Endspurt beginnt Mitte Maiumgehung und natur

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Wesel.  Genau genommen ist die Lippe bei Wesel ein Kanal. Die Menschen bestimmten lange Zeit, wo und wie sie fließen soll. Seit ein paar Jahren wird dies verändert. Im Lippemündungsraum graben die Bagger ihre Schaufeln in das Erdreich, wird Boden von hier nach da bewegt und damit die Lippe naturnah umgestaltet (die NRZ berichtete mehrfach). Das Weseler Unternehmen Hülskens ist mit dem außergewöhnlichen Projekt beschäftigt, das immer noch zahllose Schaulustige und Interessierte auf die Baustelle nahe der Bundesstraße 8 lockt. Das Restaurant Lippeschlößchen wurde dabei gewissermaßen zur großen Tribüne für ein gigantisches Unternehmen, bei dem etwa 127 Hektar beackert werden.

800 Kilogramm schwere Steine

Was jetzt kommt, hat allerdings ein ganz besonderes Gewicht. Und das im wahren Sinne des Wortes: 12 000 Tonnen Steine werden ab Mitte Mai verbaut, um die neue Flussstrecke und die Aue zu sichern. Das verkündete gestern der Lippeverband in Essen. Die Rede ist von der Sohlgleite, einer flachen Rampe mit rauer Oberfläche, die parallel zum Weseler Stadthafen in einer Länge von 64 Metern und einer Breite von 45 Metern entsteht. Dabei wird eine Höhendifferenz von 2,75 Meter überwunden. Sinn und Zweck der Aktion: Der Erhalt der neu angelegten Lippetrasse und ihrer Aue. Beide würden durch das Hochwasser sonst in wenigen Jahren wieder abgetragen. Etwa 800 Kilogramm wiegen die schwersten Steine, die das Lippebett halten sollen. Sie haben ungefähr die Größe eines Kofferraums.

Zum Start wird auf dem Südufer der heutigen Lippe eine Art Bassin ausgehoben. Zwischen Bassin und Fluss werden nun Sandmatten und der Filteraufbau installiert, obendrauf kommen die schweren Steine. Abschließend wird der Damm abgetragen und die Lippe gen Rhein aufgeweitet. So entsteht ein Vorland, das im Süden durch eine Böschung und im Norden durch die Hafenmole begrenzt wird.

1,4 Millionen Euro

Schließlich gilt es, die Sohlgleite auch im alten Lippebett zu installieren. Hier geht es nicht wie bislang trocken zu, sondern es wird im fließenden Wasser gearbeitet.

Ganz zum Schluss - was bei günstigem Wetter im September der Fall sein dürfte - wird die Sohle des alten Lippebettes oberhalb um 2,75 Meter angehoben und verbreitert. Zudem entsteht die so genannte Kanu-Umtrage, denn Kanuten müssen hier an Land. Danach kann die Lippe ihr altes Bett verlassen und im frisch bereiteten weiter fließen.

Allein der Bau der Sohlgleite soll 1,4 Millionen Euro kosten.

Grund für die Verlegung der Lippe ist die künftige Südumgehung, die von der Rheinbrücke aus über den Fusternberg wieder auf die Bundesstraße 58 führen soll. Die Trasse der B 58 n entsteht am Nordrand der Lippeaue.

Biotope und Rückzugsgebiete werden in der ursprünglichen Landschaft rund um die Lippe nach und nach entstehen, mit selten gewordenen Pflanzen und Tieren, heißt es. Denn die Lippe kann sich nun wieder ausdehnen, was zu längerem Hochwasser führen wird. Ursprünglich sollte die gesamte Maßnahme bereits Ende vergangenen Jahres abgeschlossen sein.

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