel-Diskussion verunsichert Weseler Autokäufer

Kfz-Meister Roberto Floris bei der Abgasprüfung eines Dieselfahrzeugs.

Foto: Markus Joosten

Kfz-Meister Roberto Floris bei der Abgasprüfung eines Dieselfahrzeugs. Foto: Markus Joosten

Wesel.   Kunden reagieren teilweise mit Verärgerung auf die aktuelle Debatte. Autohändler und Handwerker befürchten kein Verbot und bleiben gelassen.

Erst am Freitag machte Ministerpräsident Armin Laschet klar, welche Haltung er zu möglichen Diesel-Fahrverboten vertritt. Sie wären seiner Ansicht nach rechtswidrig. Wir haben mit einigen Händlern und Handwerkern aus Wesel über Meinungen und Erfahrungen gesprochen: Sie sehen der Dieseldiskussion eher gelassen entgegen, Autoverkäufer beobachten bei Kunden jedoch Verunsicherung.

André Lackermann, Mitglied der Kreishandwerkerschaft und stellvertretender Obermeister der Kfz-Innung Niederrhein, glaubt nicht, dass so schnell Verbote kommen werden: „Bis eine blaue Plakette oder eventuell andere Ideen umgesetzt werden, wird es sicherlich noch zwei Jahre dauern.“ Trotzdem seien gerade Privatkunden verunsichert, viele würden sich für Elektroautos oder Hybrid-Autos, die mit einer Mischung aus Elektro- und Verbrennungsmotor fahren, interessieren. Auch einige Firmenkunden, die ganze Wagenflotten leasen, hätten mittlerweile auf Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen gewechselt.

Handwerkerschaft setzt auf die Umrüstung

Die Kreishandwerkerschaft setzt hingegen auf die Umrüstung der Diesel-Autos, auch weil die „Verhältnismäßigkeit bewahrt werden muss“, sagt Lackermann. „Da werden so viele Säue durchs Dorf getrieben“. Der Autohändler bewertet die Diskussion als übertrieben und aufgebauscht, sieht die Hersteller aber in der Pflicht, Lösungen anzubieten und ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Hier entstehe tatsächlich ein Problem, weil viele Kunden verärgert sind und dies an den Händlern vor Ort ausließen. „Sie glauben nicht, wie manche Kunden die Mitarbeiter der VW- oder Audi-Händler behandeln“, erzählt der stellvertretende Obermeister der Kfz-Innung.

Auch Malermeister Frank Bongers hat Dieselautos in seinem Betrieb, gelassen ist er trotzdem: „Angst haben wir nicht, da wird auch nur heißes Wasser gekocht.“

Anteil der Dieselverkäufe sinkt unter 30 Prozent

Selbst, wenn es Verbote geben sollte, meint er, werde es nur einige Straßen in den großen Städten wie Duisburg oder Oberhausen treffen. „In Wesel selbst werden wir wohl nicht davon betroffen sein“. Im Ländlichen seien die Grenzwerte eigentlich kein Thema.

Matthias Cramer vom Autohaus Cramer-Schmitz beobachtet ebenfalls eine Verunsicherung bei Privatkunden. Früher verkaufte er bis zu 45 Prozent Diesel-Fahrzeuge, heute liege der Anteil unter 30 Prozent – Tendenz sinkend. Trotzdem ist der Geschäftsführer froh, generell nicht mehr viele Diesel anzubieten: „Da ist das Problem für uns direkt viel kleiner“. Er selbst hofft auf eine schnelle Nachrüstung der Hardware. Eine Reinigung durch Harnstoffeinspritzung löse das Abgasproblem. Durch die Zugabe eines Harnstoff-Wasser-Gemisches würden in der Abgasanlage die Stickoxide in Wasser und harmlosen Stickstoff umgewandelt. Cramer glaubt: „Der Diesel ist dann sauber“. Es bleibt die Frage, wer die Kosten für eine Umrüstung übernimmt. Cramers Vorschlag: „Kompromisse sind wichtig. Ein Drittel der Kosten sollten jeweils Hersteller und Autofahrer tragen, für den Rest könnte eine Umweltprämie aufkommen“.

Er glaubt, wenn die Diskussion um den Diesel beendet sei, fange alles noch einmal beim Benziner an. Sein Bruder Thomas Cramer ist gleicher Meinung: „Der Diesel wird noch seine Renaissance kriegen. Irgendwann fehlt er auf dem Markt.“ Eins steht fest: Autos werden auch weiterhin gekauft. So viele Autokäufe wie in den ersten zwei Monaten verzeichnete das Autohaus Cramer-Schmitz selten.

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