Marienthaler Abende

In Hamminkeln gibt es den ganzen bunten Kitsch der Liebe

„Die Damen und Herren Daffke“ warfen einen musikalischen Blick in die 20er Jahre.

„Die Damen und Herren Daffke“ warfen einen musikalischen Blick in die 20er Jahre.

Foto: Markus Joosten / FUNKE Foto Services

Hamminkeln.  Zwischen Freiheitsdrang und Faschismus: In Marienthal versetzten „Die Damen und Herren Daffke“ das Publikum in die 20er Jahre zurück.

„Bravo!“, wurde gleich mehrfach und laut gerufen. Tosenden Applaus mit den Händen und stampfenden Beifall mit den Füßen gab es oben drauf. Am Mittwochabend stand das Publikum bei den Schlussovationen und bedankte sich lautstark für einen schönen, humorvollen und gleichzeitig auch nachdenklichen Abend. Zuvor hatten „Die Damen und Herren Daffke“ – fünf Künstlerinnen und Künstler, die seit fünf Jahren gemeinsam auf der Bühne stehen und sich im Studium an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock kennengelernt hatten – bei den Marienthaler Abenden die sprichwörtliche „Weltkultur auf dem Dorfe“ wieder einmal von einer ganz neuen Seite präsentiert.„Das ist eine gute Mischung aus politischem Lied und Entertainment“, meinte ein Gast aus Bocholt.

„Die Damen und Herren Daffke“ boten eine Reise durchs Berlin der 20er und 30er Jahre. Der Reigen wurde mit der gesummten Melodie „Irgendwo auf der Welt, gibt’s ein kleines bisschen Glück“ (Original von den Comedian Harmonists 1932) eröffnet. Der tonale Besuch in Bordellen, Spelunken und im Cabaret nahm schnell Fahrt auf, denn „Es liegt in der Luft was Idiotisches. Es liegt in der Luft was Hypnotisches“, sangen die Künstler und das war für die Marienthaler Abende was Exotisches.

Themen treiben die Menschen auch heute noch um

Markus Paul zog in einer kurzen Moderation einen Vergleich: „Damals wie heute treiben die Themen der Lieder die Menschen um“, und ergänzte schmunzelnd „Wir singen ihnen den ganzen bunten Kitsch der Liebe ins Ohr!“ Mit viel Körpereinsatz und darstellerischer Kunst schlüpften die Künstler immer wieder in neue Rollen. So sang die Zauberassistentin verliebt und voller Neid über ihren Zersäger, der immer den ganzen Applaus bekommt.

Dann drohte das kleine Böse „Huhu, Huhu. Ihr alle werdet in den bösen Sack gesteckt“, doch leider ohne Erfolg, denn „Kein Aas hat sich erschreckt“, musste das kleine Böse konstatieren. Rund 200 Gäste waren gekommen und genossen das außergewöhnliche Liederwerk, das von so bekannten Komponisten wie Kurt Weill, Friedrich Hollaender, Werner Richard Heymann und Hanns Eisler geschaffen wurde.

Ein Blick in die wilde Umbruchzeit nach dem 1. Weltkrieg

Doch nicht nur mit Liedern, auch mit kurzen Texten wagten „Die Damen und Herren Daffke“ einen Blick in die Abgründe der menschlichen Seele und Natur und ließen so die geschichtliche, wilde Umbruchzeit nach und vor den Weltkriegen wieder lebendig werden. Gefühlvoll wurden die vier Sängerinnen und Sänger von Ilan Bendahan Bitton am Klavier begleitet. Gerne auch gruppiert um das Tasteninstrument sangen Franziska Hiller, Friederike Kühl, Dennis Kuhfeld und Markus Paul frisch und frech auf.

„Es gefällt uns sehr gut“, meinten Waltraud und Heinz Eidam aus Dinslaken, die zusammen mit Karin und Norbert Swoboda aus Obrighoven gekommen waren.

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