Kultur

Holzskulptur kommt wohl wieder in die Weseler Fußgängerzone

So sah es bis vor Kurzem auf dem Leyens-Platz aus.

So sah es bis vor Kurzem auf dem Leyens-Platz aus.

Foto: Markus Joosten

Wesel.   Noch wird gerechnet. Ende November beschäftigt sich der Kulturausschuss mit dem Thema. Am Standort des Werks gibt es wohl nichts zu rütteln.

Wenn Stadtführerin Anneliese Hecheltjen mit einer ihrer Gruppen den Willibrordi-Dom besichtigt hat, geht es anschließend meist weiter in die Fußgängerzone. Nur ein paar Schritte von Wesels bedeutendster evangelischer Kirche entfernt, auf dem Leyens-Platz, stand schließlich bis vor kurzem einer der Vorgängerbauten. Nicht im Original, sondern eine Holzskulptur mit dem Namen „Vesalia hospitalis“ (Gastliches Wesel), die beim Symposium „Unter der Erde“ des Niederrheinischen Kunstvereins anlässlich des 750. Stadtgeburtstags im Jahr 1991 entstanden ist. Die in Köln lebende amerikanische Künstlerin Victoria Bell hat sie geschaffen - in Anlehnung an die bei Ausgrabungen entdeckte erste ottonische Kirche Wesels. Der Standort ist mit Bedacht gewählt, besteht doch eine Sichtachse zwischen dem Kunstwerk und dem Dom.

Umstrittenes Holzhäuschen

Das in die Jahre gekommene, umstrittene Holzhäuschen war nicht mehr standsicher, soll aber nach einer umfassenden Restaurierung wieder seinen Platz in der Fußgängerzone bekommen. Zu welchem Preis, das ist momentan noch offen. Gespräche zwischen der Künstlerin, ihrem Galeristen, einem Zimmermann, städtischen Vertretern und dem Kunstverein endeten damit, dass nun bewertet wird, welche Hölzer noch verwendbar sind und was neu gemacht werden muss. Der Galerist werde ein entsprechendes Angebot vorlegen, sagt der städtische Kulturdezernent Rainer Benien, der gleichzeitig darauf hinweist, dass die Skulptur Bestandteil der Neukonzeption der Fußgängerzone ist. Wenn am Donnerstag, 29. November, ab 16.30 Uhr der Ausschuss für Kultur und Stadtmarketing tagt, könnte es sein, dass bereits ein Beschluss zur Restaurierung gefasst wird. Das ist zumindest das Ziel. Letztlich müsse man schauen, ob dafür Fördermittel fließen oder das Geld dafür aus dem städtischen Etat genommen werden muss, so Benien weiter.

Kunstverein befürwortet Standort

Beim Niederrheinischen Kunstverein ist laut Geschäftsführerin Claudia Bongers bereits alles klar. Hier gibt es eine satte Mehrheit für das erneute Aufstellen der restaurierten Skulptur an derselben Stelle. Dabei soll aber besser über den Sinn des Werkes informiert werden, etwa in Form eines QR-Codes.

Dann könnten Passanten vielleicht erfahren, dass von der alten Hansestadt nach den verheerenden Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg vielfach nur das übrig blieb, was unter der Erdoberfläche steckte. Dazu gehören die Grundmauern des historischen Rathauses am Großen Markt und die ottonische Kirche. Das in Anlehnung an sie entstandene Kunstwerk aus Eiche hat zwei Bedeutungen. Zum einen steht es für die Vorgängerkirche des Doms, zum anderen für einen Handelsknotenpunkt der Hanse an der Schnittstelle mehrerer Straßen. In diesem Zusammenhang wird der stilisierte Kirchenbau als gastliche Stätte für Reisende gesehen. Die Skulptur aus grobem Material ist 3,60 Meter hoch und hat grobe Verzapfungen.

Alter Ratsbeschluss

Bemühungen, das Werk zu verrücken, scheiterten bislang stets. Denn es gibt einen Ratsbeschluss, in dem der bisherige Standort genau festgelegt ist. Sowohl die Künstlerin als auch der Kunstverein müssten für eine Veränderung ihr Okay geben.

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