Blindgänger

Bahn verzögert die Entschärfung der Bombe in Wesel

Entschärfer Uwe Palmroth mit der Bombe.

Entschärfer Uwe Palmroth mit der Bombe.

Foto: Johannes Kruck

Wesel.  Ein Fünf-Zentner-Blindgänger wurde am Dienstag an der Moltkestaße entdeckt. Sie lief die Entschärfung ab, diese Probleme gab es.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Feuerwerker Uwe Palmroth wischte sich den Schweiß von der Stirn, doch er wirkte ganz entspannt. Der 50-jährige hatte soeben eine britische Weltkriegsbombe an der Moltkestraße mitten in Wesel unschädlich gemacht.

Vermutlich wurde die Bombe 1944 abgeworfen – auf dem Zünder prägte diese Jahreszahl. Er brauchte dafür mit seinen Helfern vom Kampfmittelräumdienst gerade einmal 25 Minuten – stundenlang mussten dagegen hunderte Personen in der Innenstadt Einschränkungen durch die Evakuierung hinnehmen.

Ab dem frühen Nachmittag begannen Stadtwacht, Feuerwehr und Polizei die Menschen in der Innenstadt darüber zu informieren, wo Personen ihre Wohnungen und Geschäftsräume verlassen müssen und wo sich niemand im Freien aufhalten darf.

Feuerwehr, Polizei und Stadtwacht informierten

Dies war leichter gesagt, als getan: Hunderte Passanten waren an diesem sommerlichen Nachmittag in der Fußgängerzone unterwegs und staunten, als sie zunächst „gebeten“ und Minuten später dann „aufgefordert“ wurden, die Straßen und Plätze zu verlassen. Die meisten Geschäfte räumten alle Aufsteller in ihre Läden und schlossen wenige Minuten später.

Polizei und Feuerwehr fuhr durch die Stadt und informierte – zusätzlich zur Stadtwacht – über die Bombenentschärfung und den Grund dafür. Mitarbeiter der Stadt Wesel verteilten hunderte rosa Flyer mit Informationen für die Anwohner.

Ziel sei es „kurz nach 16 Uhr“ die Absperrung stehen zu haben, wie Ordnungsamtsleiter Gerd Füting ankündigte. Doch daraus wurde nichts: Immer wieder tauchten Passanten in der Fußgängerzone auf. „Wir sind im Innenstadtbereich. Da liegen viele Mehrfamilienhäuser, aus denen immer wieder Personen rauskommen“, so Füting.

Ein paar Leute wollten Absperrungen nicht akzeptieren

Doch es gab auch andere Probleme: An der Baustraße wollten Anwohner eine Absperrung durchbrechen, der Krisenstab musste eine Polizeistreife dort hinschicken, um die Lage zu klären.

Währenddessen warten bereits etwa 100 Leute am Leyensplatz darauf, dass sie wieder in die Fußgängerzone Richtung Berliner Tor laufen durften. Um 16.27 Uhr gab Gerd Füting dann erfreut bekannt, die Absperrung stehe – die Entschärfung könne beginnen. Doch da hatte er die Rechnung nicht mit der Deutschen Bahn gemacht.

Während Polizisten den neugierigen Kindern schon sagten: „Jetzt müsst ihr kräftig die Daumen drücken!“ zogen Minuten später die Mitarbeiter des Krisenstabs wieder lange Gesichter. Soeben war eine Info vom Krisenmanagement der Bahn durchgesickert: Die Bahnstrecke könne erst um 16.50 Uhr gesperrt werden, weil vorher noch Züge durch müssten.

Züge wurden erst später gestoppt

„Typisch, die Bahn sorgt wieder für Verspätung“ und „Bummelbahn“ brummelten die Verantwortlichen vor sich her.

Um 16.56 Uhr war es dann endlich soweit: Auch der Bahnverkehr war zum Stillstand gekommen und Feuerwerker Uwe Palmroth durfte loslegen.

Raketenklemme zieht den Zünder

Mit einer ferngezündeten Raketenklemme wurde der Zünder herausgerissen. Aus rund 100 Metern Entfernung betätigte Palmroth in sicherer Deckung elektronisch das Ausdrehgerät.

Danach musste er „nur noch“ den Detonator herausziehen – um 17.18 Uhr war alles geschafft.


>>> EIN AUFREGENDER DIENSTAG-NACHMITTAG FÜR HUNDERTE PERSONEN IN WESEL:


Schon wieder musste in Wesel am Dienstag eine Weltkriegsbombe entschärft werden – und wieder wurde sie in der Innenstadt gefunden. Im Bereich zwischen Moltkestraße und Trachenbergstraße wurde eine Fünf-Zentner-Bombe bei Bauarbeiten entdeckt.

Da sie einen unberechenbaren chemisch-mechanischen Zünder hatte, musste sie so schnell wie möglich entschärft werden, teilte der Erste Beigeordnete Klaus Schütz mit. Im Radius von 250 Metern um die Fundstelle liefen Evakuierungen, im Radius von 500 Metern waren die Menschen aufgefordert, in geschlossenen Räumen zu bleiben. Betroffen von den Maßnahmen war auch der Bahnverkehr. So lief der Tag der Entschärfung:

17.18 Uhr: Die Bombe ist entschärft, alle Absperrungen werden sofort aufgehoben.

16.45 Uhr: Info vom Krisenmanagement der Bahn: die Bahnstrecke kann erst um 16.50 Uhr gesperrt werden, weil vorher noch Züge durch müssen. Dann können die Feuerwerker beginnen.D

16.29 Uhr: Vor der Absperrung am Leyens-Platz warten rund 100 Personen darauf, dass sie wieder in die Fußgängerzone dürfen.

16.27 Uhr: Jetzt kann die Entschärfung beginnen.

16.26 Uhr: Ordnungsamt-Leiter Gerd Füting begründet die Verzögerung: „Wir sind im Innenstadtbereich. Da liegen viele Mehrfamilienhäuser, aus denen immer wieder Personen rauskommen.“

16.19 Uhr: Der Krisenstab ist am Leyens-Platz eingerichtet.

16.16 Uhr: Die Entschärfung wird sich noch um mindestens einige Minuten verzögern. Es befinden sich noch immer einige Personen innerhalb der Absperrungen.

16 Uhr: Noch immer sind einige wenige Passanten in der Fußgängerzone. Laut Ordnungsamt soll die Absperrung aber „kurz nach 16 Uhr stehen“.

15.51 Uhr: Polizisten lassen jetzt niemanden mehr in den inneren Bereich und gehen durch die Fußgängerzone und sprechen die letzten noch verbliebenen Passanten an.

15.35 Uhr: Die Stadt leert sich merklich:Die Geschäftsleute räumen Aufsteller von den Straßen und schließen teilweise ihre Geschäfte.

15.30 Uhr: Die Stadtwacht fährt mit einem Lautsprecherwagen durch die Fußgängerzone. Durchsage: „Achtung, Achtung!

Aufgrund einer Bombenentschärfung in der Moltkestraße werden alle Personen in der Fußgängerzone aufgefordert diese zu verlassen. Es darf sich im Freien keiner aufhalten.“ Die Passanten und Geschäftsleute reagieren überrascht, aber relativ gelassen und setzen sich langsam in Bewegung. (rme/jok)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben