Blühstreifenprojekt

In Wesel-Ginderich blüht den Insekten was

Der Blühstreifen an der Gindericher Straße ist 600 Meter lang.

Der Blühstreifen an der Gindericher Straße ist 600 Meter lang.

Foto: Heiko Kempken / FUNKE Foto Services

Wesel.  Im Sinne des Naturschutzes arbeiten der Kreis, die Kreisjägerschaft und die Stiftung Rheinische Kulturlandschaft eng zusammen.

Für die Autofahrer war die Adresse gestern eher schwer zu lokalisieren, doch im Navigationssystem der Bienen, Schmetterlinge und Hummeln ist der neue Blühstreifen an der Gindericher Straße längst fest vermerkt, wie zu beobachten war. Hier an der Grenze zwischen Ginderich und Alpen parallel zur Borthschen Ley ist auf einer Länge von 600 Metern ein etwa sechs Meter breiter Blühstreifen gewachsen – im Rahmen eines gemeinsamen Projektes des Kreises Wesel und der Stiftung Rheinische Kulturlandschaft zur Förderung der biologischen Vielfalt.

Angelegt hat ihn Landwirt Hermann Verweyen-Thenagels. Mit der Vertragsunterzeichnung im Januar haben Landrat Ansgar Müller und Friedhelm Decker, Vorstandsvorsitzender der Stiftung, das auf fünf Jahre angelegte Kooperationsprojekt auf den Weg gebracht. Seit der Vertragsunterzeichnung wurden im Kreis in Zusammenarbeit mit 23 Flächenbewirtschaftern Blühstreifen auf einer Gesamtfläche von 16,4 Hektar angelegt. „Vor dem Hintergrund des Insektensterbens ist diese Vereinbarung ein wichtiger Schritt“, sagte der Landrat. Maßnahmen für den Naturschutz sind momentan das große Stichwort, wie auch Friedhelm Decker betonte. „Die Maßnahme hat einen ökologischen Mehrwert für bestäubende Insekten und ist in die Abläufe der landwirtschaftlichen Betriebe integrierbar, sie fördert die biologische Vielfalt im Kreis.“

Kornblumen und Klatschmohn

Mit dem erhöhten Blüten- und damit Insektenangebot verbessere man gleichzeitig die Lebensbedingungen für Vogelarten wie Feldlerche, Sperling und Kiebitz, für die Insekten ein wichtiger Nahrungsbestandteil sind. „Eine große Kette von Tieren braucht dieses Gebiet, es hat eine große Funktionalität“, betonte auch Winfried Letzner von der Unteren Landschaftsbehörde.

Landwirt Thenagels zeigte sich ebenfalls erfreut über den gestern noch in voller Pracht stehenden Blühstreifen unter anderem mit Kornblumen, Klatschmohn, Margeriten und vielen Gräserarten. „Das Saatgut sei einen Tick zu spät in den Boden gekommen, sei aber trotz des trockenen Sommers aufgegangen. Wohl auch weil der Grundwasserspiegel an dieser Stelle nicht sehr tief sei. Inzwischen seien auch die Spaziergänger durch die Beschilderung informiert. „Eine rundum gelungene Sache“, findet Hermann Verweyen-Thenagels. Der Kreis finanziert das Projekt komplett durch Ersatzgelder, die ausschließlich für Maßnahmen zur Entwicklung der Landschaft zur Verfügung stehen. Im Herbst würden weitere Bewirtschafter hinzugekommen, verriet Torsten Quinkenstein, Projektleiter der Stiftung, die kreisweite Fläche auf 23 Hektar ausgebaut, in 2021 sogar auf 28 Hektar.

Vereinbarung unterzeichnet

Gleichzeitig unterzeichneten Landrat Müller, Vorstandsvorsitzender Decker und Alfred Nimphius, Vorsitzender der Kreisjägerschaft, gestern vor Ort eine Vereinbarung zur Verbesserung der Lebenssituation von Niederwild wie Rebhuhn, Fasan und Feldhase sowie den Insekten. Unterstützt werden sollen Maßnahmen wie die Anlage von Saumstreifen, Wildäckern, Hecken und Altgrasstreifen. „Jeder Schritt ist ein Schritt in die richtige Richtung“, betonte Nimphius vor dem Hintergrund des Insektensterbens.

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