Ikarus unterm Werkstatt-Kran

Foto: Thorsten Lindekamp

Wesel.   Schon der Ausstellungsraum, eine ehemalige Elektrowerkstatt in den Trapphallen, ist einen Besuch wert. Und ausstaffiert mit den Werken von neun Künstlerinnen aus dem Kreis Wesel wurde er erst recht zum Hingucker. X-positions nennt sich die Gruppe von Malerinnen und Bildhauerinnen, deren moderne Werke am vergangenen Wochenende eine perfekte Symbiose mit der alten Industriekultur eingegangen sind. Die zahlreichen Besucher der Gemeinschaftsausstellung waren jedenfalls vom Ambiente ebenso begeistert wie von den 60 Exponaten.

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Schon der Ausstellungsraum, eine ehemalige Elektrowerkstatt in den Trapphallen, ist einen Besuch wert. Und ausstaffiert mit den Werken von neun Künstlerinnen aus dem Kreis Wesel wurde er erst recht zum Hingucker. X-positions nennt sich die Gruppe von Malerinnen und Bildhauerinnen, deren moderne Werke am vergangenen Wochenende eine perfekte Symbiose mit der alten Industriekultur eingegangen sind. Die zahlreichen Besucher der Gemeinschaftsausstellung waren jedenfalls vom Ambiente ebenso begeistert wie von den 60 Exponaten.

Regine Kielmanns moderne Skulptur „Im Taschenrausch“ vor dem Schild „Schutzbrille tragen“ im Stil der Fünfzigerjahre – das hatte was. Die überschlanke Puppe aus Holz, Eisen und Kunststoff mit den vielen „must haves“ am Arm nimmt den heutigen Überfluss augenzwinkernd aufs Korn. Als im Nachkriegsdeutschland das blau-weiße Warnschild entstand, freute man sich wohl noch über eine einzige Tasche.

Auch der „Ikarus“ von Claudia Holsteg-Küpper, dessen weite Schwingen aus Gips und Metall die Mitte des Raumes beherrschen, macht sich gut unter dem alten Kran, der noch von der Decke hängt. Der Ikarus wird gleich zu ihm aufsteigen, könnte man glauben. Claudia Holsteg-Küpper ist die Hausherrin, und sie hat ihre Kolleginnen aus der Gruppe X-positions eingeladen, in ihrem Atelier erstmals mit einer gemeinsamen Ausstellung an die Öffentlichkeit zu treten.

Kennengelernt hatten sich die neun Künstlerinnen – die jüngste 52, die älteste 77 Jahre alt – auf der Verleihung des Erna-Suhrborg-Preises im vergangenen Jahr, denn sie waren alle für den Preis nominiert. Die Frauen aus Alpen, Dinslaken, Hünxe, Kamp-Lintfort, Moers, Sonsbeck und Wesel beschlossen, sich regelmäßig zu treffen, und so entstand X-positions. Man tauschte sich über Techniken und Erfahrungen aus und stellte fest, dass gemeinsam auch eine Ausstellung leichter zu stemmen wäre. Also legten sie zusammen, druckten Flyer, engagierten den Pianisten Matthias Dymke, der die Vernissage mit sanften Klängen untermalte, und ließen einen wunderbaren Ausstellungskatalog drucken.

Die Schau hatte für jeden Geschmack etwas zu bieten. Magdalena Graf arbeitet gegenständlich mit Öl auf Leinwand, und ihr farbintensives Bild von der Zeche Lohberg beispielsweise passte thematisch bestens in die alte Werkstatt. Wer Abstraktes mag, wurde von dem Farbspiel zwischen dunklem Rot, Schwarz und Grau der „Farbstangen“ – gerade mal 20 Zentimeter breit und fast zwei Meter hoch – angesprochen. Antje Paselk hat sie gemalt, mit Acryl auf Leinen.

Ins Auge stachen auch Elke Munses leuchtend rote, stilisierte Mohnblumen. Durch die Farbkraft von leuchtendem Königsblau nicht weniger anziehend war Brigitte Tackenberg-Özeks Acrylwerk „BlueMen“. Der Titel „Im Wald“ von Barbara Spiekermann-Horn lässt Gegenständliches erwarten, doch die Künstlerin abstrahiert stark und zeigt geometrische Formen in hellen Grün-Schattierungen.

Eine ganz besondere Technik wendet Renate Scheel an: Sie zeichnet blind, schaut während des Arbeitsprozesses nur auf ihr Modell und nicht auf Papier oder Leinwand. Das Ergebnis ist überraschend scharf und ausdrucksstark. Petra Klein schließlich bearbeitet Fotos am Computer so lange, bis sie ihre Emotionen im Moment der Aufnahme wiedergeben. Ihr Bild „Laternenspiel“ legt weniger Wert auf die unter Bäumen abgelichteten Personen auf einem von Laternen erleuchteten Platz, sondern unterstreicht vor allem die melancholische Abendstimmung.

Die neun Frauen von X-Positions haben bereits die nächste Ausstellung geplant – im Januar geht es dann über den Rhein ins Xantener Drei-Giebel-Haus.

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