Gesundheit

Grüne im Kreis Wesel kritisieren Notdienst-Versorgung

Notfallpraxen, wie hier in Bochum, sollen im Kreis Wesel den herkömmlichen Notdienst ersetzen.

Notfallpraxen, wie hier in Bochum, sollen im Kreis Wesel den herkömmlichen Notdienst ersetzen.

Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services

Kreis Wesel.  Kreisgrüne kritisieren, dass Menschen mit medizinischen Problemen derzeit nachts und am Wochenende allein gelassen werden. System ist im Umbruch.

Was, wenn abends oder nachts gesundheitliche Probleme auftauchen, solche die nicht in die Zuständigkeit des Rettungsdienstes sondern in die des Hausarztes fallen? In Moers und derzeit noch in Rheinberg gibt es eine Notdienstpraxis, zu der man fährt. Letztere schließt Ende des Jahres, weil sie nicht an ein Krankenhaus angebunden ist.

Oder Patienten rufen, wie im übrigen Kreis Wesel üblich, den hausärztlichen Notdienst unter 116 117 und erfragen den diensthabenden Arzt. Das ist die Theorie. In der Praxis, kritisiert die Grüne Kreistagsfraktion, funktioniert das System nicht. Die Grünen fordern ein flächendeckendes Netz von Notdienstpraxen – genau das ist auch in Planung. Allerdings unterscheidet sich das Verständnis von „flächendeckend“ bei Grünen und Kassenärztlicher Vereinigung deutlich.

Weite Wege zum diensthabenden Hausarzt

In der Regel sind vor allem Senioren und Menschen, die nicht mobil sind, abends, an Wochenenden und nachts allein gelassen, kritisieren die Grünen. Wege von Schermbeck bis nach Obrighoven und Büderich zum diensthabenden Arzt sind keine Seltenheit. „Das System zwingt den Leuten ein Auto auf“, sagen Fraktionschef Hubert Kück und seine Stellvertreterin Ulrike Trick mit Blick auf das Busangebot.

Und was ist mit denen, die nicht fahren können? Weil sie kein Auto haben, das Geld fürs Taxi fehlt, weil es ihnen zu schlecht geht? Die wählen schon heute den Notruf 112 oder sorgen dafür, dass sie in die nächste Notaufnahme kommen.

Die Grünen kritisieren die Kassenärztliche Vereinigung für das System scharf. „Sie hat die Aufgabe, für eine ausreichende Versorgung zu sorgen“, so Kück, „und sie schwimmt in Millionen“. Die Organisation und Geschäftspolitik der KV findet er fragwürdig, ihr Unvermögen sorge dafür, dass die Krankenhausärzte und der Rettungsdienst überlastet sind. Die Grünen fordern zeitnah flächendeckende Notfallpraxen.

Neue Praxis eröffnet im Oktober

Genau die haben die Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) und die Landesregierung in einer Absichtserklärung bis spätestens 2022 zugesagt und in den kommenden Monaten gerät einiges in Bewegung: Schon am 1. Oktober soll eine von der KV so genannte Portalpraxis im südlichen Kreis Wesel eröffnen. Vom 1. April an sollen Patienten aus Alpen und Kamp-Lintfort zur Moerser Portalpraxis gehen, der herkömmliche hausärztliche Notdienst der Praxen entfällt.

Praxen sollen an den Krankenhäusern angesiedelt sein

Dann könnten Patienten den diensthabenden Arzt an stets dem selben Ort finden. Auf längere Sicht soll in Wesel eine weitere dieser Praxen öffnen, so die niedergelassenen Ärzte denn zustimmen. Die Praxen sind stets an einem Krankenhaus angesiedelt.

Christopher Schneider, Sprecher der KV Nordrhein in Düsseldorf, erläutert die Idee: Hilfesuchende haben einen festen Anlaufpunkt. Sind sie ein Fall für das Krankenhaus, werden sie an die Notfallambulanz weitergereicht. Die wiederum kann Patienten zu den Hausärzten hinüber schicken, was die Notfallaufnahme entlasten würde.

Problem der weiten Wege bleibt

Drei Portalpraxen für den Kreis Wesel – das verkürzt die meisten Wege nicht. Nach Vorstellung der Grünen sollten die Anlaufstellen etwa so dicht angesiedelt sein wie heute die Polizeiwachen. Aber: Es fehlt laut KV am Personal. Es gebe nicht genug Ärzte und wenn zu viele Dienste anfallen, finden die Hausärzte keine Nachfolger.

Dr. Michael Weyer, Vorsitzender der Kreisstelle Wesel der KV, verdeutlicht, dass immer zwei Ärzte einen Dienst in einer Praxis haben: Einer, der die Patienten empfängt und einer, der Fahrdienst hat, also in der Regel bettlägerige Patienten besucht oder solche, die wirklich nicht zur Praxis kommen können. Den Fahrdienst, erläutert KV-Sprecher Christopher Schneider, gibt es auch beim herkömmlichen System bereits. Wer nicht kommen kann, werde besucht – allerdings entscheide der Arzt nach medizinischen Gesichtspunkten die Dringlichkeit. Es können Wartezeiten entstehen.

Die Grünen wollen einen Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung in den Fachausschuss des Kreistages eingeladen sehen, um die Pläne im Detail zu hinterfragen.

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