Schlag ins Kontor

Hamminkelner Heilig-Kreuz-Kirche droht der Abriss

Der Heilig-Kreuz-Kirche in Mehrhoog droht der Abriss.

Der Heilig-Kreuz-Kirche in Mehrhoog droht der Abriss.

Foto: Markus Weissenfels / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Eigentlich wollte die Gemeinde die Gebäude im Mehrhoog sanieren. Nun suchen alle vor Ort nach Alternativen zum Bistumsvorschlag,

In Mehrhoog herrscht unter den Katholiken große Aufregung. Den das Bistum Münster hat ein Auge auf das Pfarrheim und die Heilig-Kreuz-Kirche geworfen. Die Immobilienabteilung schlägt vor, beide Gebäude abzureißen und durch einen multifunktionalen Neubau zu ersetzen, in dem dann Gottesdienst gefeiert und Gemeindearbeit verrichtet wird.

Diese Nachricht hat den leitenden Pfarrer von St. Maria Frieden, Ralf Lamers, von den Socken gehauen: „Eigentlich hatte ich da gar keine Socken mehr an.“ Denn das Anliegen von von Heilig Kreuz war eigentlich ein ganz anderes: Einen Antrag auf Zuschüsse zur Sanierung der Kirche und des Pfarrheims hatten sie im letzten Jahr gestellt. Als Antwort kam nun das genaue Gegenteil.

Bistum will durch den Abriss kosten sparen

„Dass allen Pfarrgemeinden im Bistum etwas abverlangt wird, wissen wir“, erklärt Lamers. Doch ein Kirchenabriss in einer Gemeinde wie Mehrhoog, die ja nicht gerade zu den kleinen in der Gesamtpfarre zählt? Das wirft nicht nur Pfarrer Lamers etwas aus der Bahn, sondern auch die Gremien und Gemeindemitglieder vor Ort.

Für Lamers ist klar, dass es dem Bistum vor allem darum geht, Flächen und damit Kosten zu verringern. Denn angesichts der demografischen Lage und - das gehört dazu - der Austrittswelle, die die katholische Kirche zur Zeit trifft, gibt es zu viele Kirchen und Räumlichkeiten in den Gemeinden, die viele Bistümer und deren Gemeinden auf Dauer nicht mehr unterhalten können. Studien reden davon, dass bis 2060 nur noch ein Drittel der Deutschen sich zu den beiden Konfessionen zählen werden. Das heißt unter dem Strich, dass Kirche sich kleiner setzen muss.

Heilig-Kreuz-Kirche steht nicht unter Denkmalschutz

Aber ausgerechnet die Heilig-Kreuz-Kirche in Mehrhoog? Pfarrer Lamers bringt zumindest Verständnis für die Sicht des Bistums auf. Mehrhoog als Nachkriegskirche hat einen großen Raum, denn damals wurde sehr großzügig gebaut. Und Nachkriegskirchen wurden oft mit Stahlbeton gebaut, der schneller verwittert, sind also bei der langfristigen Erhaltung teurer. Zumal die Heilig-Kreuz-Kirche nicht unter Denkmalschutz steht, wie andere Hamminkelner Kirchen. Da sei der Plan des Bistums aus rein wirtschaftlicher Sicht durchaus nachvollziehbar.

„Aber ein Abriss ist etwas, was den Menschen weh tut“, weiß Lamers. Zumal in Mehrhoog noch viele Menschen leben, die die Gemeinde aufgebaut und zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Nicht zuletzt Gerd Stevens, der die Kirche entworfen hat.

Bischof Felix Genn hat das letzte Wort

„Wir sind erst ganz am Anfang der Diskussion“, schätzt Lamers die Lage ein. Eine Aussage, die auch Bischof Felix Genn bei seinem Besuch am vergangenen Sonntag betonte. Allerdings sage Genn auch: „Am Ende steht der Bischof.“ Denn er ist derjenige, der die Kirche entweihen muss, bevor sie abgerissen werden kann.

Pfarrer Lamers trift sich mit dem Mehrhooger Pfarrer Heinz Schulz und den Gemeindevertretern Anfang September, um mögliche Alternativen zum Münsteraner Plan zu entwickeln. Außerdem fragt er sich, wie denn ein Gottesdienstraum in einem multifunktionalen Gebäude aussehen soll. „Wird der nur für 50 bis 100 Personen geplant, ist er für Mehrhoog auf jeden Fall zu klein“, so Lamers. Im Moment, so Lamers, sei die Option des Bistums erst einmal schwer verdaulich.

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