Kreis Wesel.

Grenzen der Reiterfreiheit

Reiter willkommen – sie müssen sich aber an die ausgewiesenen Reitwege halten. 

Reiter willkommen – sie müssen sich aber an die ausgewiesenen Reitwege halten. 

Foto: Christin Klose

Kreis Wesel.   Eigentlich dürfen Reiter seit Anfang des Jahres sämtliche „Fahrwege“ – also feste oder befestigte Waldwege – nutzen. Das neue Landesnaturschutzgesetz erlaubt ihnen das. Der Kreis Wesel hatte der unbegrenzten Reiterfreiheit allerdings früh einen Riegel vorgeschoben und die Pferdefreunde per Verfügung auf die gekennzeichneten Reitwege verwiesen.

Eigentlich dürfen Reiter seit Anfang des Jahres sämtliche „Fahrwege“ – also feste oder befestigte Waldwege – nutzen. Das neue Landesnaturschutzgesetz erlaubt ihnen das. Der Kreis Wesel hatte der unbegrenzten Reiterfreiheit allerdings früh einen Riegel vorgeschoben und die Pferdefreunde per Verfügung auf die gekennzeichneten Reitwege verwiesen.

Reiterverband klagt gegen den Kreis

Man habe das im Einvernehmen mit dem Landesbetrieb Wald und Holz und nach Beteiligung der Reiter- und der Waldbesitzerverbände getan, so die Verwaltung. Ihnen wollte man entgegenkommen: Der Kreis zeigt sich für Vorschläge offen, weitere Verbindungen zwischen den rund 160 Kilometer ausgewiesenen Reiterwegen im Kreisgebiet zu schaffen. Prompt hat – Beteiligung hin oder her – die Vereinigung der Freizeitreiter- und -fahrer (VFD) gegen die Allgemeinverfügung beim Verwaltungsgericht Düsseldorf geklagt, Ende derzeit offen.

Interessen der Waldnutzer abwägen

Warum darf im Kreis Wesel nicht sein, was in vielen Bereichen NRWs möglich ist? Mehr als 7000 Pferde werden hier gehalten, argumentiert die Verwaltung, in etwa 450 Ställen – dabei seien nur die gezählt, die mehr als fünf Tiere halten. Durch die Nähe zum Ruhrgebiet werde der Kreis Wesel zudem von Radlern, Wanderern und Reitern aufgesucht. Um dem gerecht zu werden, habe man zahlreiche Radrouten, Wander- und Reitwege ausgewiesen. Und sei nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen wegen der intensiven Freizeitnutzung des Waldes und der überwiegend feuchten Böden die Wege nicht frei zu geben. „Unsere Reitwege sind ordentlich und gepflegt“, sagte der zuständige Verwaltungsvorstand Helmut Czichy dem Kreisumweltausschuss. „Es ist eine Abwägung der Interessen der Reiter, anderer Nutzer und des Naturschutzes.“

160 Kilometer Reitwege zu pflegen

Konkrete Gespräche habe es mit den Reiterverbänden nicht gegeben, erläuterte Klaus Horstmann von der Verwaltung. Ein Arbeitskreis sei gegründet worden um deren Vorschläge zu besprechen. „Er hat noch nicht getagt, weil keine Vorschläge gekommen sind.“ Horstmann gab zu bedenken, dass 160 Kilometer Reitwege auch gepflegt sein wollen: Es darf keine herabhängenden Äste geben, keine umgefallenen Bäume, keine ­nassen Stellen oder andere Hindernisse. Ulrike Trick (Grüne), selbst Reiterin, kritisierte die Entscheidung, die Waldwege nicht frei zu geben. In dieser Frage hat die Politik allerdings keinen Einfluss, es ist Sache der Verwaltung.

Ansprechpartner und Gesetz

Müssen Reiter wissen, wem der Wald gehört, um Probleme auf dem Reitwegen zu melden? Nein. Ansprechpartner beispielsweise für umgefallene Bäume oder ähnliches ist nicht der Förster, sondern der Kreis Wesel. Er leitet die Beschwerde an die Zuständigen weiter.

Die Öffnung der Waldwege ist durch §58 Abs. 2 Landesnaturschutzgesetz geregelt. Die Kreise können dagegen sogenannte Allgemeinverfügungen erlassen. Es gab weitere Kreise, die diesen Weg gegangen sind. Und der Kreis Wesel ist nicht der einzige, der deshalb verklagt wurde.

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