Serie „Janz schön jeck“

In Hamminkeln-Dingden feiern sie mit Herzblut Karneval

Die katholische Jugend in Dingden brachte den Karneval im Dorf ans Laufen. Daraus entstand der KCD Dingden.

Die katholische Jugend in Dingden brachte den Karneval im Dorf ans Laufen. Daraus entstand der KCD Dingden.

Hamminkeln.   Beim KCD Dingden geht es familiär zu. Aber die Karnevalisten aus Hamminkeln schaffen es auch immer wieder in die überregionalen Schlagzeilen.

Nicht, dass sie es darauf anlegen, aber irgendwie schaffen es die Karnevalisten aus Dingden immer wieder auch überregional in die Schlagzeilen. So zum Beispiel 2003/2004, als der KCD mit Tunkadi und Ambroisine Matondo ein farbiges Paar als Prinz und Prinzessin in die Session schickte. Da gaben sich die Journalisten die Klinke in die Hand, denn wer hätte gedacht, dass es sowas auf dem platten Land geben würde. So ganz verstanden haben die Dingdener Narren die Aufregung bis heute nicht. „Das sind nette Leute, die Kinder tanzen heute noch bei uns“, erzählt der langjährige Vorsitzende Ewald Kemmler: „Für uns zählt der Mensch.“ Punkt.

Theoretisch genau richtig, wenn die Realität nicht immer wieder andere Geschichten erzählen würde. So war es auch in der vergangenen Session. Zweimal sprangen Kandidaten ab, weil die designierten Prinzessinnen schwanger geworden waren. In der Not sprangen Tanja Lange und Claudia Wissmann ein – ein Frauenpaar als Prinz und Prinzessin. Kemmler: „Der erste Zweifler war ich, aber nur ein paar Sekunden.“ „Bei der ersten Veranstaltung sind wir schon beäugt worden“, erinnert sich Claudia Wissmann. Aber, was soll es. Die beiden Dingdenerinnen überzeugten mit ihrem überbordenden Humor auch noch die stursten Narren der Region. „Nach der ersten Veranstaltung war das vorbei“, sagt Wissmann. Das Narrenvolk der Region hatte einen Narren an den beiden Majestäten gefressen. Die Dingdener Jecken sowieso, denn die kennen Claudia und Tanja ja schließlich bereits seit Jahren.

Zeit bleibt auch beim KCD Dingden nicht stehen

Genau dieses „sich kennen“ führte auch dazu, dass in dieser Session mit Udo I. und Sonja II. zwei Narren aus der benachbarten Kreisstadt im Dorf auf dem Thron sitzen. Sie feiern schon seit Jahren in Dingden mit. Dieser freundschaftlich-familiäre Umgang miteinander, finden Ewald Kemmler und Claudia Wissmann, ist das größte Plus des Vereins. Egal, ob Kinderkarneval oder Rosenmontagszug.

Aber auch beim KCD Dingden bleibt die Zeit nicht stehen. „Früher hatten wir Sitzungen mit vielen Büttenrednern. Auf der Bühne wurden Dönnekes erzählt“, blickt Ewald Kemmler zurück. Halt ganz traditionelle Karnevalssitzungen. Die Zeiten sind vorbei. „Die Leute wollen nicht mehr lange zuhören“, hat der langjährige Vorsitzende beobachtet. Nicht passiv dabei sein, sondern mitmachen sei heute eher gefragt. Deshalb gebe es mittlerweile auch mehr Showacts bis hin zur Akrobatik. „Das hätte man sich früher gar nicht vorstellen können“, wundert sich Kemmler ein wenig über die Entwicklung. Aber so ist halt der Lauf der Zeit. Ab einer gewissen Größenordnung müsse man mitmachen. Kemmler: „Wir müssen ja auch zusehen, dass wir die Bude voll kriegen.“

Es begann im Herbst 1966 mit der KaKaJu

Denn der Dingdener Karneval ist im Laufe der Zeit gewachsen. Angefangen hat alles noch als im Herbst 1966 als KaKaJu. Hermann-Josef Fischer, Konrad Fischer, Heinz Hülsken, Josef Böckenhoff, Hermann Kruse, Gerhard Fischer, Annemarie Dickmann, jetzt Hülsken, Doris Dickmann, jetzt Spinneken, und Christel Schulte waren die Gründungsnarren der Katholischen Karnevals Jugend von St. Pankratius. Vorher war der Bocholter Karnevalsverein „Land des Lächelns“ für die Bespaßung der Dingdener zuständig. Doch der Humor, so ist es der Chronik zu entnehmen, war „etwas zu zweideutig“. Also KaKaJu und seit 1979 KCD.

Die Gaststätte Hoffmann, eigentlich das Stammlokal seit Anfangsjahren, wurde im Laufe der Zeit zu klein. Also zog der KCD Dingden, nach langen Diskussionen ins Festzelt. Kemmler: „Das war eine ganz schwierige Entscheidung“. Aber eine richtige, wie sich herausstellte.

Besonders 2009. Da war die Damensitzung restlos ausverkauft. Warum? Die Dingdener hatten mal wieder einen Coup gelandet. Schäfer Heinrich aus „Bauer sucht Frau“ sang das „Schäferlied“ vor den Närrinen. „Die sind damals mit Bussen angereist. Unglaublich, was da los war“, schüttelt Claudia Wissmann bis heute den Kopf. Und erinnert sich an eine Frau, die vom Anti-Adonis forderte: „Ich will ein Kind von Dir.“ Tja, jeder Jeck ist anders.

>>>Info: Die nächsten Termine der Dingdener Karnevalisten

  • Mit der Altweiberparty startet am Donnerstag ab 18.11 Uhr im Festzelt an der Krechtinger Straße die heiße Phase des Dingdener Karnevals. Am Freitag heißt es ab 20.30 Uhr Abu DhAbi. Am Samstag nach der Messe um 17.30 Uhr steigt die Karnevalsparty ab 19.11 Uhr, am Sonntag feiern ab 15.11 Uhr die Kinder, bevor am Montag als Höhepunkt der Zug um 10 Uhr startet.

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