Wesel

Ein Feuerwehrjahr mit Schrecksekunden

Ein langwieriger und anstrengender Einsatz mit Überraschungsmoment: In Büderich brannte am frühen Morgen des 9. April der Dachstuhl eines Hauses an der Weseler Straße. Foto:Johann Ridder

Ein langwieriger und anstrengender Einsatz mit Überraschungsmoment: In Büderich brannte am frühen Morgen des 9. April der Dachstuhl eines Hauses an der Weseler Straße. Foto:Johann Ridder

Wesel   Ein „normales Jahr“ sei es gewesen, bilanziert die Feuerwehr mit Blick auf 2017. Eines mit Schrecksekunden, auch das gehört zum Job. Ein einfacher Kellerbrand in einem leerstehenden Haus in der Trachtenbergstraße am 11. Oktober entpuppte sich als hochgefährlich: Obwohl in dem Haus das Gas abgestellt sein sollte, schlugen die routinemäßig mitgebrachten Messgeräte an. „Es bestand akute Explosionsgefahr“, sagt Feuerwehrchef Thomas Verbeet. Sofort räumten die Feuerwehrleute das Haus. Es stellte sich heraus: Zwar war das Gas abgestellt, doch die Leitung hatte einen saubere Kerbe. Nach Untersuchungen kam das LKA zum Ergebnis: Beim Einschalten des Stroms hatte ein Lichtbogen sie in die Leitung geschlagen. Kriminell ist das nicht, aber äußerst gefährlich für die Feuerwehrleute.

Ein „normales Jahr“ sei es gewesen, bilanziert die Feuerwehr mit Blick auf 2017. Eines mit Schrecksekunden, auch das gehört zum Job. Ein einfacher Kellerbrand in einem leerstehenden Haus in der Trachtenbergstraße am 11. Oktober entpuppte sich als hochgefährlich: Obwohl in dem Haus das Gas abgestellt sein sollte, schlugen die routinemäßig mitgebrachten Messgeräte an. „Es bestand akute Explosionsgefahr“, sagt Feuerwehrchef Thomas Verbeet. Sofort räumten die Feuerwehrleute das Haus. Es stellte sich heraus: Zwar war das Gas abgestellt, doch die Leitung hatte einen saubere Kerbe. Nach Untersuchungen kam das LKA zum Ergebnis: Beim Einschalten des Stroms hatte ein Lichtbogen sie in die Leitung geschlagen. Kriminell ist das nicht, aber äußerst gefährlich für die Feuerwehrleute.

Brennende Halle in zwei Stunden gelöscht

Generell sieht sich die Feuerwehrleitung darin bestätigt, hochwertiges Material einzusetzen und bei ihren Schulungen eigene Wege einzuschlagen. Der Großbrand einer Halle der Firma Imgrund am 9. Februar vergangenen Jahres war in zwei Stunden gelöscht. „Wir haben den TLF 4000 eingesetzt, der bis zu 4500 Liter Wasser an den Start bringt“, erläutert Rainer Gellings, der zusammen mit Robert Meyboom ehrenamtlicher Vertreter Verbeets ist. Die Weseler Feuerwehr sei für die Anschaffung dieses Fahrzeuges mit seiner Ausstattung kritisiert und belächelt worden. Im Februar hat es sich dann bewährt, „ohne den TLF 4000 hätte sich der Einsatz mindestens einen Tag, eher länger hingezogen“. Es wäre zudem höherer Schaden entstanden.

Feuerwehrleute mit Frikadellen versorgt

Zweiter großer Brand neben Imgrund war der Imbiss in Büderich am 9. April. Anfangs hatten die Einsatzkräfte noch Menschen im Haus vermutet, es wurde ein „längerer, Kräfte zehrender Einsatz“, so Gellings. Auch er bot eine Schrecksekunde, als eine Frau fragte „Was haben Sie mit den Schlangen gemacht?“. „Wir sind alle aus dem Haus und haben unsere Hosen unten zugebunden“, heute kann Gellings darüber lachen. Tatsächlich haben bis auf einen Gecko alle Tiere überlebt. Davon abgesehen erinnern sich die Einsatzkräfte gern daran, dass ein benachbarter Wirt sie mit Frikadellen versorgt hat. Die Unterstützung ist für die Feuerwehrleute Ausdruck der Anerkennung.

