Anatomie

Echte menschliche Körper – Wunderwerk der Natur in Wesel

Notfallsanitäter Andre Woelki und sein zehnjähriger Sohn Jannick besuchten die anatomische Körperausstellung in der Niederrheinhalle.

Notfallsanitäter Andre Woelki und sein zehnjähriger Sohn Jannick besuchten die anatomische Körperausstellung in der Niederrheinhalle.

Foto: Gerd Hermann / FFS

Wesel.  In der Niederrheinhalle konnte man echte tote Körper begutachten. Die Besucher zeigen differenzierte Reaktionen auf diese Ausstellung.

Sphärische Musik, mehrere Vitrinen – und geradezu atemberaubende Anblicke boten sich dem Betrachter beim Betreten des Foyers der Niederrheinhalle.

Denn dort fanden sich Brustkörbe, Füße, Hände, Lungen und Embryonen, gar ganze Körper – von Menschen, die sich dazu entschieden hatten, nach dem Ableben ihre Körper für die Wissenschaft und für die Aufklärung über die menschliche Anatomie zur Verfügung zu stellen.

182 einzelne Körperschnitte

In der Ausstellung „Echte menschliche Körper“ seien insgesamt über 200 Exponate zu sehen, verwies Jeremi Sperlich für den Veranstalter auf den „Scheibenmensch“. Der ist auf ein paar Meter in der Vitrine gewachsen, weil dort schon allein 182 einzeln geschnittene Körperabschnitte zu sehen sind. „Die Körperexponate kommen aus den USA, wurden dazu plastiniert“, erläutert Sperlich.

Die Exponate sind laut der Internetseite eine Leihgabe der Firma Corcoran Laboratories aus Michigan, dem führenden amerikanischen Hersteller medizinischer Präparate für medizinische Fakultäten.

Einige Besucher wie der Weseler Hermann-Josef Müller hatten eine recht sachliche Herangehensweise an die Objekte. „Ich habe großes Interesse an der Geschichte der Medizin und der Anatomie“, erklärte er, was ihn gereizt hatte, sich das anzusehen. „Ich verspreche mir detaillierte Infos.“

Tatsächlich wirkte die Ausstellung spektakulär, aber auch sehr informativ – fanden sich zu den einzelnen Abschnitten wie „Das Skelett“ , zu den „männlichen und weiblichen Geschlechtsorganen“ oder auch über „Hautkrebs“ ausführliche Informationen an den diversen Tafeln zu den Vitrinen.

Für Aufmerksamkeit sorgten die körperechten Modelle einer kranken und gesunden Lunge, die man mit einem Blasebalg sogar aufpumpen konnte, um den Unterschied des Volumens plastisch zu erkennen. „Die Gesunde geht ganz leicht, fühlt sich anders an, weich. Die Kranke ist ganz hart“, stellte Chris Horstmann aus Kempen fest.

Seine Freundin Melissa Beeren wollte da nichts anfassen. „Das Gefühl ist schon komisch, dass alles echt ist“, fand die 19-jährige.

Sieht aus wie ein Marmorboden

Die Raucherlunge „sieht aus wie ein Marmorfußboden“, urteilte die Kamp-Lintforterin Martina Schneider, die mit ihrer Issumer Freundin Ulrike Domnick gekommen war. „Das ist keine Kunst hier – das ist pure Wissenschaft“, sagte sie beeindruckt. „Das ist alles so, wie wir sind.“

Und ihre Freundin meinte: „Hinten lag ein Arm. Mein Mann hatte mal ein Karpaltunnelsyndrom, da konnte man sehen, was das ist“, sagte sie und sah an den menschlichen Körpern, die ausgestellt waren, „nix Ekliges.“

Ob sie sich selbst nach dem Ableben für sowas zur Verfügung stellen würden? Da gingen bei Lubica Nienhaus und Jessica Piatkowski die Meinungen auseinander. „Ich würde das machen“, meinte die Weselerin Nienhaus. Ihre Freundin aus Hamminkeln war da anderer Ansicht. „Der Gedanke ist fies. Nicht zum öffentlichen Gucken, vielleicht für medizinische Zwecke.“

Die Körper weckten bei den Anwesenden unterschiedliche Eindrücke und Assoziationen. „Man fühlt sich auf die eine oder andere Weise gespiegelt“, fand der junge Alpener Justin Orzoll fast poetische Worte für das Gesehene.

„Im ersten Moment war das Erschrecken“, bezog sich die Weselerin Manuela Schleinitz auf die kompletten Menschenhaut zu Beginn. „Das hat mich ans KZ Buchenwald erinnert, wo man aus Haut Lampenschirme gemacht hat. Da ging’s mir zuerst komisch“, erklärte sie und war froh, als die „Innereien“ später folgten.

Sogar Embryone werden gezeigt

Und die Xantenerin Marianne Terschlüsen fand es in Bezug auf die Embryonen toll, „dass es Menschen gibt, die einen solchen Embryo wissenschaftlich zur Verfügung stellen.“ Sie selbst habe „im dritten Monat ein Kind verloren. Es ist faszinierend zu sehen, wie weit sowas ist.“

Später ging sie mit ihrer Tochter Chantal noch an den „Scheibenmenschen“ , versuchte die unterschiedlichen Körperfacetten zu erfassen und meinte schlicht fasziniert: „Wir sind ein Wunderwerk der Natur.“

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