Theater

Ein Spiel um Schein und Identität im Bühnenhaus in Wesel

 Die Burghofbühne Dinslaken führte im Bühnenhaus „Bunbury oder die Kunst ernst zu sein“ auf.

 Die Burghofbühne Dinslaken führte im Bühnenhaus „Bunbury oder die Kunst ernst zu sein“ auf.

Foto: Burghofbühne

Wesel.  Die Burghofbühne Dinslaken überzeugte mit einer gekonnt inszenierten Komödie von Oscar Wilde. Regisseurin Blank sprang für Schauspielerin ein.

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Die Burghofbühne aus Dinslaken hat sich am Freitagabend im Bühnenhaus wieder einmal als witzige, spritzige und spielfreudige Truppe empfohlen. Dabei ist es gar nicht so einfach, eine Verwechslungskomödie aus dem 19. Jahrhundert so umzusetzen, dass sich das Publikum auch heute noch angesprochen fühlt.

Oscar Wildes (1854 – 1900) „Bunbury oder die Kunst ernst zu sein“ wurde von Regisseurin Nadja Blank in einem Zirkus angesiedelt. Schließlich wollte auch Wilde mit seinem Stück beweisen, dass die Menschen gelegentlich das Leben in einen Zirkus verwandeln.

Zunächst standen die Chancen auf eine Aufführung gar nicht so gut, denn am Vormittag erkrankte plötzlich eine Schauspielerin. Doch Erfindungsgabe ist eine große Stärke der Dinslakener: Regisseurin Blank, die auch die Dramaturgin des Theaters ist, sprang kurzfristig selbst ein.

Mit dem Manuskript in der Hand bewältigte sie die Doppelrolle der Lady Augusta Bracknell und des Pastors Chasuble mit Bravour.

Slapstick-ähnliche Tänze

Bei Wildes Stück von 1894 passiert eigentlich wenig auf der Bühne, seine Figuren unterhalten sich lediglich miteinander. Nadja Blank hat in ihrer Inszenierung dafür gesorgt, dass ein bisschen mehr los ist.

Sie hat das Bühnenbild wie eine Zirkusarena angelegt und lässt die Schauspieler auf kleine Podeste hopsen, Pirouetten drehen oder Slapstick-ähnliche Tänze aufführen, während sie reden.

„Das funktioniert“, freute sich auch Wesels Theaterchef Paul Borgardts, der in dieser Saison bislang eine besonders sichere Hand bei der Stückauswahl bewiesen hat.

Und darum geht es bei „Bunbury oder die Kunst ernst zu sein“: Die beiden Endzwanziger Algernon und Jack führen ein Doppelleben. Um dem langweiligen Landleben zu entkommen und sich den Vergnügungen der Großstadt ungestört widmen zu können, machen sie ihrer Umgebung etwas vor.

In den Bars der Stadt

Algernon erzählt seiner Tante Augusta und ihrer Tochter Gwendolen, er kümmere sich um seinen kranken Freund Bunbury. Jack macht seiner Pflegetochter Cecily und ihrer Gouvernante Miss Prim weis, er müsse seinen Bruder Ernst besuchen.

In den Bars der Stadt nennt er sich selbst auch Ernst.

Lange geht das gut und die beiden Freunde rechtfertigen sich gegenseitig in witzigen Gesprächen mit natürlich fadenscheinigen Argumenten für ihre Lügen. Überhaupt geben die beiden schnöselig-überheblichen jungen Männer aus besten Kreisen allerhand dummes Zeug von sich, wenn sie etwa behaupten, das Wesen der Romantik sei die Ungewissheit oder die moderne Kultur würde zusammenbrechen, wenn jeder alles lesen dürfte.

Thematik ist aktuell

Wildes Dialoge lassen sie als Clowns rüberkommen und so sind auch ihre bunten Kostüme an die von Clowns angelehnt. Der Schwindel der beiden Dandys fliegt auf, als sich Algernon in Jacks Pflegetochter Cecily verliebt und Jack in dessen Nichte Gwendolen. Denn natürlich möchte keiner der beiden, dass die Pflegetochter oder die Nichte einen verlogenen Lebemann ehelicht. Oscar Wilde ging es um das Spiel mit verschiedenen Identitäten und um die Frage, wer man eigentlich ist, sein will und welches Bild von sich man der Umwelt vermitteln möchte. In einer Zeit der Selfies und der äußerlichen Selbstoptimierung ist diese Thematik mindestens so aktuell wie im Vereinigten Königreich unter Königin Victoria.

>>> HINTERGRÜNDE ZUM AUTO DES STÜCKES:

Oscar Wilde wurde am 16. Oktober 1854 in Dublin geboren. Er machte sich früh als Dramatiker, Lyriker und Essayist einen Namen. Sein einziger Roman „Das Bildnis des Dorian Gray“ (1891) ist Weltliteratur, ebenso sein Stück „Lady Windermere’s Fächer“ (1892).

Wilde war eine schillernde Figur. Obwohl verheiratet und Vater von zwei Söhnen war seine Homosexualität ein offenes Geheimnis. 1895 verlor er eine Verleumdungsklage gegen den Vater seines langjährigen Geliebten.

Er landete für zwei Jahre im Zuchthaus, was ihn gesundheitlich und künstlerisch ruinierte. Er floh vor der gesellschaftlichen Ächtung nach Paris, wo er am 30. November 1900 an einer verschleppten Mittelohrentzündung starb.

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