Corona

Coronavirus: Wie sich ein Supermarkt in Hünxe davor schützt

Timo Kempendorf, Geschäftsinhaber Gerhard Kirsch und Johann Niesbach mit dem neuen Schild: Es soll Kunden an den Sicherheitsabstand erinnern.

Timo Kempendorf, Geschäftsinhaber Gerhard Kirsch und Johann Niesbach mit dem neuen Schild: Es soll Kunden an den Sicherheitsabstand erinnern.

Foto: sz / NRZ

Hünxe.  Das Personal im Supermarkt in Drevenack arbeitet an der Belastungsgrenze. Hier hat man sich einiges gegen die Ansteckungsgefahr einfallen lassen.

Sich von anderen Leuten fernhalten – das ist leicht gesagt: Tagaus tagein haben die Verkäuferinnen und Kassiererinnen in den Lebensmittelmärkten mit hunderten Menschen Kontakt. „Wir arbeiten seit mindestens zwei Wochen ganz so, als wäre morgen Heiligabend“, sagt Gerhard Kirsch, der in Drevenack den Edeka-Markt betreibt. Die Zeiten der Pandemie sind hier täglich spürbar.

Kirsch will seine Mitarbeiterinnen an den Kassen schützen, denn nicht alle Kunden halten Abstand oder sind einsichtig. Wer in Drevenack einkauft, sieht nun Kassiererinnen hinter Plexiglas, mit Gewebeklebeband ein wenig hingebastelt. „Einen Schönheitspreis werde ich dafür nicht gewinnen“, sagt Kirsch und schmunzelt. „Ich wollte einen Handwerker beauftragen, aber der hatte keine Zeit.“

Nicht alle Kunden halten den nötigen Abstand

Also fuhr er in den Baumarkt, half sich und seinen Mitarbeiterinnen auf improvisierte, aber effektive Weise. „Ich möchte nicht, dass meine Mitarbeiter infiziert werden, nur weil sie für mich arbeiten“, sagt der Lebensmittelhändler. Die Kassiererinnen tragen auch Einmalhandschuhe, die Edeka Kirsch seinen Kunden ebenfalls gratis anbietet.

Nicht alle Kunden halten den gebotenen Abstand von mindestens 1,50 Metern, einer umarmte neulich gar eine Verkäuferin von hinten, „wann bekommt Ihr denn wieder Brot rein?“. In normalen Zeiten ein Übergriff, in Pandemie-Zeiten zudem höchst gefährlich.

Abstand und Hygiene sind die Devise. Hier und dort im Geschäft sind Markierungen auf dem Fußboden angebracht, die den nötigen Abstand von 1,50 Meter verdeutlichen. Timo Kempendorf, der mit Freunden die Facebookgruppe „Drevenack soll schöner werden“ gegründet hat, und Johann Niesbach hatten jetzt eine Idee und haben sie auch gleich umgesetzt: Im Eingangsbereich des Supermarktes steht ein kaum zu übersehendes Schild, dass auf die Abstandsregelung hinweist. Niesbach, der beruflich mit Schildern zu tun hat, hat es „mal eben“ abends entworfen und produziert. Die beiden wollen helfen.

Verstärkung aus der Gastronomie ist willkommen

In Drevenack versucht man, kreativ mit den Zeiten der Pandemie umzugehen. Kirsch, dessen Personal am

Rande der Belastungsgrenze arbeitet – noch immer ist der Parkplatz täglich fast voll – hat ein Plakat an der Eingangstür hängen.

Unter dem Titel „Eine Hand wäscht die andere“ bieten er und manche andere Edeka-Geschäfte Mitarbeitern der Gastronomie an, sich bei ihm zu melden, er sucht Verstärkung, in Restaurants und Gaststätten verlieren die Leute derzeit häufig ihre Arbeit. Im Supermarkt könnten sie die Mehrbelastung abfangen. „Meine Mitarbeiterinnen tun ihr Möglichstes, aber es ist eine harte Probe“, sagt Kirsch.

Im Großen und Ganzen sind die Kunden auf dem Land entspannter als in der Stadt, ist seine Erfahrung. Es gebe keine Streitigkeiten unter ihnen. Bloß immer noch diese Hamsterkäufe, rätselhafter Weise auch von Toilettenpapier.

Die Kinder bitte beim Einkaufen zuhause lassen

Einen Wunsch hätte der Einzelhändler aber an seine Kunden: „Weil die Kinder nicht in der Schule sind, kommen ganze Familien zum Einkaufen.“ Das bewirkt, das deutlich mehr Menschen im Geschäft sind, als nötig wäre. 2000 Kunden am Tag zählt er derzeit, hinzu kommen die begleitenden Personen – Partner und Nachwuchs.

Kirsch bittet seine Kunden darum, dass nur eine Person für die Familie einkauft – zum Schutz der Familien selbst, aber auch anderer Kunden und seiner Mitarbeiterinnen. Der Supermarkt gehört zu den wenigen Orten, an denen sich dieser Tage noch viele Menschen aufhalten.

Übrigens: An Sonntagen wird Edeka in Drevenack wie immer geschlossen bleiben. In dem Punkt ist Gerhard Kirsch sehr entschieden. Jeder Mensch braucht Ruhezeiten, auch und gerade die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einzelhandel dieser Tage, da geht Fürsorgepflicht vor Gewinnoptimierung.

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