Notfallversorgung

Hundehalter lernen in Wesel die Erste Hilfe am Tier

Jörg Kramer zeigte Ute Amberge und  Manuela Kalaitzidis, wie man eine Fangschlinge anlegt.

Jörg Kramer zeigte Ute Amberge und Manuela Kalaitzidis, wie man eine Fangschlinge anlegt.

Wesel.   Die Teilnehmer können im Kurs selbst Hand anlegen und am lebendigen Hund trainieren. Bei den Rettungsmaßnahmen zählt auch der Selbstschutz.

Was ist zu tun, wenn der eigene Hund bei der alltäglichen Gassirunde plötzlich humpelt, blutet oder einfach bewusstlos umfällt? Oder noch prekärer: Was tun, wenn ein fremder Hund verletzt aufgefunden wird? Die Teilnehmer, die am Samstagvormittag den Kurs „Erste Hilfe am Hund“ beim Arbeiter-Samariter-Bund besucht haben, wissen nun, wie sie in solchen Situationen handeln könnten.

Alle zehn Teilnehmer haben unterschiedliche Hintergründe: Da sind die ausgebildete Tierarzthelferin, die mehr über Erstversorgung lernen will, einige Mitglieder der Rettungshundestaffel, die den Lehrgang im Rahmen ihrer Tätigkeit brauchen und natürlich private Hundehalter, die für den Notfall vorbereitet sein wollen.

Die Behandlung ersetzt nicht den Tierarzt

„Wir ersetzen hier nicht den Tierarzt oder die Tierklinik – das wollen wir nicht“, stellte Kursleiter und Mitglied der Rettungshundestaffel Jörg Kramer klar, bevor es in die eigentliche Thematik ging. Denn genau wie die Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Menschen hat auch das Vierbeiner-Pendant nur drei Ziele: Bei einem Unfall oder Notfall lebensrettend und schmerzlindernd einzugreifen und die Transportfähigkeit herzustellen. Rund vier Stunden lang referierte er über Verletzungen samt Versorgungsmethoden, bei denen die Teilnehmer dann auch selbst Hand anlegen durften.

Den Anfang machten hier die richtigen Hilfsmittel – von der Taschenlampe über Verbandsmaterial bis hin zum Ipecacuanha-Sirup, einem bewährten Brechmittel, dass erste Wahl bei Vergiftungen ist. „Das Zeug soll total süß sein. Dann schlabbern die das freiwillig auf“, erläutert Kramer. Insgesamt lässt sich ein kleines Notfallköfferchen recht günstig zuhause selbst zusammenstellen, aber auch ein ausgemusterter Auto-Verbandskasten leistet gute Dienste.

Vitalfunktionen werden mit der „Taps“-Regel geprüft

Beim Auffinden eines verletzten Vierbeiners, egal ob fremd oder der eigene, gilt: „Selbstschutz hat absoluten Vorrang!“, wie Jörg Kramer immer wieder betonte. Ein Maulkorb wäre da ideal, aber behelfsmäßig tut es auch eine Fangschlinge, die aus einem Dreieckstuch gebaut werden kann.Geübt wurde das sogleich an Kramers sechsjährigem Labrador Max, der sich als lebendiges Übungsobjekt zur Verfügung stellte und die Prozedur gelassen über sich ergehen ließ: Tuch um den Fang wickeln und im Nacken verknoten. Für Max kein Grund zur Aufregung.

Werden dann die Vitalfunktionen überprüft, kommt die „Taps“-Regel zum Einsatz. Dabei werden Temperatur (38-39 Grad), Atemfrequenz (20-30, bzw. 30-50 Atemzüge pro Minute), Puls (80 Schläge pro Minute) und Schleimhäute (im Idealfall rosa mit einer kapillaren Rücklaufzeit von zwei bis drei Sekunden) überprüft.

Im Notfall hilft die Mund-zu-Nase-Beatmung

Bei Atemstillstand gilt wie beim Menschen: Beatmen. Und zwar Mund-zu-Nase. Sollte auch das Herz nicht mehr schlagen, wäre eine Herz-Lungen-Wiederbelebung angebracht, ebenfalls wie beim Menschen: 30 Mal Herzmassage, zwei Mal beatmen.

Was jedoch im Alltag viel wahrscheinlicher nötig wird, ist die Versorgung von Wunden. Denn verletzte Pfoten, kleinere Schürfwunden und Insektenstiche passieren auf der Gassirunde am häufigsten.

Deshalb wurde das fachgerechte Verbandanlegen ebenfalls geübt. Erneut hielt Max bemerkenswert still, während gleich mehrere Teilnehmer ihm parallel einen Druckverband am Hinterlauf und einen Pfotenverband am vorderen Bein anlegten. Während es beim Pfotenverband wichtig war, alle Zehen gut abzupolstern, war die Herausforderung beim Druckverband, immer über Kreuz zu wickeln, damit der Druck gleichmäßig auf die Wunde ausgeübt wird. Gleichzeitig darf nicht zu stramm gewickelt werden.

Ohrenverband am Stoffhund

Noch stiller als Max hielt nur Stoffhund Herkules, dem Kursteilnehmerin Ute Amberge einen Ohrenverband verpasste. „Das Ohr ist heil, aber der Hund leider erwürgt“, scherzte sie selbstkritisch über ihr Machwerk. Doch Kursleiter Jörg Kramer fand trotzdem lobende Worte. Das Ohr sei von beiden Seiten eingewickelt und durch die Befestigung um den Hals könnte der Hund den Verband nicht selbst lösen – alles in allem gute Arbeit. „Es sollte nur darauf geachtet werden, dass der Hund nicht erstickt“, lachte er und zeigte dann, wie der Ohrenverband um den Kopf fixiert wird.

>> Das sind die nächsten Termine

  • Die nächsten Kurse „Erste Hilfe am Hund“ gibt es am Samstag, 23. September, und Samstag, 25. November. Sie dauern, je nach Teilnehmerzahl, von 9 bis etwa 14 Uhr. Anmeldungen sind unter 0281/5544 oder per E-Mail an: kontakt@asb-wesel.de möglich.
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben