Natur

Hünxe: Krudenburg hat nun auch sein erstes Storchennest

Bernd Chronz, Matthias Müller und Heinz Lindekamp (von links) stellen das Nest auf. Müller entfernt eine Sicherung für das Stroh, die nicht im Nest bleiben darf.

Bernd Chronz, Matthias Müller und Heinz Lindekamp (von links) stellen das Nest auf. Müller entfernt eine Sicherung für das Stroh, die nicht im Nest bleiben darf.

Foto: Lars Fröhlich / FFS

Hünxe.  Im Hünxer Ortsteil Krudenburg gibt es seit Freitag ein Storchennest – nun hoffen die Aktiven, dass ein Paar es im Frühjahr beziehen wird.

In Krudenburg gibt es immer wieder Störche. Warum hat das Lippetreidlerdorf kein Nest? Matthias Müller und seine Partnerin Ines Süß haben sich im Herbst einen Traum erfüllt und einen der Gärten hinter der Straße Feldmark gepachtet, die zu den Häusern im alten Ortskern gehörten, nicht weit von der Lippe. Und ein Storchennest, das wäre das Größte für ihn. „Emil Benninghoff und ich sind auf die Idee gekommen, aber wir wussten nicht, wie man so etwas baut“, sagt er. Um viele Ecken kam der Kontakt zum Förderverein Natur und Landschaftsschutz Hünxe zustande.

Verzögerung durch Corona – ursprünglich war der März vorgesehen

Und so stehen sie gestern gemeinsam auf der Parzelle und schwitzen: Heinz Lindekamp, Lothar Gruber und Bernd Chronz vom Verein Natur- und Landschaftsschutz Hünxe, der sich einst gründete um die Windräder im Hünxer Naturschutzgebiet zu verhindern. Außerdem Müller, Benninghoff, weitere zupackende Hände – und viele Zaungäste. Es ist ein großer Garten, Abstand halten ist kein Problem.

Müller besorgte den Mast, der Verein baute das Nest darauf. Und gemeinsam stellen sie es jetzt auf. Liesel von Malinckrodt ist gekommen um zuzuschauen. Die 82-Jährige und einige der Nachbarinnen überlegen, ob sie von ihren Häusern wohl ein Blick auf das Nest haben. Zu gern würden sie auf die Kinderstube schauen können, sollte sich hier ein Storchenpaar ansiedeln. Sie sind sehr willkommen in Krudenburg, die Störche, soviel ist klar.

Natürlich wissen die Aktiven, dass es dieses Jahr nichts mehr wird mit den ersehnten Storchenkindern. „Wir wollten eigentlich im März bauen, aber dann kam Corona “, sagt Lindekamp. Viele Mitglieder sind jenseits der 60, aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus wurde das Nestprojekt vertagt.

Den Kampf gegen die Windräder hat der Verein verloren, jetzt wollen die Aktiven die Natur auf andere Art schützen. Meisenkästen bastelten sie für den Drevenacker Weihnachtsmarkt. Und das Krudenburger Storchennest soll auch nicht das letzte bleiben.

„Wir haben nach einer geeigneten Stelle gesucht“, erläutert Lindekamp. „Wichtig ist, dass das Nahrungsangebot für die Störche stimmt.“ Schließlich gilt es hungrige Schnäbel zu stopfen. Müllers Garten und die Lippe trennt zwar eine hohe Baumreihe, das aber sei kein Problem für die Tiere. Der Verein baute das Nest, ließ sich auch dabei beraten.

Fast pannenfrei geht der Mast in die Vertikale

Mit Hilfe zweier Trecker und eines Unimogs platzieren die Helfer am Freitag das Nest fast pannenfrei auf dem Mast. Es ist sicher angebracht – Material dafür hat ein Unternehmen gespendet. Dass das weiche Polster aus Stroh und Rinde beim Aufbau wieder aus dem Nest fällt und der Verein zudem einen Helfer vergessen und schlicht nicht abgeholt hat, sind die eher kleinen Pannen des Tages.

Schließlich zieht ein Trecker das – wieder gepolsterte – Nest samt Mast in die Vertikale. „Das ist schief“, kommentiert eine Zuschauerin und erntet Gelächter. Mit Wasserwaage, Köpfchen und Muskelkraft schließlich wird das Projekt zum guten Abschluss gebracht, der Mast durch Zaunpfähle gestützt während die Grube wieder zugeschaufelt wird. Applaus und beifällige Bemerkungen ernten die Helfer dafür.

Werden die großen Vögel das Nistangebot annehmen? „Wenn ja, wird es hier viele Radfahrer geben“, prophezeit Liesel von Malinckrodt. Bisher sei man nach Bislich gefahren um Storchennester zu sehen, sagt die Krudenburgerin. Vielleicht wird das bald nicht mehr nötig sein. Sie lebt seit 80 Jahren im Dorf, wollte immer selbst ein solches Nest in den Garten stellen. Jetzt hofft sie auf das nächste Frühjahr und das Nest in Müllers Garten.

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