Kreatives

"Orimoto" - Landfrauen in Brünen üben sich in Kunst des Bücherfaltens

Anneliese Hecheltjen (li) und Helli Hecheltjen zeigten die Kunst des Bücherfaltens. Der Igel mit dem Foto ist der Prototyp von Enkel Jannis. Foto: Gerd Hermann

Anneliese Hecheltjen (li) und Helli Hecheltjen zeigten die Kunst des Bücherfaltens. Der Igel mit dem Foto ist der Prototyp von Enkel Jannis. Foto: Gerd Hermann

Hamminkeln.   Bücher, die niemand will, ins Altpapier werfen? Die Brüner Landfrauen haben Besseres damit vor. Orimoto ist die Kunst des Bücherfaltens.

Bücher falten? Wer tut denn sowas? Anneliese Hecheltjen und ihre Mitstreiterinnen der Brüner Landfrauen, die tun das. Und ihre Ergebnisse sind verblüffend. Inzwischen wächst die Fangemeinde der Bücherfaltkunst, Orimoto, und die Landfrauen haben begonnen, gegen Spenden Kurse zu geben.
„Hast du mal ein Buch, so 100 bis 120 Seiten?“ – Enkel Jannis fragte das seine Oma Anneliese. „Damit hat alles angefangen“, sagt sie. Die Kinder sollten in der Schule einen Igel falten. „Es schien mir unvorstellbar, wie das gehen sollte.“ Den Igel gibt es noch. Er ist dekorativ, ein wenig ulkig, und praktisch: Das Büchertierchen lässt sich als Zettelhalter benutzen. Oder einfach als Deko.

Viele Bücher möchte niemand mehr lesen

Anneliese Hecheltjen begann, sich für diese Kunst zu interessieren, Helli Hecheltjen machte schnell mit. An Büchern mangelt es den Frauen nicht: Alle zwei Jahre ist Büchermarkt und manches ist einfach unverkäuflich. „Viele Bücher aus den 60er und 70er Jahren will einfach niemand mehr haben“, sagen die Frauen. Konsalik und Angelique sind out und selbst den Medicus mag kaum noch jemand lesen.

Tut es ihr nicht leid, zum Teil Weltliteratur in Engel oder Igel zu verwandeln? „Nein, auf diese Weise können wir mit Unverkäuflichem noch Gutes tun.“ Zumal die Literatur in der Regel nicht zerstört wird. Man könnte sie entfalten und wieder lesen. Und die Dekobücher stießen auf großes Interesse beim Weihnachtsmarkt. Da war beispielsweise die Frau, die Ihrer Tochter zum 18. Geburtstag einen Engel schenken wollte. „Sie fand einen aus Brechts Mutter Courage. Das war perfekt, denn das Geburtstagskind hatte Deutsch Leistungskurs.“ Die Erlöse sind für einen guten Zweck in Brünen.

Genauigkeit zählt – und das richtige Buch

Damit der Baum, die Tasse oder – Glanzstücke der Sammlung – die Teetasse und das Kreuz gelingen, sollten einige Voraussetzungen erfüllt sein. „Man muss sehr akkurat arbeiten“, nennt Helli Hecheltjen eine. Zudem eignet sich nicht jedes Buch für die Faltkunst. „Taschenbücher haben häufig eine schlechte Bindung“, so die Fachfrauen. Leicht angegilbte Schinken in Altdeutscher Schrift geben besonders attraktive Engel, Kreuze entstehen aus alten Gesangbüchern – sie bestechen durch ihr dünnes Papier. Besondere Formate sind beliebt bei den Frauen, Reclam-Hefte beispielsweise, aus ihnen kann man wunderbare Kaffeebecher falten.

Hat ein Buch einen besonders attraktiven Einband, kann der als Rahmen dienen. „Es gibt so viele Möglichkeiten, ich habe sogar mal eine komplett Krippe gesehen“, sagt Anneliese Hecheltjen. Aber wann findet sie die Zeit? „Das lässt sich locker abends vor dem Fernseher machen.“ Sie lacht. Orimoto made in Brünen, ein Erfolgsprojekt.

Einführungskurs im Weseler Café Minchen

Orimoto weckt Neugier. Deshalb haben die Brüner Landfrauen bereits Einführungskurse gegeben. Ein weiterer steht an am Samstag, 6. Mai, um 15 Uhr im Café Minchen, Dinslakener Landstraße 34, in Wesel. Unter 0281/15706 kann man sich anmelden. Die Landfrauen bitten Teilnehmer um eine Spende.

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