Marktanalyse

Immobilien in Wesel: Verkäufer-Frust, Hoffnung für Käufer?

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Wohnen in der Nähe es Rheins – das geht in Wesel-Büderich.

Wohnen in der Nähe es Rheins – das geht in Wesel-Büderich.

Foto: Hans Blossey / FFS

Wesel.  In den Markt für Häuser und Wohnungen in Wesel ist Bewegung bekommen. Zwei Experten schätzen ein, was das für Verkäufer und Käufer bedeutet.

Junge Familien, die in den vergangenen Monaten ein Haus in Wesel oder der Umgebung gesucht haben, konnten schnell mal verzweifeln. Denn jahrelang kannten die Immobilienpreise nur eine Richtung: steil nach oben – daran änderten dann auch die wieder deutlich gestiegenen Bauzinsen nichts. Die Angebotspreise für Häuser und Eigentumswohnungen blieben weiterhin hoch, die Hypotheken wurden wegen des höheren Zinsniveaus zudem deutlich teuer – diese Kombination ergibt monatliche Belastungen, die für viele Menschen kaum noch zu stemmen sind. Nun scheint sich diese Situation langsam zu ändern.

Preise gesunken

„Es gibt eine erste Entlastung für Käufer von Gebrauchtimmobilien. Gebrauchte Einfamilienhäuser und Eigentumswohnungen sind von Juni bis Dezember 2022 günstiger geworden“, sagt Thomas Stachowski, der Gebietsleiter der LBS in Wesel. Auf Grundlage von Immobilienanzeigen hat die Bausparkasse die durchschnittlichen Angebotspreise für die Hansestadt ermittelt, die tatsächlich verhandelten Verkaufspreise könnten derzeit sogar noch unter diesen Werten liegen.

Demnach lag der Angebotspreis für ein gebrauchtes Einfamilienhaus Ende 2022 bei 372.000 Euro. Das ist im Vergleich zum Juni des vergangenes Jahres ein Rückgang um 16 Prozent. Eine gebrauchte Eigentumswohnung kostete im Dezember 1863 Euro pro Quadratmeter (minus 10 Prozent). Allerdings betrifft der Rückgang nicht alle Arten von Immobilien: Gebrauchte Reihenhäuser kamen den Angaben zufolge in Wesel zum Jahreswechsel für 349.000 Euro auf den Markt, im Sommer 2022 lag der Preis bei 299.000 Euro – das entspricht einem Plus von 17 Prozent.

Dennoch: Laut Stachowski entwickelt sich der Markt langsam aber sicher wieder in eine normale Richtung – noch würden viele Häuser und Wohnungen aber weiterhin über ihrem eigentlichen Wert verkauft werden. Vor allem in der Corona-Zeit habe es extreme Entwicklungen gegeben. „Es herrschte eine Goldgräberstimmung auf dem Markt“, sagt der LBS-Experte. Weil viele Menschen nach Eigentum gesucht haben und gleichzeitig die Zinsen historisch niedrig waren, konnten hohe Verkaufspreise erzielt werden.

Als Beispiel nennt Stachowski ein Einfamilienhaus, das um das Jahr 2000 gebaut wurde und damals rund 250.000 Euro gekostet hatte: „Wer das Haus Mitte 2021 verkauft hat, konnte dafür sicher 350.000 Euro erzielen.“ Wohlgemerkt für eine dann seit mehr als 20 Jahren gebrauchte Immobilie. Von solchen Traumpreisen müssen sich Verkäufer mittlerweile verabschieden. Zwar gebe es immer noch genügend Interessenten, aber in vielen Fällen scheitere es bei den potenziellen Käufer an der Finanzierung.

Schließlich haben sich die Bauzinsen deutlich nach oben entwickelt – von rund einem Prozent auf derzeit etwa vier Prozent. „Vor einem Jahr konnte sich fast jeder eine Immobilie leisten“, sagt Stachowski. Weit über 100 Interessenten für ein Objekt waren keine Seltenheit, heute sind es meist um die 20 – von denen am Ende noch eine Handvoll ernsthaft in Frage kommen. Für Verkäuferinnen und Verkäufer bedeutet das: Sie müssen sich von unrealistischen Preiserwartungen verabschieden. „Wenn man verkaufen will, geht das nur über den Preis“, sagt Stachowski.

Jennifer Berndsen schätzt die aktuellen Entwicklungen ähnlich ein. „Die Corona-Zeiten waren nicht normal – und dieser Boom ist vorbei“, sagt die Weseler Immobilienmaklerin. Sie erwartet zwar, dass die Preise weiter zurückgehen, dennoch stelle der Hauskauf vor allem junge Familien vor große Herausforderungen – zu den gestiegenen Zinsen kommt ja auch noch die allgemeine Inflation.

„Auf Expertise vertrauen“

„Ich kann nur raten, sich vor dem Kauf von einem unabhängigen Experten beraten zu lassen und auf diese Expertise zu hören“, sagt Berndsen. Auch Käufer müssten sich ein Stück weit von überzogenen Erwartungen frei machen. „Es muss ja nicht direkt der Sprung von der Mietwohnung in ein Haus sein“, meint Berndsen. „Es kann Sinn machen, kleinere Schritte zu gehen und sich erstmal eine günstigere Eigentumswohnung zu kaufen.“

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