Baumfällungen

Gefällte Pappeln am Auesee Wesel waren marode

Fällungen wie diese Pappeln am Auesee erregen Unwillen, doch die Arbeiten waren legal.

Foto: privat

Fällungen wie diese Pappeln am Auesee erregen Unwillen, doch die Arbeiten waren legal.

Wesel.   Die Bäume standen rechtlich gesehen im Wald. Dort gibt es keinen gesetzlichen Brutvogelschutz – es war legal sie zu fällen.

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Baumfällungen fallen auf. Wer dieser Tage noch Gehölze rodet oder Hecken massiv stutzt, handelt meist illegal – zum Schutz der Brutvögel verbietet das Naturschutzgesetz solche Arbeiten vom 1. März bis zum 30. September. Trotzdem sind am Auesee im Bereich der Angler fünf mächtige Pappeln gefallen, ihre Stämme lagern dort. Eine NRZ-Leserin vermutete illegales Handeln.

Zuständig ist das Forstamt

Weder die Untere Naturschutzbehörde beim Kreis Wesel, noch die für Grünschnitt zuständige städtische Tochter ASG wussten von den Fällungen. Dennoch waren sie rechtens, sagt Eckhard Remter, Förster und Revierleiter für Privat- und Kommunalwald in Wesel, Voerde und Xanten. Denn: Die Pappeln am See standen rechtlich gesehen im Wald und der fällt in die Zuständigkeit des Försters. Im Wald gilt die gesetzliche Einschränkung nicht. „Der Wald ist ein Wirtschaftsbetrieb, vergleichbar mit der Landwirtschaft“, erläutert er geduldig, denn immer wieder rufen erboste Menschen an, weil Bäume gefällt wurden. „Das war schon immer so, der Wald dient dazu, Holz zu gewinnen.“ Bei den fünf Pappeln am Auesee sei das aber nicht ausschlaggebend gewesen, sie waren „abgängig“, heißt: umsturzgefährdet. Weitere Pappeln sind bereits 2017 gefällt worden. „Die fünf blieben übrig, weil Boote darunter lagen“, erklärt Remter, es waren Aufräumarbeiten nötig. Die Bäume waren über 50 Jahre alt und hatten ihre natürliche Lebenserwartung erreicht.

Wald ist grundsätzlich zugänglich

Natürlich gehen die Förster bei ihren Arbeiten nicht vor wie die sprichwörtliche „Axt im Walde“. „Bei Laubholz achten wir grundsätzlich in der Brutzeit darauf, welche Art betroffen ist. Ist sie selten, wie der Schwarzspecht beispielsweise, wird nicht gefällt.“ Hat ein Habichtpaar seinen Horst in einen Baum gebaut, ist der tabu – und im Umkreis von gut hundert Metern muss zudem Ruhe herrschen.

Von diesen Ausnahmen abgesehen, darf gerodet werden. Und das regt viele Menschen auf. „Es liegt daran, dass Wald – anders als die Felder der Bauern – grundsätzlich zugänglich ist“, erklärt Remter. „Die Leute nehmen ihn nur noch als Erholungsraum wahr.“ Als etwas, das ihnen gehöre. Dabei sei rund 60 Prozent des Waldes Privatbesitz, „das machen sich viele nicht klar“. Im Regelfall würden anfangs rund 5000 Bäumchen pro Hektar gesetzt, eng, damit sich keine Seitenäste bilden und die Bäume gerade zum Licht hin wachsen. Dann dann wird im Achtjahres-Takt durchforstet, bis am Ende noch etwa 400 wertvolle Baumriesen pro Hektar übrig sind.

Derzeit könne es aber nicht ums Durchforsten gehen. Noch immer werde nach Friederike aufgeräumt, sagt der Förster. Das bedeute viele Anrufer, die sich beklagen.

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