Kultur und Corona

In Wesel gibt es Comedy durchs Autofenster

Die Komikerin Mirja Boes steht mit der Band Honkey Donkeys auf der Bühne vom Autokino in Wesel. Wegen der Corona-Pandemie ist der Auftritt nur aus Autos zu betrachten.

Die Komikerin Mirja Boes steht mit der Band Honkey Donkeys auf der Bühne vom Autokino in Wesel. Wegen der Corona-Pandemie ist der Auftritt nur aus Autos zu betrachten.

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Wesel.  Mirja Boes war die erste Künstlerin, die im Autokino auftrat. Die Zuschauer sassen in etwa 80 Autos und hupten, Applaus zu signalisieren.

Etwa 80 Autos, eine Bühne mit Aufbau für eine Band und eine Großleinwand: So präsentierte sich der Schauplatz des Auftritts von Mirja Boes beim Wesel Comedy Drive In an der Rheinpromenade. Die Stadtwerke Wesel haben sich auf das Experiment eingelassen, Comedy im Autokino zu spielen.

Die TV-bekannte Komikerin und Sängerin hat ihre ersten Sporen beim harten Geschäft am Ballermann auf Mallorca verdient – aber an so eine Show wie am Donnerstagabend hat auch sie vor einem Jahr wohl nicht gedacht. Interaktion mit dem Publikum, von der Stand-Up eigentlich lebt, war natürlich nur sehr eingeschränkt möglich. So dauerte es für Mirja Boes im Verlauf der Show dann zum Beispiel auch einige Zeit, bis sie herausgefunden hatte, ob es in Wesel einen Weihnachtsmarkt gibt.

Corona mal besungen

Alle Beteiligten versuchten nach Kräften, aus den besonderen Umständen das Beste zu machen – und so wurde fleißig gehupt, geblinkt und aufgeblendet. Und Mirja Boes scheint sich ebenfalls an die Bedingungen angepasst zu haben: Ein Schild mit Pfeilen sorgte dafür, dass an gewünschten Stellen die richtigen Signale von den Autos kamen. Schild nach rechts – aus Sicht der Künstlerin: links blinken, Schild nach oben: aufblenden, Schild nach links: rechts Blinken, Schild – so Mirja Boes wörtlich: „auf die Hupen: hupen“.

So oder so: Corona war natürlich allgegenwärtig an diesem Abend. Und auch gleich der erste Song bezog sich auf die aktuelle Lage: „Die Maske hat dich schön gemacht“ lautet der Refrain des Stücks. Thematisch ging es im weiteren Verlauf des Abends um Darmspülungen, Menstruation und ähnlich mehr oder weniger Unappetitliches. Ein Ansatz, der vor fünfzehn Jahren sicher originell war, aber leider bis heute allzu oft das Comedy-Geschehen dominiert.

Es gibt keine Erfahrungswerte

So durfte auch der Hit nicht fehlen, der Mirja Boes bekannt gemacht hat: Die berühmt-berüchtigten 20 Zentimeter wurden in Fassungen von den Wildecker Herzbuben, Elvis und Udo Lindenberg von Sängern der Band „Honkey Donkeys“ in entsprechender Verkleidung dargebracht. Schwierig zu beschreiben, ob es dem Publikum gefallen hat: Schließlich hat man keine Erfahrungswerte über Dauer und Intensität eines Hup-Applauses.

So richtige Live-Atmosphäre wollte irgendwie nicht aufkommen, zuviel Technik lag zwischen Künstlern und Publikum: Der Ton aus dem Autoradio, das Bild im Wesentlichen von der Leinwand. Vielleicht ist es gut, dass Veranstaltungen dieser Art den Menschen vor Augen führen, wie wichtig der unmittelbare Kontakt zwischen Publikum und Künstlern ist: Auch eine perfekt organisierte Veranstaltung wie die vom Donnerstag ersetzt eben kein echtes Live-Erlebnis.

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