Einfach mal raus

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Hamminkeln. Neugierig schielen die Kinder zum pferdebespannten Planwagen, der auf der Anhöhe vor dem Sportplatz an der Bergstraße in Brünen wartet. Die letzten Nachzügler treten durch die Tür. Dann setzt sich der Tross aus Bewohnern der Flüchtlingsunterkunft, den Wohnungen der ehemaligen Hauptschule in Brünen und Mitgliedern der Flüchtlingshilfe in Bewegung. Die Kinder steigen in den Planwagen, die Eltern gehen zu Fuß. Ziel ist das Café Gerwershof.

Dort hat Inhaber Heinz-Bernd Gerwers die Kaffeetafel gedeckt und einen Zauberer für die Kinder bestellt. Auf eigene Kosten möchte Gerwers an diesem Mittwochnachmittag dafür sorgen, dass die Menschen ihre Sorgen vergessen können.

Der Nachmittag ist für die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft und der Wohnungen eine willkommene Abwechslung. Von der beinahe erdrückenden Enge in den Unterkünften oder den Gedanken, die häufig um die drohende Abschiebung kreisen. Denn anerkannt sei noch niemand der insgesamt 43 Menschen, die in der Brüner Unterkunft leben, sagt Anka Wulf von der Flüchtlingshilfe. Und solange der Status nicht geklärt sei, könne auch niemand in einen richtigen Deutschkurs gehen. Also können sie nur warten.

Die Flüchtlingshilfe versucht zu helfen, gibt in der Unterkunft selbst Deutschunterricht. Eigentlich aber sei es viel zu eng, „und zu laut“, sagt Anka Wulf. Was Mitstreiter Wilfried Fenske bestätigt. Vielleicht, schlägt Fenske vor, könne man den Küchencontainer aus Mehrhoog bekommen, wenn die Hogenbuschhalle nach den Osterferien freigezogen werde.

Damit wäre zumindest ein Problem gelöst. Für ein anderes findet die Flüchtlingshilfe derzeit aber keinen Ansatz. Unter den 43 Menschen, die an der Bergstraße leben, sind 25 Kinder. Acht gehen in die Grund- oder weiterführenden Schulen, „und allein 15 sind im kindergartenfähigen Alter“, sagt Flüchtlingshelferin Edith Krusdick. Plätze gebe es aber derzeit nirgendwo. Also muss die Flüchtlingshilfe auch dort improvisieren. Zweimal in der Woche bietet Krusdick, die den offenen Ganztag an der Hermann-Landwehr-Schule leitet, in den Räumen der OGS eine Kinderbetreuung an.

Hilfsbereitschaft nutzt nicht ab

Dazu ist der SV Brünen sehr engagiert und bietet neben Fußballtraining auch Turnstunden in der Turnhalle an. Das sei auch mit ein Grund, warum es in Brünen ganz gut laufe, sagt Wilfried Fenske. Es ist außerdem ein Beweis dafür, dass sich die Hilfsbereitschaft nicht als Momenterscheinung abgenutzt hat, sondern im Bewusstsein aller Hamminkelner verankert ist. „Vor kurzem sind hier Mitglieder des Reitervereins vorbeigekommen.“ Die Mitglieder des Vereins Jagdfalke Brünen hätten Kuchen verteilt. Wilfried Fenske lächelt: „Das gehört hier einfach dazu.“

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