Gedenken

Grab im Hünxer Wald erinnert an trauriges Soldaten-Schicksal

Das Grab des Soldaten Bruno Brusten im Wald von Oberlohberg am Keilerweg

Das Grab des Soldaten Bruno Brusten im Wald von Oberlohberg am Keilerweg

Foto: Olaf Fuhrmann / FFS

Hünxe.  Der junge Kölner Bruno Brusten fiel noch kurz vor Kriegsende in Hünxe. Seine bewegende Geschichte gibt vielen Opfern des Weltkriegs ein Gesicht.

Als die beiden Waldarbeiter Albert Klosterköther und Bernhard Overländer in den letzten Märztagen des Jahres 1945 im Bruckhauser Wald in Hünxe unterwegs waren, machten sie eine grausame Entdeckung: Sie fanden auf einer Schneise die Leiche eines jungen deutschen Soldaten. Ein Granatsplitter hatte ihn im Rücken getroffen, abgefeuert vermutlich im Artilleriehagel der aus Westen vorrückenden alliierten Truppen. Ein Opfer von vielen in diesen letzten Monaten des Krieges – und doch ein besonderes Schicksal.

Bevor Klosterköther und Overländer den Leichnam an Ort und Stelle in einem sogenannten Einmannloch bestatteten, suchten sie in der Kleidung nach Hinweisen auf die Identität des Gefallenen, fanden aber weder Erkennungsmarke noch Soldbuch. In der Innentasche seiner Jacke stießen sie jedoch auf ein Telegramm der Frau des Toten: „Lieber Bruno, habe Dir Deinen ersten Sohn geboren.“

Anwohner pflegen das Grab

So bekam der Tote einen Namen: Bruno Brusten. Sein heute mit Holzlatten umzäuntes Grab im Bruckhauser Wald, auf dem ein schlichtes Holzkreuz steht, wird von Anwohnern gepflegt.

Eine Gedenktafel vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erinnert an den Soldaten.

Bruno Brusten wurde am 6. Oktober 1918 als viertes von fünf Kindern seiner Eltern in Köln-Mülheim geboren. Später arbeitete er beim Motorenhersteller Klöckner-Humboldt-Deutz.

Wegen einer starken Sehbehinderung wurde Brusten zunächst nicht als Soldat eingezogen.

Doch Ende 1944, als immer öfter auch zunächst ausgemusterte Männer in den Krieg mussten, wurden die Behörden auf Brusten aufmerksam.

„Nur weil er die Geburt seines Sohnes ordnungsgemäß bei der Stadtverwaltung in Köln anmeldete, wurde die Wehrmacht auf ihn aufmerksam“, berichtete sein Neffe Siegfried Brusten viele Jahre später in einem Interview.

Der junge Vater wurde als Soldat in die letzten Kämpfe am Niederrhein geschickt, wo seine Leiche von den Waldarbeitern bestattet wurde. Als Brustens Todestag wird der 27. März 1945 angegeben.

Schon bald plante der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, den Gefallenen auf einen Soldatenfriedhof umzubetten, man hielt das einzelne, ungeschützte Grab im Wald für nicht angemessen. Doch die Menschen in Oberlohberg, die sich um das Grab kümmerten, protestierten gegen den Plan. Unterstützung bekamen sie von hoher Stelle, unter anderem vom damaligen Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer.

Dann, 1956, entschied der Regierungspräsident: das Grab bleibt, wo es ist. Seitdem ist die letzten Ruhestätte Bruno Brustens ein anerkanntes Kriegsgrab.

Zunächst hatten sich die beiden Waldarbeiter, die die Leiche entdeckt hatten, und deren Familien um das Grab gekümmert. Inzwischen hat sich der Heimatverein Lohberg des Grabes angenommen. „Jedes Jahr zum Volkstrauertag legen wir dort Blumen nieder und haben auch ein Auge auf das Grab“, sagt der Vereinsvorsitzende Heinrich Hülsemann. Sie legen Wert darauf, dass das Grab gepflegt wird und eine würdige Ruhestätte bleibt.

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