Thema Pflege

Forum in Wesel einig: Fachkräftemangel und zu wenig Geld

Andre Gorres, Michael Nühlen, Petra van Meerbeck, Charlotte Quik, Annette Himmelberg und Annette Hessling saßen auf dem Podium. Heinz Breuer (rechts) moderierte den Abend.

Foto: Erwin Pottgießer

Andre Gorres, Michael Nühlen, Petra van Meerbeck, Charlotte Quik, Annette Himmelberg und Annette Hessling saßen auf dem Podium. Heinz Breuer (rechts) moderierte den Abend. Foto: Erwin Pottgießer

Wesel.   Man kann es drehen und wenden, wie man will: Im Bereich der Pflege gibt es zu wenig Fachkräfte, die zudem noch schlecht bezahlt werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Wie steht es um die Zukunft der Pflege? Dies zu hinterfragen war Ziel der Podiumsdiskussion, zu der die Kreisverbände der Senioren-Union und der Jungen Union am Freitagabend in die Niederrheinhalle geladen hatten. Fünf Experten aus der Praxis sowie Landtagsabgeordnete Charlotte Quik erläuterten dabei ihre Sichtweisen und Erfahrungswerte vor dem rund 60-köpfigen Publikum.

Schnell wurden bekannte Probleme thematisiert: Es fehlt an Geld und Fachpersonal. Zwar lobte André Gorres, Geschäftsbereichsleiter der Senioren- und Pflegeeinrichtung des Evangelischen Krankenhauses (EVK), dass es mit der neuen Landesregierung finanziell schon besser werde, doch Michael Nühlen, Pflegedienstleiter des EVK, fand klarere Worte: Zwar seien 250 Millionen in die Kliniken geflossen, aber „um die Krankenhäuser wirklich auskömmlich zu bedienen, bräuchten wir 1,5 Milliarden.“ Zuvor hatte er vorgerechnet, dass sich die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus in den letzten fünfzig Jahre um zwei Drittel reduziert hat: von 21 auf sieben Tage. Später erklärte er, dass dies nicht nur an der verbesserten Versorgung liege, sondern auch an finanziellem Druck.

Anreize für Pflegeberufe schaffen

Für den Bereich Altenpflege sprachen hauptsächlich Annette Himmelberg, Pflegedienstleiterin, und Annette Hesseling, Teamleitung des ambulanten Pflegedienstes (beide St.-Josef-Haus, Dingden). Himmelberg beklagte den Fachkräftemangel: „Es heißt ja, 8000 Pflegekräfte sollen an den Start. Das fände ich toll, wenn die für die Region Borken/Wesel gedacht wären.“ Nühlen stieß später ins gleiche Horn: Bei 27 000 Einrichtungen in Deutschland bleibe nur eine Viertelkraft pro Einrichtung. „Die 8000 würden wir gerne nehmen – für den Kreis Wesel.“

Dem Publikum drängte sich im Lauf der Diskussion, die zwischenzeitlich schon in Richtung Pflegeroboter abgedriftet war, eine weitere Frage auf: „Wie kommen die 8000 denn in die Pflege?“, wollte ein Zuschauer wissen. „Der Anreiz muss doch geschaffen werden!“ Zustimmendes Germurmel allerseits, jedoch vorerst keine Antwort, weder von den Praxis-Erfahrenen noch von der CDU-Landtagsabgeordneten. Roboter sind eine Idee, die auf allgemeine Ablehnung stieß.

Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Annette Hesseling beklagte außerdem: „Wir haben viel zu wenige Kurzzeitpflegeplätze.“ Doch gerade die pflegenden Angehörigen, die auf diese Entlastung angewiesen sind, sind immens wichtig für das ganze System, wie Petra van Meerbeck, Leiterin des Gesundheitszentrums (Caritas), betonte: „Ohne pflegende Angehörige wird ambulante Pflege nicht gehen.“

Zu diesem Thema konnte Quik punkten: „Der Ausbau von Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen steht ganz oben auf der Agenda“, versprach sie. Außerdem wolle die Politik die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf verbessern.

Der Weg der kleinen Schritte

Zuletzt wurde auch die zuvor ignorierte Frage nach dem Fachpersonal wieder angerissen. Man müsse „den Weg der kleinen Schritte gehen“, argumentierte Quik. Mit einer niederschwelligen, einjährigen Assistenzausbildung könnten neue Arbeitskräfte gewonnen werden. Dass dies allerdings nicht die finale Lösung sein kann, zeigte eine weitere Frage aus dem Publikum: „Woher soll man als junge Person denn überhaupt die Motivation nehmen, in die Pflege zu gehen?“, wollte ein Abiturient wissen. Gorres entgegnete, dass die eigentliche Frage doch sei: „Wieso entscheiden sich so viele Leute nicht für die Pflege?“ Und er hatte auch gleich die Antwort parat: Zu wenig gesellschaftliche Anerkennung und ein zu geringer finanzieller Anreiz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik