Gasleitungs-Pläne

Ein klares Nein aus Schermbeck zum Zeelink-Angebot

Gabriele und Hermann Holloh an der geplanten Zeelink-Trasse.

Gabriele und Hermann Holloh an der geplanten Zeelink-Trasse.

Foto: Petra Bosse

Schermbeck.   Ehepaar Holloh lehnt Erstattungsbetrag für die Nutzung seines Grundstücks ab und lässt es auf eine Enteignung ankommen

Das Grundstück von Hermann und Gabriele Holloh an der Dämmerwalder Straße wird voraussichtlich vom Bau der geplanten Zeelink-Gasleitung betroffen sein. Gestern haben die beiden Besuch von einem Mitarbeiter eines Ingenieurbüros bekommen, das sich um den Rechteerwerb für das Bauvorhaben kümmert.

„Wir unterschreiben auf gar keinen Fall“, sagte Gabriele Holloh nach dem im freundlichen Ton geführten Gespräch über den vorgelegten Vertrag. Der soll dem Investor das Recht einräumen, die nötigen Flächen für den Bau und Betrieb der Leitung zu nutzen. Eine Dienstbarkeit wird dafür im Grundbuch eingetragen.

Dabei hat das Ehepaar eine Überraschung erlebt: Statt des erwarteten Erstattungsbetrags von 600 bis 800 Euro ging es um rund 150 Euro. „Davon können wir ja nicht mal mit der Familie essen gehen. Das Geld möchten wir doch gar nicht“, sagte Gabriele Holloh.

Denn es sind nur zwei Quadratmeter Fläche der Familie für den Schutzstreifen der Trasse erfasst, für die es je drei Euro geben soll. Inklusive einer Entschädigung für einen parallelen Kabelbau und eine Aufwandsentschädigung kommt die obige Summe zusammen. Für ein zusätzlich gefordertes Stück Arbeitsstreifen gibt es kein Geld. Auf die Ablehnung der Unterschrift hatte die Summe aber keinen Einfluss. Holloh über das Nein: „Das war vorher klar.“

Favorit wäre eine Trasse durch den Dämmerwald

Jetzt will es die Familie auf eine Enteignung ankommen lassen. Auch sie plädiert für eine Trasse durch den Dämmerwald, die von der Genehmigungsbehörde aber abgelehnt wurde.

„Wir sind strikt dagegen“, sagt Hermann Holloh über das Projekt. Vom Investor, der Open Grid Europe, fühle er sich schlecht informiert. Das Verfahren sei nicht transparent. Er kritisierte auch, dass einige Eigentümer von den gestarteten Probebohrungen auf ihren Grundstücken nichts wüssten. Diese Arbeiten sollen Infos über den Untergrund liefern.

Obwohl das Planfeststellungsverfahren noch läuft, bemüht sich der Investor bereits um die Rechte. Das hänge mit dem „anspruchsvollen Zeitplan“ zusammen, erfuhren die Schermbecker. Schließlich seien viele Eigentümer betroffen. Falls es bei der Trasse noch Änderungen geben sollte, würden die Verträge angepasst oder abgewickelt.

Das seien „erfahrungsgemäß Einzelfälle“, hieß es.

Beschleunigungszuschlag von 1 € pro Quadratmeter.

Und: Wer innerhalb von acht Wochen unterschreibt, erhält einen „Beschleunigungszuschlag“ von einem Euro pro Quadratmeter.

Auch zum Bauablauf gab es Informationen: Im Frühjahr 2019 soll es mit dem Bau der Lagerplätze für die 18 Meter langen Rohre losgehen. Während der Arbeiten werde es eine Beweissicherung geben. Die Verluste, die in der Landwirtschaft entstehen, würden ersetzt.

Dass im Schermbecker Raum drei Euro, im Kreis Borken aber vier Euro pro Quadratmeter gezahlt werden, hänge mit unterschiedlichen Bodenrichtwerten zusammen, so der Mitarbeiter des Büros.

Im Bereich Legden-Nordvelen seien die Gespräche über die Gestattungsverträge weitgehend abgeschlossen, der niederrheinische Raum folge jetzt.

Von einer Enteignung sollten sich Eigentümer keine Zeitverzögerung versprechen: Der Investor kann bei rechtskräftigem Planfeststellungsbeschluss anfangen zu bauen und das Verfahren parallel betreiben.

Hermann und Gabriele Holloh legten sich fest: Ein weiteres Gespräch über die Pipeline wollen sie nicht. „Aber wir machen denen das unangenehm“, versprachen beide.

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