Respektlose Schaulustige an der Esplanade

Ausströmendes Gas brachte die Einsatzkräfte am 9. November an der Esplanade zum Einsatz: Ein Bagger hatte das Ventil einer Gasleitung getroffen. Riesenproblem: Schaulustige, die sich Zigaretten anzündeten. Ein Senior meinte, das könne man ihm nicht verbieten – man konnte. Alle erhielten Platzverweise. Ohnehin registriert die Feuerwehr zunehmende Respektlosigkeit gegenüber ihren Leuten.

Wer beim Material spart, davon ist Feuerwehrchef Thomas Verbeet überzeugt, spart an der falschen Stelle. Mitunter mit gefährlichen Folgen: Im September stießen an der Kreuzung Xantener Straße und B58 ein Lkw und ein Rettungswagen im Einsatz zusammen. Der wenig stabile Aufbau des Rettungswagens wurde stark zerstört, zum Glück ging der Unfall relativ glimpflich aus. Weseler Rettungsfahrzeuge haben einen stabileren Aufbau, deutlich teurer seien sie deshalb nicht.

Intelligente Lösungen erleichtern die Arbeit

Inzwischen hat sich das Vorgehen der Weseler Feuerwehr, erst die Hauptwache zum Einsatz zu schicken und falls nötig die Ehrenamtlichen nachzualarmieren, bewährt. Es führt dazu, dass die Freiwilligen Feuerwehrleute nicht unnötig ihren Arbeitsplatz verlassen müssen. Eine andere Strategie, von den Weselern entwickelt, hat inzwischen ihren festen Platz im Ausbildungsplan: Betreten die Einsatzkräfte eine brennende Wohnung, wird zunächst ein Brandvorhang installiert. Das bewirkt, dass der Rauch in der Wohnung bleibt, das Haus in der Regel nicht evakuiert werden muss und weniger Menschen eine Rauchvergiftung erleiden. Zudem setzen die Feuerwehrleute nur noch soviel Löschwasser ein wie nötig: Das hält den Schaden gering.

Starke Freiwillige Feuerwehr

Während die Raumsituation der Feuerwache nach wie vor schlecht ist – die Aktiven hoffen, dass sich in der Frage der neuen Wache bald etwas bewegt, allerdings gibt es noch keinen Standort dafür – geht es der Wehr personell gut. Nachwuchsprobleme kennt die Freiwillige Feuerwehr in Wesel derzeit nicht: 211 ehrenamtliche Feuerwehrleute gibt es, „wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Feuerwehrchef Thomas Verbeet. Vier sind in jüngster Zeit hinzugekommen: Mitglieder der Jugendfeuerwehr, die das 18. Lebensjahr erreicht haben und nun zur Einsatzabteilung übertreten. Dadurch zählt die Jugendfeuerwehr aktuell noch 48 Mitglieder und kann wieder aufstocken. Kinder ab zehn Jahren, besser ab zwölf Jahren, sind der Wehr willkommen. „Sechs Jahre bis sie tatsächlich an Einsätzen teilnehmen können, das ist eine lange Zeit“, erläutert Rainer Gellings. Und für Zehnjährige sei die Ausrüstung auch häufig einfach noch zu schwer.

Von einer Kinderfeuerwehr halten Verbeet und seine Kollegen nichts: Dazu bedürfte es pädagogisch ausgebildeten Personals. Sollen die Kinder aktive Wehrleute werden, müssten Sechsjährige zwölf Jahre lang bei der Stange gehalten werden – ein schwieriges Unterfangen. Zunächst gibt es aber genug Feuerwehrleute.

Zahlen und Fakten zur Feuerwehr Wesel.

237 Brandschutzeinsätze hatte die Feuerwehr 2017, 124 Mal brannte es tatsächlich. Hinzu kamen 335 technische Hilfsleistungen. 45 Mal gab es blinden Alarm, gleich 62 Mal schlugen fehlerhafte Brandmeldeanlagen an. Letzteres ist kostenpflichtig.

386 Feuerwehrleute gibt es in Wesel, davon 211 ehrenamtlich und 71 hauptberuflich. Die Jugendfeuerwehr hat 48 Köpfe und die Ehrenabteilung zählt 56 Mitglieder – es sind Feuerwehrleute, die aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind. Drei Auszubildende werden in diesem Jahr eingestellt.

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